Die Generation Facebook und das OpenAir

ST.GALLEN. Das OpenAir St.Gallen versinkt nicht nur im Schlamm, sondern auch in einer Datenflut. Weil die Festivalbesucher mittlerweile fast ständig online sein wollen und immer grössere Datenmengen verschicken, müssen die Anbieter die Infrastruktur auf dem Gelände massiv aufrüsten.

Felix Burch
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Die 37. Ausgabe des OpenAir St.Gallen ist zum einen ein riesiges Schlammfest. Am Samstagmorgen mussten die Veranstalter einen Schneepflug einsetzen, um die Schlammmassen von der Strasse zu bekommen. Zum anderen avanciert das Festival zu einem regelrechten Social-Media-Event. Smartphones sind omnipräsent, die Besucher brauchen sie nicht nur zum Telefonieren und SMS schreiben. Sie fotografieren sich gegenseitig, filmen während den Konzerten und stellen sämtliches Material auf Facebook oder teilen ihren Freunden via WhatsApp mit, was sie gerade erlebt haben. Die heutige Generation funktioniert nach dem Motto «Pix it or it didn't happen» – sie muss alles sofort mit einem Bild oder Video beweisen.

Bild: Luca Linder
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Bild: Benjamin Manser
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. (Bild: Jonny Schai)
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Netzkapazität vervierfacht
Beim Swisscom-Stand liessen bis am Samstagmittag weit über 4000 Festivalbesucher ihre Handys gratis aufladen. Carmen Henny, eine Kundin, meint: «Ohne Natel finde ich meine Freunde nicht mehr.» Um die ungeheuren Datenmengen bewältigen und eine gute Mobilfunkabdeckung bieten zu können, müssen die Anbieter kräftig in die Infrastruktur investieren. Swisscom, Orange und Sunrise haben ihre Antennen rund um das Festival-Gelände aufgerüstet, zudem installierten sie mobile Antennen im Sittertobel. Swisscom, die erstmals LTE einsetzt, steigerte die Kapazität im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent, Sunrise hat die Netzkapazität laut eigenen Angaben gar vervierfacht.

Auf sie haben viele gewartet: Auftritt der Ärzte mit Farin Urlaub zum Abschluss des OpenAirs. (Bild: Benjamin Manser)
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Die Ärzte rocken das Sittertobel. (Bild: Benjamin Manser)
Deutsch-Punkrock aus Berlin: Die Ärzte. (Bild: Benjamin Manser)
Ärzte-Frontmann Farin Urlaub. (Bild: Benjamin Manser)
Danielle Haim, Sängerin der Band Haim aus den USA. (Bild: Luca Linder)
Die Band Haim besteht aus drei Schwestern aus den USA. (Bild: Benjamin Manser)
Das Goldacher DJ-Duo Soda in Aktion. (Bild: Benjamin Manser)
Einer der Headliner am OpenAir 2013: Kings of Leon. (Bild: Benjamin Manser)
Auftritt der Band of Horses. (Bild: Benjamin Manser)
Einheimische Kost gab es von Sophie Hunger. (Bild: Benjamin Manser)
Die Kings of Leon auf der Sitterbühne. (Bild: Benjamin Manser)
Rapperin aus dem Kanton Bern: Steff la Cheffe. (Bild: Jonny Schai)
Lokalmatadoren: A Crashed Blackbird Called Roseship. (Bild: Jonny Schai)
Kyla la Grange auf der Sternenbühne. (Bild: Benjamin Manser)
Die Band Bonaparte wurde 2006 in Barcelona gegründet. (Bild: Luca Linder)
Sänger mit Maskerade: Tobias Jundt, Frontmann der Band Bonaparte. (Bild: Luca Linder)
Der Bonaparte-Sänger - ein Fall für das Vermummungsverbot? (Bild: Luca Linder)
So sieht der Schweizer Bonaparte-Sänger Tobias Jundt unverkleidet aus. (Bild: Luca Linder)
Jón Þór Birgisson, Leadsänger der Band Sigur Ros, in Aktion. (Bild: Luca Linder)
Eine haarige Angelegenheit: Die Band Friska Viljor performt auf der Sternenbühne. (Bild: Luca Linder)
Die St.Galler Band Tüchel hatte ein Heimspiel im Sittertobel. (Bild: Jonny Schai)
Biffy-Clyro-Frontmann Simon Neil. (Bild: Benjamin Manser)
Schotte ohne Shirt: Simon Neil von Biffy Clyro. (Bild: Benjamin Manser)
Eine Gummipuppe als "Geschenk": Macklemore nimmt's gelassen... (Bild: Luca Linder)
...und macht weiter. (Bild: Luca Linder)
Rapper Wanz als Dritter im Bunde bei Macklemore & Ryan Lewis. (Bild: Luca Linder)
Temperaturen fast wie in der Heimat: Nanna Bryndís Hilmarsdóttir von der isländischen Band Of Monsters And Men. (Bild: Luca Linder)
Ragnar Þórhallsson (Of Monsters And Men). (Bild: Luca Linder)
Klare Ansage: ¥o-Landi Vi$$er von der südafrikanischen Combo Die Antwoord. (Bild: Benjamin Manser)
Rapper Ninja macht die Kälte im Tobel nichts aus. (Bild: Luca Linder)
Afrikaans und Englisch sind ihre Sprachen, Rap ihr Vehikel: Die Antwoord aus Südafrika. (Bild: Benjamin Manser)
Adam Grahn, Sänger der schwedischen Band Royal Republic. (Bild: Luca Linder)
Royal Republic machen den Anfang auf der Sternenbühne. (Bild: Benjamin Manser)
Adam Grahn von Royal Republic. (Bild: Luca Linder)

Auf sie haben viele gewartet: Auftritt der Ärzte mit Farin Urlaub zum Abschluss des OpenAirs. (Bild: Benjamin Manser)

Facebook als wichtigster Kanal
Die Datenvolumen nehmen allgemein rasant zu. Gemäss der Orange-Mediensprecherin Therese Wenger gibt es in der Schweiz alle zwölf Monate eine Verdoppelung. Social-Media-Experten erklären das Phänomen: «Grossanlässe wie das OpenAir St.Gallen werben in eigener Sache intensiv über soziale Medien», sagt Martin Hermida vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich. Zudem informierten sich die Besucher über soziale Medien, wer ebenfalls ans Festival gehe. Das führt dazu, dass sie auch am Festival selber oft über soziale Medien kommunizieren. Über Facebook tritt auch das OpenAir selber in Kontakt mit den Festivalgängern. OpenAir-Mediensprecherin Sabine Bianchi bestätigt: «Facebook ist für uns heute der wichtigste Kanal, um mit den Besuchern zu kommunizieren.»

Die beiden Brüder Dennis (l.), 25, und Daniel Ledergerber, 22, aus Rorschacherberg. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
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Lucienne Berger (l.), 21, aus Wettingen, und Ilenja Sciuscio, 22, aus St.Gallen. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Wayne Hintermann, 20, aus Wittenbach. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Heidi Künzler (l.), 19, und Seraina Huber, 23, aus St.Gallen. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Jan Scheuermeier, 17, aus Schaffhausen. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Florian Harzenmoser, 21, aus Schaffhausen. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Dani Bolt, 31, aus St.Gallen. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Tim Geiser, 18, aus Bern. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Tobias Nyderegger, 19, aus Bern. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Kian Schmutz, 17, aus Münsingen. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Riccardo Robbi, 25, aus Buchs. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
Mario Heeb, 23, aus Buchs. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)
David Göldi, 25, aus Buchs. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)

Die beiden Brüder Dennis (l.), 25, und Daniel Ledergerber, 22, aus Rorschacherberg. (Bild: Luca Linder/Benjamin Manser)

Festival verliert an Exklusivität
Christian Hoffmann vom Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Universität St.Gallen sagt: «Online-sein ist für Junge fast deckungsgleich mit Auf-Facebook-sein.» Durch das Heraustragen der Bilder und der Musik verliert das Festival auf der einen Seite an Exklusivität. Auf der anderen Seite entsteht ein grosser Werbeeffekt. Studien deuten zudem an, dass die Aufmerksamkeit, die Bindung der Besucher zu einem Konzert oder einem Festival noch grösser ist, wenn sie aktiv Videos aufnehmen und diese weiterleiten können. Die Mobile-Anbieter werben damit, immer und überall schnellere Verbindungen bieten zu können. «Das weckt bei den Kunden Erwartungen, sie wollen die Angebote dann auch nutzen», sagt Hermida. Die Anbieter müssen sicherstellen, dass die riesigen Datenmengen auch verschickt werden können, sonst sind die Nutzer unzufrieden.

Der wohl simpelste Grund für die immer intensivere Nutzung von sozialen Medien – auch an Festivals – ist wohl die Selbstdarstellung. «Jeder möchte sich auf seinem Facebook-Profil in diesem Sinne selber vermarkten», sagt Hoffmann. Je interessanter sich jemand darstellt, desto besser kommt er an. Hoffmann: «Vereinfacht gesagt ist das Motiv Eigenwerbung.»