FDP-Mann Benedikt van Spyk soll neuer St.Galler Staatssekretär werden - die CVP und die Frauen haben das Nachsehen

Die St.Galler Regierung nominiert Vizestaatssekretär Benedikt van Spyk als Nachfolger von Canisius Braun.

Marcel Elsener
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Benedikt van Spyk, derzeit Vizestaatssekretär.

Benedikt van Spyk, derzeit Vizestaatssekretär.

Bild: FM1 Today

Eine weitere CVP-Ära im einst brandschwarz regierten Kanton St.Gallen neigt sich dem Ende zu. Es sieht danach aus, dass das Amt des Staatssekretärs, als quasi «achter Regierungsrat» die Scharnierstelle zwischen Exekutive und Legislative, nach über 130 Jahren von der CVP an die FDP übergeht. Die Regierung schlägt dem Kantonsrat den freisinnigen Vizestaatssekretär Benedikt van Spyk zur Wahl vor, wie sie am Dienstag mitteilte. Der 40-jährige Doktor der Rechtswissenschaften und St.Galler Stadtparlamentarier soll per 1. Juni 2020 die Nachfolge von Canisius Braun antreten, der per Ende Mai zurücktritt.

Van Spyk erfülle das «umfangreiche Anforderungsprofil» und sei «in breiten Kreisen sowie bei den politischen Parteien anerkannt», heisst es in der Mitteilung. Auf die öffentliche Ausschreibung der Stelle hatten sich laut Auskunft von Regierungschefin Heidi Hanselmann 13 gut qualifizierte Personen beworben. Mit vier von ihnen führte die Regierung Gespräche durch, zwei kamen schliesslich in die engste Wahl und durchliefen ein erfolgreiches Assessment.

Bewerberin zog sich im letzten Moment zurück

Van Spyk war von Anfang an als Kronfavorit gehandelt worden, seine Nomination konnte erwartet werden. Eine Überraschung ist allerdings der Rückzug des zweiten Dossiers vor der Vorstellung der beiden geeigneten Personen im Kreis der Regierung und der Fraktionspräsidien. Diese fand am 14. Januar statt, doch es kam nicht zur Auswahl und Diskussion eines allfälligen Zweiervorschlags. «Die Bewerberin hat ihr Dossier aus persönlichen Gründen zurückgezogen», sagt Heidi Hanselmann lediglich dazu. Wer die anscheinend parteiunabhängige Frau ist und warum sie im letzten Moment auf die mögliche Nomination verzichtete, ist weder bei der Regierung noch bei den Fraktionspräsidien in Erfahrung zu bringen. Und der zweite Vizestaatssekretär Lukas Schmucki? Der CVP-Mann hat schon früh auf eine Bewerbung verzichtet, wie er zu verstehen gibt. Dies aus mehreren Gründen; ausschlaggebend sei gewesen, dass er die jetzige Funktion sehr gern ausübe und er mit der Arbeit für den Kantonsrat nicht fertig sei. Anders gesagt: Schmucki kann sich seinen Kollegen wohl gut als Chef vorstellen.

Stadtparlamentarier und Gleitschirmflieger

Benedikt van Spyk sei fachlich wie persönlich die richtige Persönlichkeit für die wichtige Stelle, ist die Regierung überzeugt. Sein an der HSG erlangtes juristisches Fachwissen setzt er seit 2014 als Leiter der Dienststelle Recht und Legistik ein. Dabei hat er Dutzende Rechtsgutachten verfasst, Regierungsbeschlüsse mitgestaltet und Gesetzestexte erstellt. Zudem wirkte er an Projekten der Digitalisierung mit, wie dem Aufbau der elektronischen Publikationsplattform. Er sei analytisch stark, er argumentiere sachlich und fundiert, erkenne Konfliktpotenziale frühzeitig und handle konsensorientiert, heisst es weiter. «Diese Fähigkeiten werden ihm helfen, die anstehende Phase der Veränderung in der Regierung sowie der Staatskanzlei erfolgreich zu gestalten.»

Den Sitz im Stadtparlament würde van Spyk, verheirateter Vater eines Sohnes, bei einer Wahl zum Staatssekretär abgeben. Aufhorchen lassen seine Freizeitbeschäftigungen – weniger das Kochen als vielmehr das Gleitschirmfliegen. Ob er beruflich bald eine Stufe höher fliegt, wird der Kantonsrat an der Februarsession entscheiden. Zwar haben die Fraktionen die Personalie noch nicht diskutiert, doch ist kein Widerstand zu erwarten.