«Die Frau hat sich im privaten Umfeld in der Schweiz angesteckt»: Die Thurgauer Behörden informieren über den ersten Corona-Fall im Kanton

Jetzt ist auch der Thurgau Corona-Gebiet: Eine 47-jährige Ärztin aus dem Raum Kreuzlingen hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. 30 Personen, die mit ihr Kontakt hatten, stehen unter Quarantäne – darunter auch ihre zwei Kinder.

David Grob
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Jetzt hat die Corona-Welle also auch den Kanton Thurgau getroffen: Eine Person ist positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Am Freitagvormittag informierten Vertreter des Kantons, die Regierungsräte Cornelia Komposch und Jakob Stark, die Leiterin des kantonalen Amts für Gesundheit Karin Frischknecht und die Kantonsärztin Agnes Burkhalter, an einer Medienkonferenz.

Kantonsärztin Agnes Burkhalter vor den Medien.

Kantonsärztin Agnes Burkhalter vor den Medien.

Bild: Donato Caspari

Betroffen ist eine 47-jährige Frau, Ärztin, aus dem Raum Kreuzlingen. «Die Frau hat sich im privaten Umfeld bei einer erkrankten Person in der Schweiz angesteckt», sagt Kantonsärztin Agnes Burkhalter. Wie und wo sich die Ärztin genau angesteckt habe, will Burkhalter indes nicht sagen. Nur so viel: Die Ärztin war in keinem der beiden Kantonsspitäler tätig. Ihr gehe es den Umständen gut, sagt Burkhalter.

«Sie zeigt nur milde Symptome.»

30 Personen standen mit der Ärztin in Kontakt

Am Mittwochnachmittag fiel ein erster Test positiv aus. Die Zweituntersuchung im Referenzlabor für Viruserkrankungen in Genf bestätigte den Verdacht. Es folgte, was folgen muss: «Engere Kontaktpersonen» ausfindig machen, mit Quarantäne isolieren – um so eine Weiterverbreitung des Virus möglichst einzuschränken. 30 Personen hat das kantonale Amt für Gesundheit als Kontaktpersonen identifiziert und unter Quarantäne gestellt.

Kantonsärztin Agnes Burkhalter beantwortet in einem Video des Kantons drei Fragen:

Damit hat sich die Zahl der Personen in Quarantäne im Thurgau verdreifacht. «Zuvor waren 15 Personen isoliert, jetzt sind es 45», sagt Burkhalter. Darunter auch die zwei Kinder der erkrankten Ärztin, deren Tests negativ aber ausgefallen sind. Die beiden schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule derzeit aber nicht.

Wer gilt als «enge Kontaktperson»?

Nur: Im Alltag kommt eine infizierte Person mit zahlreichen Menschen in Kontakt: im Beruf, beim Einkauf, im öffentlichen Verkehr. Wie will der kantonale Führungsstab alle Personen identifizieren, mit der die Ärztin in Kontakt stand? «Es gibt eine klare Definition des Bundes», sagt Burkhalter. Als enge Kontaktperson gelte, wer länger als 15 Minuten und näher als zwei Meter mit einer infizierten Person Kontakt gehabt habe.

Für den spezifischen Fall gilt: «Alle Patientinnen und Patienten der Ärztin fallen unter diese Definition», sagt die Kantonsärztin. Wie viele der neuen Personen in Quarantäne zur Risikogruppe gehören – also älteren Menschen oder Personen mit Herz- oder Lungenkrankheiten –, konnte der Kanton am Freitagvormittag noch nicht sagen. «Dies wird derzeit abgeklärt.»

Ärzte nehmen nun Kontakt mit den 30 Personen auf. «Wir müssen das Umfeld der betroffenen Personen einschätzen», sagt die Kantonsärztin. Diese hätten auch die Aufgabe, sich täglich die Körpertemperatur zu messen und ihren Zustand zu beobachten.

«Ausserdem werden sie täglich telefonisch kontaktiert, damit wir mögliche Symptome früh erkennen könnten.»

Schutzmasken werden abgegeben, Zivilschutzleistende helfen beim Erledigen von Alltagsarbeiten wie dem Einkauf.

Der Zivilschutz unterstützt die Ämter und Institutionen

Regierungsrätin Cornelia Komposch informiert über die Vorkehrungen des Kantons.

Regierungsrätin Cornelia Komposch informiert über die Vorkehrungen des Kantons.

Bild: Donato Caspari

«Wir sind sehr froh um den Zivilschutz», sagt Regierungsrätin Cornelia Komposch, die dem kantonalen Führungsstab als Chefin vorsteht. Denn die Mitarbeitenden der stark involvierten Ämter und Institutionen sind gefordert. «Die Durchhaltefähigkeit ist ein grosses Thema», sagt Komposch. Bis zu 180 Anrufe gehen täglich bei der Corona-Hotline ein, die seit Montag eingerichtet ist, über 1000 Organisatoren von Veranstaltungen haben sich bereits gemeldet. Und die Betreuung der Personen in Quarantäne sei ebenfalls eine Herausforderung, sagt Komposch.

«Hier ist der Zivilschutz eine grosse Entlastung.»

Die Führungsstaffel hat das Katastrophenelement ausgelöst – «speziell ausgebildete Fachleute des Zivilschutzes», sagt Komposch. Doch man ist auf den guten Willen der Arbeitgeber angewiesen. Bislang erfahre man viel Verständnis. «Doch sollte die Situation andauern, könnte dies ein Problem werden.»

Verdachtsfälle, hier entlang bitte: Das Kantonsspital Frauenfeld trennt Personen, die sich aufs Corona-Virus untersuchen wollen, schon vor dem Eintritt. Analog geht man im Kantonsspital Münsterlingen vor.

Verdachtsfälle, hier entlang bitte: Das Kantonsspital Frauenfeld trennt Personen, die sich aufs Corona-Virus untersuchen wollen, schon vor dem Eintritt. Analog geht man im Kantonsspital Münsterlingen vor.

Bild: Donato Caspari

Die beiden Thurgauer Kantonsspitäler Frauenfeld und Münsterlingen führen beim Eingang eine Triage durch: Personen, die vermuten, am Corona-Virus erkrankt zu sein, werden von den restlichen Patienten getrennt. Sie werden in einem Baucontainer untersucht.

Risikogruppen sollten auf Fahrten in Zug und Bus verzichten

Regierungsrat Jakob stark mit einem Infoplakat des Bundes.

Regierungsrat Jakob stark mit einem Infoplakat des Bundes.

Bild: Donato Caspari

Regierungsrat Jakob Stark empfindet die Stimmung im Kanton trotz allem Respekt vor dem Corona-Virus als gelassen. Zentral sei sicher eine gute Informationspolitik, sagt Stark, der zu Beginn der Medienkonferenz mit einem der roten Plakate des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hantierte und die wichtigesten Verhaltensregeln nochmals in Erinnerung rief. «Aufs Händeschütteln sollte man verzichten. Gerade für uns Politiker ist das schwierig.»

Das BAG hat in der Zwischenzeit die Verhaltensregeln weiter verschärft. Es empfiehlt den Risikogruppen, auf Fahrten im ÖV zu verzichten.

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