Die Grippewelle hat begonnen: Auch das Wetter spielt eine Rolle

Zahlen des Bundesamts für Gesundheit zeigen: Die Grippesaison läuft an. In diesem Jahr kommen die Viren aus dem Westen. 

Marco Cappellari
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Die Symptome einer Grippeerkrankung können sehr unterschiedlich sein.

Die Symptome einer Grippeerkrankung können sehr unterschiedlich sein.

Getty Images

Die Grippe ist da. In der Schweiz tritt sie traditionell jeden Winter als Epidemie auf – die Grippewelle. Davon spricht das Bundesamt für Gesundheit (BAG), wenn ein bestimmter Schwellenwert an Verdachtsfällen von «grippeähnlichen Erkrankungen» erreicht ist (siehe Kasten).

Der diesjährige Wert wurde in der vergangenen Woche überschritten, wie am Mittwoch veröffentlichte Zahlen des BAG zeigen (siehe Grafik). Und zwar scheint die Welle in diesem Jahr aus dem Welschland zu kommen, wo die Grippe bereits aktiver ist als in der Ostschweiz.

Epidemie-Überwachung

Das BAG überwacht während des Winterhalbjahrs die Anzahl der Grippeverdachtsfälle in den Arztpraxen. Zwischen Oktober und April erstattet es jede Woche Bericht und gibt eine Risikobeurteilung ab. Dazu melden Hausärzte in der Schweiz wöchentlich und anonym Beobachtungen aus der Praxis. Verdachtsfälle auf Grippeerkrankungen werden auf Konsultationen pro 100000 Einwohner hochgerechnet. Der Schwellenwert zur Epidemie beträgt in diesem Jahr 69 Fälle pro 100000 Einwohner.

«Die diesjährige Kurve folgt mehr oder weniger exakt der letztjährigen», sagt Domenica Flury, Oberärztin an der Klinik für Infektiologie und Spitalhygiene des Kantonsspitals St.Gallen. Damals dauerte die Grippewelle bis Ende März.

Die Grippeerkrankung an sich dauert gewöhnlich eine Woche. Sie macht sich durch plötzlich auftretendes hohes Fieber oder Fiebergefühl, Schüttelfrost, Husten sowie Schmerzen des Halses, des Kopfs, in den Muskeln und Gelenken bemerkbar. Die Symptome unterscheiden sich jedoch von Person zu Person.

Verwechslung mit Erkältung

Bei milderen Symptomen kann die Grippe mit einer Erkältung verwechselt werden. Zwar werden beide Erkrankungen durch Viren ausgelöst. Die Influenza-Viren können aber besonders bei Risikogruppen mitunter gefährliche Komplikationen zur Folge haben. Flury: «Darunter fallen insbesondere Menschen über 65, schwangere Frauen oder Frauen bis vier Wochen nach der Geburt sowie chronisch Erkrankte.»

Speziell diese Gruppe sei auf die Grippeimpfung angewiesen. «Ältere Personen und solche mit eingeschränktem Immunsystem reagieren jedoch viel schlechter auf die Impfung und sie ist auch weniger wirksam.»

Zudem verlaufe die Grippe gerade bei diesen Personen schwerer. Deshalb sei es hier wichtig, dass das Umfeld dieser Gruppe geimpft ist. Das BAG empfiehlt die Grippeimpfung im Herbst. «Bis zum vollen Schutz dauert es normalerweise 10 bis 14 Tage», sagt Flury. Doch auch jetzt noch mache die Impfung Sinn, nach dem Motto «lieber spät als nie».

Es gibt zwei Hauptvirenstämme

Die Impfstoffe werden jährlich angepasst, basierend auf den Viren der Vorsaison. Denn es gibt bei der Grippe verschiedene Virenstämme. «Aktuell sind rund Dreiviertel der Erkrankungen auf Influenza-A-Viren zurückzuführen. Diese sind von der Impfung gut abgedeckt. Bei Influenza B ist die Abdeckung in diesem Jahr weniger optimal.»

Allerdings verlaufe die Infektion bei den A-Viren häufig schwerer. Und: «Der Krankheitsverlauf wird genauso von den Vorerkrankungen sowie den genetischen Besonderheiten eines Patienten beeinflusst.» Die jährliche Grippeimpfung ist jedoch nur die halbe Miete. «Zu einer wirksamen Übertragungsprävention gehört auch die Händehygiene sowie ein optimales Hustenverhalten, die antivirale Behandlung sowie im Spital die Isolierung der Patienten.»

Doch auch das Wetter spielt bei der Verbreitung der Grippe eine Rolle, wie Flury sagt. «Untersuchungen bei Meerschweinchen haben gezeigt, dass die Verbreitung der Tröpfcheninfektion bei der Grippe am besten bei 5 Grad und tiefer Luftfeuchtigkeit funktioniert.»

Grippe: Die Impfsaison hat begonnen

Im Thurgau und im Kanton St.Gallen bieten auch Apotheken Grippeimpfungen an. Wie wirksam der Impfstoff diesen Winter sein wird, ist allerdings noch ungewiss. Das hängt von den Viren selbst ab.
Katharina Brenner