Kommentar

Die FDP setzt sich gegen den Trend

An der FDP-Nominationsversammlung für den St.Galler Regierungsrat setzt sich Beat Tinner gegen Christine Bolt durch. Die Partei setzt damit nicht auf das frische, urbane Gesicht, sondern auf den altgedienten Kommunalpolitiker.

Andri Rostetter
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Andri Rostetter, stv. Chefredaktor St. Galler Tagblatt. (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter, stv. Chefredaktor St. Galler Tagblatt. (Bild: Ralph Ribi)

Der politische Trend geht in eine klare Richtung: jung, weiblich, urban, grün. Wer diese Eigenschaften mitbringt, kann bei den Wählerinnen und Wählern punkten. Das hat der vergangene Wahlsonntag gezeigt. Die FDP St.Gallen hat es einigermassen knapp geschafft, ihren zweiten Sitz im Nationalrat zu verteidigen. Nicht mit einem altgedienten Parteikämpen, sondern mit einer politischen Newcomerin mit ökologisch angehauchtem Profil.

An einer Nominationsversammlung gelten andere Regeln. Hier geht es um innerparteiliche Netzwerke, um regionale Verteilkämpfe, um politische Detailkenntnisse. Insofern ist die Nomination von Beat Tinner keine Überraschung. Er vertritt den etablierten, gut vernetzten St.Galler Landfreisinn.

Die Partei setzt damit nicht auf die politische Quereinsteigerin, das frische, urbane Gesicht. Sondern auf den unspektakulären, ländlichen Kommunalpolitiker. Kein Zweifel: Tinner bringt mit, was es für das Amt braucht. Er ist politisch mit allen Wassern gewaschen, er kennt den Kanton und die Pfalz bestens. Gleichzeitig werden ihm Führungs- und Sozialkompetenz attestiert. Mit Tinners Nomination widersetzt sich die FDP aber dem politischen Zeitgeist. Eine Strategie, die für die kommenden Regierungsratswahlen nicht ohne Risiko ist.