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Die St.Galler FDP will den Frauenanteil im Parlament auf 40 Prozent erhöhen und setzt dafür Listen ein

Die St.Galler FDP-Frauen greifen erstmals mit einer eigenen Liste in den Nationalratswahlkampf ein – mit dem klaren Ziel: Eine freisinnige Frau soll den Sprung nach Bern schaffen.
Regula Weik
«We Can Do It!»: Einladung der FDP-Frauen zur Präsentation ihrer ersten eigenen Liste. (Bild: Getty)

«We Can Do It!»: Einladung der FDP-Frauen zur Präsentation ihrer ersten eigenen Liste. (Bild: Getty)

Neu ist die Idee nicht: SP und Grüne tun es schon lange. Sie sind bereits vor Jahrzehnten mit Frauenlisten in den Nationalratswahlkampf gestiegen. Nun tun es erstmals auch die Freisinnigen. Die Frage, ob die Partei die Frauenförderung bislang vernachlässigt hat, verneint Fabienne Bünzli, Wahlkampfleiterin der FDP-Frauen im Kanton St.Gallen. Sie habe immer Förderung erfahren:

«nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich auch bereit bin, etwas zu leisten».

Dennoch ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Frauenförderung – gerade im bürgerlichen Lager – noch in den Kinderschuhen steckt. So ganz ohne Grund setzen die St.Galler FDP-Frauen für die Nationalratswahlen im nächsten Herbst nicht auf eine eigene Liste. Es bestehe «Aufholbedarf», sagt denn auch Fabienne Bünzli, die selber als Kandidatin in den Wahlkampf zieht. Noch immer bekleideten «signifikant weniger Frauen als Männer» politische Ämter. «Das ist insofern ein Missstand, als es viele wirklich fähige und kompetente Frauen gibt, deren Potenzial brachliegt», sagt die Wahlkampfleiterin.

Alibiübung oder reine Supporteraktion?

Nun sind in den vergangenen Tagen bereits Namen freisinniger Frauen publik geworden, die 2019 zum Sprung nach Bern ansetzen wollen, so Susanne Vincenz-Stauffacher, Ingrid Markart und Karin Weigelt. Ihre Namen sucht Frau vergeblich auf der Frauenliste. Sie streben einen Platz auf der Hauptliste an. Daher die Frage an Fabienne Bünzli: Werden mit der Frauenliste nicht zwei Kategorien von Kandidatinnen geschaffen?

«Nein, ganz im Gegenteil. Frauenförderung hört für uns nicht mit unserer eigenen Liste auf. Mit den zusätzlichen Stimmen, die wir erzielen, leisten wir möglicherweise einen Beitrag dazu, dass eine der drei bis heute bekannten Powerfrauen auf der Hauptliste den Sitz von Walter Müller übernehmen oder sogar einen dritten Sitz für die FDP holen kann.»

Sie wehrt sich auch gegen den Begriff «Listenfrauen»; dies diskreditiere das Engagement der Frauen. Sämtliche Kandidatinnen der Frauenliste hätten sich «ganz bewusst und freiwillig» dafür entschieden. Sie seien denn auch stolz, dafür ­etablierte Politikerinnen – auf der Listen finden sich mehrere Kantonsrätinnen – gewonnen zu ­haben.

Dennoch: Die Wahlchancen der Kandidatinnen auf der Frauenliste dürften gleich null sein. Ist die Liste eine Alibiübung? Oder eine reine Supporteraktion für die Hauptliste? Bünzli wehrt sich dagegen: Die Frauenliste sei «ein zentraler Katalysator» für ihr übergeordnetes, langfristiges Ziel: mehr FDP-Frauen in die St. Galler Politik.

«Wir denken nicht in Legislaturen, sondern darüber hinaus.»

So sei eines ihrer Hauptziele, bis 2024 in der FDP-Fraktion im Kantonsparlament einen Frauenanteil von 40 Prozent zu haben. Was erhofft sie sich für die Frauenliste im Herbst 2019? «Zwei Prozent Wähleranteil», sagt Bünzli.

«Die Trennung zwischen den Listen verflüssigt sich»

Nutzen und Erfolg getrennter Listen – sei es nach Alter, Geschlecht oder Region – werden von Politexperten bezweifelt. Derzeit deutet einiges daraufhin, dass die Freisinnigen als einzige Partei im Kanton mit einer Frauenliste in den Nationalratswahlkampf steigen. Sitzt die Partei einem alten Zopf auf? «Weitere Listen bringen immer einen zusätzlichen Mobilisierungseffekt mit sich», sagt Fabienne Bünzli. Ausserdem «verflüssige» sich die Trennung zwischen Hauptlisten und Unterlisten im Wahlkampf; die Kandidierenden nutzten häufig dieselben Plattformen und bildeten häufig listenübergreifende Tandems. Und:

«Da wir vermutlich die einzige Partei mit einer reinen Frauenliste sind, macht uns das gerade auch für zusätzliche Wählerinnen und Wähler aus dem Mitte-links-Spektrum wählbar.»

Auf die Frage, weshalb sich die freisinnigen Frauen nicht für eine paritätische Vertretung auf der Hauptliste starkgemacht hätten, antwortet Fabienne Bünzli: Es gehe nicht darum, auf Biegen und Brechen gleich viele Frauen wie Männer in der politischen Verantwortung zu sehen. «Es geht darum, dass wir fähige Menschen in die Politik miteinbinden und dort ansetzen, wo es am meisten Potenzial gibt – nämlich bei den Frauen.»

Die 12 Kandidatinnen

Die jüngste Kandidatin ist Studentin, die älteste Tierärztin: Auf der FDP-Frauenliste finden sich Kandidatinnen aus allen Wahlkreisen – von der Newcomerin bis zur Kantonsrätin.


Louise Blanc Gähwiler, 1979, lic. iur. RA, Gerichtsschreiberin am Verwaltungsgericht, Kirchberg.
Elisabeth Brunner-Müller, 1973, Kantonsrätin, Gemeinderätin, Krankenpflegerin, Schmerikon.
Fabienne Bünzli, 1990, M.A. UZH in Sozialwissenschaften, Doktorandin, Wittenbach.
Zahra Fawzi, 1987, M.A. HSG in Law and Economics, Juristin, Rebstein.
Katrin Frick, 1962, Kantonsrätin, Schulpräsidentin und Vizestadtpräsidentin, Buchs.
Yvonne Keller, 1968, Marketingplanerin, Unternehmerin, Gemeinderätin, Oberbüren.
Cornelia Kunz, 1982, Betriebsökonomin FH, Klinikmanagerin, Mitinhaberin Bau- und Projektleitungsbüro, Bronschhofen.
Stephanie Lippuner, 1994, Sachbearbeiterin Treuhand, Grabs.
Darja Patricia Meisterhans, 2000, Studentin, Zuzwil.
Brigitte Pool, 1960, Kantonsrätin, Tierärztin, Uznach.
Isabel Schorer, 1978, lic. oec. publ., Kantonsrätin, St. Gallen.
Flavia Sutter, 1979, Berufsfachschullehrerin, St. Gallen.

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