Die Feldhasen hoppeln davon

Die Bestände an Feldhasen in der Schweiz sind tief – die Tierart gilt mittlerweile als gefährdet. Auch in der Ostschweiz sind sie nur noch selten zu sehen. Der zunehmende Freizeitsport und die Landwirtschaft setzen den Hasen zu.

Martina Luterbacher
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Drei Feldhasen tummeln sich in freier Wildbahn – mittlerweile ein rares Bild in der Schweiz. (Bilder: ky/Markus Jenny)

Drei Feldhasen tummeln sich in freier Wildbahn – mittlerweile ein rares Bild in der Schweiz. (Bilder: ky/Markus Jenny)

Osterzeit ist Hasenzeit. Im Gegensatz zu den grossen Beständen an Schokoladenhasen in den Warenhäusern, nimmt die Population an «echten» Feldhasen schweizweit ab. Mit durchschnittlich 1,2 Feldhasen pro Quadratkilometer gilt die Tierart in der Schweiz als gefährdet.

Viele Hasen nur im Rheintal

Im Kanton St. Gallen zeigen sich grosse regionale Unterschiede in den Beständen. Während in der Linthebene in einigen Zählgebieten gar keine Hasen mehr gesichtet wurden, hat die Population im Rheintal markant zugenommen. So wurden im Bannriet fast zehn Hasen pro Quadratkilometer gezählt – also weit mehr als der schweizerische Durchschnitt. Eine Folge der Bemühungen, im Rheintal mehr naturnahe Flächen zu schaffen? Markus Brülisauer, Abteilungsleiter Jagd im Amt Natur, Jagd und Fischerei Kanton St. Gallen, macht nicht nur diese Projekte dafür verantwortlich. Zum Beispiel sei auch die niedrige Anzahl der natürlichen Feinde ausschlaggebend: «Der Fuchs ist im letzten Winter am Staupen-Virus erkrankt, und unsere Jäger schossen viele Krähen», sagt Brülisauer. Ausserdem müsse man bei den Feldhasen, die empfindlich auf das Wetter reagierten, stets auch die Witterung beachten. Den landesweiten Rückgang an Feldhasen führt Brülisauer vor allem zurück auf die Einwirkung des Menschen: «Die intensive landwirtschaftliche Nutzung lässt den Hasen keine Chance», sagt er. Er sieht aber auch in den Hauskatzen, Hunden und den Freizeitsportlern eine Bedrohung für die Tiere.

Triste Lage im Thurgau

Ähnlich wie in der Linthebene ist die Situation im Kanton Thurgau: Auf der regelmässig überwachten Fläche wurden in den letzten Jahren gerade noch zwei Hasen gezählt. Dies entspricht einer Population von 0,8 Feldhasen pro Quadratkilometer. Roman Kistler, Leiter des Amts für Jagd und Fischerei im Kanton Thurgau, sieht ebenfalls in der Landwirtschaft die Hauptursache für die niedrige Population: «Die mechanische und grossflächige Bewirtschaftung verhindert einen natürlichen Lebensraum für die Feldhasen», sagt er. So könne es vorkommen, dass Junghasen von den grossen Mähmaschinen übersehen werden oder die Hasen keine Verstecke mehr finden.

Simon Birrer von der Vogelwarte Sempach (vgl. Kasten) blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft: «Ich bin überzeugt, dass der Feldhase in der Schweiz nie ganz verschwinden wird», sagt er. Projekte zur Renaturalisierung machten dazu den Anfang.

Ohne Versteck droht Gefahr.

Ohne Versteck droht Gefahr.