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«Die Grenze ist für mich bedeutungslos» - Markus Käfer pendelt seit 38 Jahren aus Österreich in die Schweiz

Über 6000 Vorarlberger fahren täglich über die Grenze in den Kanton St.Gallen zur Arbeit. Auch der 55-jährige Buchhalter Markus Käfer. Für ihn sind Ostschweiz und Vorarlberg eine kulturelle Region. Grenzen hin oder her.
Interview: Adrian Lemmenmeier
Warten am Grenzübergang von Au nach Lustenau. (Bild: Hanspeter Schiess)

Warten am Grenzübergang von Au nach Lustenau. (Bild: Hanspeter Schiess)

In der Rheintaler Gemeinde Au arbeiten kantonsweit am meisten Grenzgänger. Ein Grossteil davon ist beim Industrieunternehmen SFS angestellt, das mechanische Befestigungssysteme und Präzisionskomponenten herstellt. SFS beschäftigt weltweit rund 10000 Mitarbeiter. Am Hauptstandort im Rheintal sind es rund 1690. Davon sind gut 470 (28 Prozent) Grenzgänger, fast ausschliesslich aus Österreich. Auch Markus Käfer pendelt täglich über die Grenze zur Arbeit – und das seit 38 Jahren. Er leitet in der Buchhaltung der SFS die Abteilung Kreditoren. In einem kühl beleuchteten Seminarraum lädt der Vorarlberger zum Kaffee.

Wie lange waren Sie heute unterwegs zur Arbeit?

Markus Käfer: Sieben oder acht Minuten mit dem Auto. Ich wohne in Lustenau, gleich auf der anderen Seite des Rheins, habe also einen angenehm kurzen Arbeitsweg.

Dieser Weg führt über eine Landesgrenze. Merken Sie das überhaupt?

Markus Käfer, Leiter Abteilung Kreditoren bei SFS.

Markus Käfer, Leiter Abteilung Kreditoren bei SFS.

Kaum. Ich nehme den kleinen Grenzübergang bei Widnau. Dort gibt es kaum mehr Kontrollen. Und es gibt so gut wie nie Stau, weil der Übergang für Lastwagen gesperrt ist. Das letzte Mal kontrolliert wurde ich vor etlichen Jahren. Für mich ist die Grenze also bedeutungslos.

Sie haben also keine Heimatgefühle, wenn Sie nach Feierabend über den Rhein fahren.

Nein. Ich sehe das ganze Rheintal als eine Region. Zwar trennt die Grenze die Ostschweiz politisch von Vorarlberg. Kulturell sind wir uns aber sehr nah. Ich fahre ja nicht jeden Tag in ein fremdes Land, in dem ich die Sprache nicht verstehe.

Kürzlich hat eine Interpellation des St.Galler Kantonsrats Martin Sailer für Aufsehen gesorgt. Er schlug vor, das Vorarlberg solle ein Schweizer Kanton werden – oder mit dem Kanton St.Gallen fusionieren.

Ein interessanter Vorschlag. Ich kann dem sehr viel abgewinnen. Vorarlberg und die Schweiz passen sehr gut zueinander. Natürlich ist ein Ausstieg aus der Republik Österreich derzeit nicht realistisch. Ich finde es aber wichtig, dass wir solche Themen offen diskutieren.

Fühlen Sie sich trotz aller Gemeinsamkeiten manchmal fremd in der Schweiz?

Nein. Ich hatte noch nie das Gefühl, dass man mich hier nicht akzeptiert.

Weshalb haben Sie sich entschieden, in der Schweiz zu arbeiten?

Das war kein von langer Hand geplanter Entscheid. Bereits mein Vater hat hier gearbeitet, bei der Firma Wild, der heutigen Leica. Als ich 17 war und gerade die Handelsschule in Lustenau abgeschlossen hatte, riet er mir, mich auch in der Schweiz nach Arbeit umzusehen. So bin ich zur SFS gekommen. Heute bin ich 55 – und arbeite immer noch hier.

Wer in Österreich wohnt und in der Schweiz arbeitet, profitiert von einem hohen Lohn bei tieferen Lebenshaltungskosten.

Als Grenzgänger profitiert man aktuell vor allem von Wechselkursgewinnen. Momentan ist der Franken sehr stark. Das kann sich aber wieder ändern. 2005 kostete ein Euro noch 1.60 Franken. Unterm Strich befinden wir uns sicher in einer privilegierten Situation. Wer in anderen Regionen Österreichs wohnt, hat keine vergleichbaren Möglichkeiten. Es geht aber nicht nur um den Lohn. Sehr wichtig ist für mich auch ein gutes Arbeitsumfeld. Und dass ich bei einem international renommierten Unternehmen arbeiten kann. Bei SFS treffen beide Kriterien zu.

Und das Unternehmen ist seinerseits auf Grenzgänger angewiesen.

Das ist so. Ganz ohne Grenzgänger wäre es für ein Unternehmen wie SFS schwierig. So haben wir die klassische Win-win-Situation.

Was für Nachteile haben Sie als Grenzgänger?

Ich sehe keine Nachteile. Als Grenzgänger habe ich nicht mehr administrativen Aufwand als Angestellte, die in der Schweiz wohnen. Klar, in Österreich arbeitet man teilweise weniger Stunden pro Woche und hat ausserdem mehr Feiertage. Für mich ist das aber nicht besonders wichtig.

Gibt es in Vorarlberg Missgunst gegenüber den Leuten, die zum Arbeiten in die Schweiz fahren?

Es gibt sicher Leute, die es nicht gut finden, wenn Fachkräfte aus dem Vorarlberg weggehen. Aber der Wettbewerb um Spezialisten in der Ostschweiz, Vorarlberg und dem Süddeutschen Raum ist gross. Und wir haben einen freien Arbeitsmarkt. Schliesslich profitiert auch der österreichische Staat von den Steuern der Grenzgänger.

Kennen Sie auch Leute, die von der Schweiz ins Vorarlberg zur Arbeit pendeln?

Es gibt sicher Schweizer, die im Vorarlberg in Führungspositionen arbeiten. Sie verlegen aber in der Regel auch ihren Wohnsitz nach Österreich. Für Schichtarbeit aus der Schweiz anzureisen, lohnt sich nicht.

Was für ein Bild haben Sie von der Schweiz?

Ich finde, die Schweiz ist ein vorbildliches Land, in dem vieles gut funktioniert. Klischeemässig verbindet man die Schweiz Land mit den Attributen Fleiss und Qualität. Nach jahrelanger Arbeit hier muss ich sagen: Diese Klischees stimmen.

Haben Sie sich je überlegt, in die Schweiz zu ziehen?

Nein. Ich bin in Lustenau fest verankert. Es gibt für mich keinen Grund, den Wohnort zu wechseln.

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