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«Die Füsse ein wenig reinhalten»: Der letzte schöne Baditag an den Drei Weieren in St.Gallen

Ein letztes Mal Sonne tanken, ein letztes Mal ins kühle Wasser springen – bevor die Kälte am Sonntag über die Ostschweiz hereinbricht. Am Samstag zog es St.Gallerinnen und St.Galler an die Drei Weieren.
Michael Genova
Das Letzte Mal Badiwetter: Feature von den Drei Weieren (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Das Letzte Mal Badiwetter: Feature von den Drei Weieren (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Der Spätsommertag beginnt zögerlich. «Am Samstag kommen sie etwas später», sagt Bademeister Michael Buchs. Es ist kurz vor 14 Uhr und allmählich füllen sich die Wiesen rund um den Mannenweiher in St.Gallen. Buchs schaut aufs Wasser hinaus und hält einen Moment lang inne. Dann sagt er: «Ungefähr 60 sind schon da.» Auch auf dem Parkplatz stehen sie bereits in Reih und Glied: eine Harley Davidson, mehrere Vespas und eine ganze Flotte Elektro-Bikes.

Offiziell schliesst das Gemeinschaftsbad Dreilinden zwar erst in zwei Wochen. Doch viele scheinen dem Wetter nicht zu trauen. So auch Hans Koller aus Teufen. Er habe schon letzte Woche gedacht: «Heute ist das letzte Mal.» Für Sonntagabend sind Gewitter angesagt – danach sollen die Temperaturen purzeln. Nun liegt er auf seinem Badetuch und sagt:

«Sobald ich Wasser sehe, komme ich auf andere Gedanken.»

So könne er nochmals «Ferien nachholen». Koller vollzieht immer dasselbe Schwimmritual: eine Länge hoch, eine Länge runter. Danach lässt er sich in der Sonne trocknen, zieht sich wieder an und fährt nach Hause.

Die Rimini-Fraktion besetzt den Holzsteg

Wassertemperatur im Mannenweiher: 23 Grad. (Bild: Michael Genova)

Wassertemperatur im Mannenweiher: 23 Grad. (Bild: Michael Genova)

Der mittlere Badesteg im Mannenweiher gleicht an diesem Samstag einem Lido an der adriatischen Küste. Die Rimini-Fraktion hält ihn besetzt: Braungebrannte Stammgäste mit Ray-Ban-Brillen und tätowierten Oberarmen liegen dicht an dicht auf ihren Badetüchern. Ihre Sonnenschirme haben sie gekonnt zwischen die Holzbretter des Stegs geklemmt: gelb, hellblau, rot-weiss gestreift.

Im Nichtschwimmer-Bereich weint ein Bub mit orangen Schwimmflügeli und schiebt einen Wasserball vor sich her. Der Vater fragt: «Wotsch usä?» Erst als ihm die Mutter über den Kopf streichelt, lässt er sich beruhigen.

Auf dem Steg daneben sitzen Flavio und Dimitra. Sie beobachten, wie die Mitglieder eines Schwimmclubs kraulend eine grosse Holzboje umkreisen. Vor ihnen stehen zwei ungeöffnete Flaschen Rosé, Dimitra nippt an einem Smirnoff Ice. Sie seien hier, um Sonne zu tanken und sich von der Schule zu erholen. Dimitri sagt:

«Die Füsse ein wenig reinhalten – das reicht schon.»

Später am Abend werden die beiden mit Freunden weiterziehen und «etwas tänzeln gehen»: zu elektronischer Musik unter den Kastanienbäumen der Militärkantine.

Die Badi entschlummert

Im übernächsten Weiher sind Bedingungen ähnlich sommerlich. Luft: 27, Wasser: 22, heisst es vor dem Eingang des Familienbads Dreilinden. Die Nachmittagssonne hat den Boden aufgeheizt, es riecht nach Gras und Sonnencrème. Eine müde Stimmung hat sich über die Badi gelegt – es scheint als würde sie langsam entschlummern. Auf einem weissen Blatt ist das Ende bereits amtlich: «Liebe Gäste, am 8. September ist Saisonschluss».

Familienbad Dreilinden in St.Gallen: «Liebe Gäste, am 8. September ist Saisonschluss.» (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Familienbad Dreilinden in St.Gallen: «Liebe Gäste, am 8. September ist Saisonschluss.» (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Einige Stammgäste hätten ihre Kabinen und Kästchen bereits geräumt, sagt Bademeister Gregor Lucchi. Er sitzt an der Kasse und blickt auf seinen ersten Sommer zurück: «Es war recht cool, die Badi häufig voll», sagt er. Nun hoffe er trotz schlechter Prognosen auf ein, zwei schöne Tage. «Doch das Wetter macht, was es will.»

Beim Kinderbad haben die Eltern haben ihre Veloanhänger ein letztes Mal zu einer Wagenburg aufgebaut. Auf der grossen Schaukel sitzt ein kleiner Bub. Er gibt seinem Vater unverständliche Kommandos. Der Vater versteht trotzdem: Er soll seinem Sohn neuen Schwung verleihen. Die Schaukelrunde soll nie zu Ende gehen, der Sommer nie enden.

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