Die Gefahr lauert im Unterholz

Im Schweizer Mittelland ist in Waldnähe derzeit Vorsicht geboten: Die Zecken sind auf dem Vormarsch. Besonders häufig vertreten sind sie laut Experten in der Ostschweiz.
Claudio Weder
Mit Blut vollgesogene Zecken können das Hundertfache ihres Körpergewichts erreichen. (Bild: Carola Schubbel)

Mit Blut vollgesogene Zecken können das Hundertfache ihres Körpergewichts erreichen. (Bild: Carola Schubbel)

Sie sind winzig, aber nicht ungefährlich: Zecken leben im dichten Unterholz von Wäldern, auf Waldlichtungen, in Flussnähe oder waldnahen Parkanlagen bis zu einer Höhe von 1500 Metern über Meer. Sobald es die Wetterbedingungen zulassen, klettern die 0,5 bis 6 Millimeter grossen Tiere auf niedrig wachsende Pflanzen. Dort lauern sie einem vorübergehenden Wirt auf, um sich an dessen Blut zu nähren. Dabei können sie Krankheiten auf Mensch und Tier übertragen.

Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die in der Schweiz am häufigsten vorkommende ­Zeckenart. «Es ist die einzige ­Zeckenart, die regelmässig auf Menschen gefunden wird», erklärt Rahel Ackermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nationalen Referenzzentrum für ­zeckenübertragene Krankheiten. Der Holzbock ist von besonderer Bedeutung, da er – im Gegensatz zu anderen Zeckenarten – in der Lage ist, verschiedenste Krankheitserreger zu übertragen. So tragen laut Ackermann stellenweise bis zu 50 Prozent aller Holzbockzecken den Erreger der Lyme-Borreliose in sich.

Zeckenhochburg Ostschweiz

Besonders verbreitet sind die kleinen Spinnentiere in der Ostschweiz, genauer im Kanton Thurgau sowie in weiten Teilen des Kantons St. Gallen. Rahel Ackermann erklärt: «Die im ­Vergleich zu anderen Regionen feuchteren Böden fördern die Verbreitung von Zecken, deshalb kommen Zecken in dieser Region vermehrt vor.» Man erwartet, dass sich die Tiere aufgrund der Klimaerwärmung immer häufiger auch in den höher gelegenen Regionen ansiedeln werden, so etwa in den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden.

Von einer Zeckeninvasion könne aber derzeit nicht die Rede sein. «Das Zentrum hat keine konkreten Zahlen vorliegen, mit denen be- oder widerlegt werden könnte, dass es immer mehr Zecken gibt», antwortet Ackermann auf die Frage, ob in den kommenden Jahren mit einer stetig wachsenden Zeckenzahl in der Schweiz zu rechnen sei.

Übertragungen von Hasenpest nehmen zu

Neben der Borreliose kann der Gemeine Holzbock auch Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder der Tula­rämie (Hasenpest) in sich tragen. Im vergangenen Jahr wurden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) insgesamt 271 Fälle von FSME und schätzungsweise 10000 Fälle von Borreliose registriert. «Gerade in der Ostschweiz sind FSME-Infektionen nach Zeckenbissen besonders häufig», warnt Daniel Koch, Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten» des Bundesamts für Gesundheit.

Daneben ist auch die Hasenpest auf dem Vormarsch: 136 Krankheitsfälle wurden dem BAG im Jahr 2017 gemeldet – das sind mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr 2016. Diese zunehmenden Krankheitsfälle in Folge von Zeckenbissen seien aber nicht auf eine generelle Zunahme der Zeckenpopulation zurückzuführen. Der Grund müsse eher im veränderten Freizeitverhalten der Menschen gesucht werden: «Aktivitäten in der Natur liegen im Trend. Sie sind verantwortlich für die Zunahme von registrierten Krankheitsfällen, verursacht durch zeckenübertragene Erreger», sagt Ackermann.

Bundesamt für Gesundheit empfiehlt Impfung

Zum Schutz vor Zeckenbissen empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit, gut abschliessende Kleider zu tragen sowie Aufenthalte im Unterholz zu vermeiden. Personen ab sechs Jahren, welche in Risikogebieten leben (siehe Karte), wird eine FSME-Impfung empfohlen.

Grundsätzlich gilt: nach Aufenthalten in Risikogebieten den Körper sowie die Kleidung nach Zecken absuchen und eine allfällig vorhandene Zecke möglichst rasch mit einer Pinzette entfernen. Sollten nach einem Zeckenbiss Symptome auftreten, raten die Experten, ärztliche Hilfe aufzusuchen.

Die Risikogebiete (braun) in der Ostschweiz.

Die Risikogebiete (braun) in der Ostschweiz.

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