Die Fischernetze bleiben leer

Die wirtschaftliche Lage der Berufsfischer am Bodensee ist angespannt – und sie wird sich weiter verschärfen. Experten werden nun in den nächsten Monaten das Thema Phosphorgehalt und Fischereiertrag ganzheitlich untersuchen.

Christoph Zweili
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Meter für Meter zieht der Landschlachter Berufsfischer Reto Leuch das Netz ins Boot – oft auch mit wenig Ertrag. (Bild: Nana do Carmo)

Meter für Meter zieht der Landschlachter Berufsfischer Reto Leuch das Netz ins Boot – oft auch mit wenig Ertrag. (Bild: Nana do Carmo)

Die insgesamt 138 Berufsfischer am Obersee, dem grösseren Teil des Bodensees, haben im vergangenen Jahr mit 554 Tonnen ein weit unterdurchschnittliches Fangergebnis erzielt – 2012 war das schlechteste Fangjahr seit 1954. Verantwortlich für den massiven Ertragseinbruch sind vor allem die Fänge beim Felchen, dem Hauptfisch des Bodensees: Sie brachen um 294 Tonnen (minus 46,7 Prozent) gegenüber dem Vorjahr ein – damit liegt der Gesamtfelchenertrag um 46 Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Am Gesamtfang hatten Felchen mit 336 Tonnen (61 Prozent) und Egli mit 109 Tonnen (20 Prozent) die grössten Anteile, gefolgt von Weissfischen (inklusive Brachsmen) mit 49 Tonnen (9 Prozent).

See, ein kompliziertes System

«Dieses sprunghafte Auf und Ab bei den Fischereierträgen von Jahr zu Jahr ist im See durchaus typisch», sagt Roman Kistler von der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. «Es ist daher weit sinnvoller, die Fischfänge mit dem Zehnjahresmittel zu vergleichen, um ein aussagekräftiges Bild zu erhalten.» Das Ökosystem in einem See sei kompliziert, bestätigt auch der St. Galler Kollege Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei: «Da spielen Faktoren mit wie Wetterbedingungen, Wassertemperatur, der monatliche Temperaturverlauf oder das Wachstum der Wasserpflanzen – all das und viele andere Einflüsse wirken sich auf die Fischpopulation aus.»

Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) habe daher an ihrer Tagung am Mittwoch in Bayern durchaus Verständnis für die Sorgen und Nöte der Berufsfischer gehabt: «Die langfristige Abnahme der Gesamt-Fangerträge bringt die Berufsfischer wirtschaftlich unter Druck.» 2002 hatte es noch 139 Berufsfischer mit sogenanntem Hochseepatent gegeben, 2012 waren es noch deren 116. «Wir wollen die Berufsfischer unterstützen», sagt auch Roman Kistler. Gleichwohl seien ihre Anträge abgelehnt worden: «Es gibt 2014 keine Änderungen – weder bei der Anzahl der Netze noch bei den Netz-Maschenweiten, da der aktuelle Fischbestand keine Intensivierung der Befischung zulässt.»

Phosphor-Düngung diskutiert

Der Bodensee ist wieder so sauber wie in den 1950er-Jahren. Das wirkt sich indirekt auch auf den Fischereiertrag aus: Weniger Phosphor regt weniger Algenwachstum an, was wiederum weniger Futter für die Fische bedeutet. Die Forderung, die Fischbestände durch Düngung des Sees mit Phosphor künstlich zu erhöhen, um mehr Fischer im Geschäft zu halten, wurde auch an der Bevollmächtigtenkonferenz diskutiert. «Ohne ein klares Ergebnis», sagen Roman Kistler und Dominik Thiel.

Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee hat am Mittwoch ein Positionspapier veröffentlicht – der Grundtenor: An der Arbeit der Kläranlagen wird nicht gerüttelt, «eine Phosphor-Untergrenze ist aus gesetzlichen Gründen nicht zulässig». Ein Wink mit dem Zaunpfahl zuhanden der Fischer? «Eindeutig», sagt Dominik Thiel. «Unsere Haltung ist klar: 2012 haben Bundesrat und Parlament ein Phosphor-Management im Brienzersee abgelehnt. Das gilt auch für den Bodensee.»

In den nächsten Monaten wollen Fischerei- und Gewässerschutz-Experten nun zusammensitzen und das Thema «Phosphor im Bodensee» ausloten.