Die Fledermaus aus Liechtenstein

Jahrzehntelang liess Liechtenstein die meisten seiner Briefmarken in der Schweiz drucken. Für einmal ist es nun umgekehrt: Die Schweizer Post hat einen Auftrag an Liechtenstein vergeben.

Günther Meier
Drucken
Teilen
Das Tier des Jahres, das Braune Langohr, auf der perforierten Briefmarke aus Liechtenstein. (Bild: pd)

Das Tier des Jahres, das Braune Langohr, auf der perforierten Briefmarke aus Liechtenstein. (Bild: pd)

VADUZ. Pro Natura hat eine Fledermaus, das Braune Langohr, zum «Tier des Jahres 2012» gewählt. Zu Ehren der ausgezeichneten Fledermaus gab die Schweizerische Post einen Sonderblock heraus, der die Herzen der Philatelisten höher schlagen lässt. Damit vermochte die Philatelie-Abteilung der Post zwei Fliegen auf einen Streich zu schlagen: Einerseits wird einer bedrohten Tierart auf besondere Art eine Referenz erwiesen, und andererseits kann mit dem Sonderblock das Briefmarken-Geschäft angekurbelt werden.

Der Briefmarken-Verkauf gelangte mit dem Aufkommen der digitalen Kommunikation in arge Bedrängnis und leidet seither unter Absatzproblemen. Der Sonderblock mit dem Braunen Mausohr, der sich speziell an Sammler richtet, soll dem Verkauf von Briefmarken neue Impulse verleihen.

Leichtigkeit des Fliegens

Zu den Besonderheiten des Sonderblocks gehören das Format und vor allem auch die technische Herstellung. Der Block hat Ausmasse von 13,2 auf 8,5 Zentimeter und würde bei einem Brief eine ordentliche Fläche beanspruchen. Alleinstehend präsentiert sich die Briefmarke mit dem Wert 100 Rappen bedeutend filigraner und verleiht einem Brief die Leichtigkeit des Fliegens. Die Post dürfte allerdings mehr die Sammler als die Briefschreiber im Visier gehabt haben, denn ganz einfach lässt sich die Briefmarke nicht aus dem Block lösen, weil die Perforation den luftigen Schwingen der Fledermaus in vollem Flug folgt. Während die liechtensteinischen Briefmarken in ihrer 100jährigen Geschichte vor allem in der Schweiz gedruckt wurden, ist nun eine Gegenbewegung zu beobachten.

Post lässt im Ausland drucken

Die Fledermaus-Briefmarke wurde bei der liechtensteinischen Druckerei Gutenberg AG in Auftrag gegeben, die 2009 mit einer Selbstklebe-Briefmarke international für Aufsehen sorgte und sich in der Königsdisziplin der Drucktechnik zu etablieren vermochte. Der Druckauftrag ging aber auch deswegen ins benachbarte Ausland, weil in der Schweiz keine Druckerei über das notwendige Perforierwerkzeug für den Briefmarken-Druck verfügt, wie Mariano Masserini, Mediensprecher der Post, auf Anfrage erklärte. Alle Schweizer Briefmarken würden im Ausland gedruckt.

Wäre beim Sonderblock die fliegende Fledermaus nicht nur perforiert, sondern mit der Selbstklebegummierung und der Schlitzung für die Ablösung versehen worden, hätten die Briefschreiber weniger Mühe. Für die Schweizerische Post aber gilt der Sonderblock in erster Linie als philatelistische Ausgabe: Selbstklebe-Briefmarken, heisst es bei der Schweizerischen Post, seien bei Philatelisten und Sammlern nicht sehr beliebt. Die kommenden Weihnachtsmarken würden jedoch selbstklebend herausgegeben, und zwar mit der Schlitzung auf der Vorderseite, wie sie die Druckerei Gutenberg AG im Jahre 2009 als Weltneuheit auf den Markt brachte.