Die Faser auf dem Land

In den Städten balgen sich Telecom-Firmen um die Glasfaser-Hoheit – so etwa in St. Gallen, wo die Swisscom nebst der Stadt ein eigenes Netz aufbauen wollte. Doch wie steht es auf dem Land?

Markus Wehrli
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st. gallen. Sie ist hauchdünn, birgt aber Beschleunigungspotenzial: Die Glasfaser und mit ihr ausgebaute Netze gelten als der Ferrari der Datenübertragung. Dank ihrer enormen Übermittlungskapazität dürfte die Technologie künftig Standard sein. Das Kupferkabel hat ausgedient, auch ADSL-Verbindungen lässt die Faser weit hinter sich zurück. Wohlverstanden: Hier geht es nicht um eine Luxusvariante für Internet, Fernsehen und Telefonie. Es geht um die Grundversorgung in der Datenübermittlung. Um die «gewöhnliche» Leitung, mit welcher Daten in Haushalte, Firmen und Industrie geliefert werden.

Zentren preschen voran

Über die Bedeutung der Glasfaser herrscht weitgehend Klarheit. Städte mit einem entsprechend grossen Anteil an Dienstleistern und Industrie können es sich aufgrund des Standortwettbewerbes nicht leisten, auf den Aufbau von Glasfasernetzen zu verzichten. Bei der Bewertung eines Standortes hätten die kommunikationstechnischen Möglichkeiten «heute einen grösseren Stellenwert als geteerte Strassen», sagte unlängst ein Experte.

Vor diesem Hintergrund erstaunt nicht, dass unter anderem die Stadt St. Gallen den Bau eines Glasfasernetzes vorantreibt. In Kooperation mit der Swisscom wird die Stadt bis 2018 mit der neuen Infrastruktur erschlossen sein. Und wo bleibt die künftige Infrastruktur der Kommunikation auf dem Land? Tut sich da ein Stadt-Land-Graben auf?

Ein Stadt-Land-Graben?

«Dem ist so», sagt Thomas Unseld, stellvertretender Generalsekretär des Volkswirtschaftsdepartementes Kanton St. Gallen. Verantwortlich dafür seien ökonomische Gründe. In einer Stadt sei es weit günstiger, die Vernetzung mit der Glasfaser voranzutreiben. «Hier ballen sich viele Kunden auf engem Raum. Das senkt die Erschliessungskosten», sagt Unseld. Umgekehrt verteuerten auf dem Land die langen Distanzen und die geringere Anzahl Kunden die Vernetzung mit der Glasfaser.

Dass ländliche Kommunen vom künftigen Standard der Kommunikationstechnologie abgehängt werden, relativiert indes Beat Tinner, Präsident Vereinigung der St. Galler Gemeindepräsidenten (VSGP). Von einem Graben zwischen Stadt und Land könne nicht gesprochen werden, allenfalls von einer gewissen Verzögerung. «Die Glasfaser ist in den Gemeinden sehr wohl ein Thema und wie in den Städten als der künftige Standard erkannt.» Dass in den Regionen an der Erschliessung mit der neuen Technologie gearbeitet werden müsse, ergibt sich für Tinner aus den Standards der Grundversorgung. «Gewerbe, Dienstleister und Industrie haben überall dieselben Ansprüche. Deshalb müssen die ländlichen Gebiete bei der Entwicklung mithalten.»

Geplant und umgesetzt werden die Projekte von örtlichen Zweckverbänden oder Gemeindebetrieben. In Buchs etwa betreibt das Elektrizitätswerk bereits heute ein Glasfasernetz zu den einzelnen Partnergemeinden. Diese reichen von Altstätten über Buchs bis an den Walensee. «Bei Neubaugebieten wird die Glasfaser direkt ins Haus gezogen, bei bestehenden rüsten wir nach, wenn die Nachfrage besteht», sagt Hagen Pöhnert, Leiter des EW Buchs. Das Geschäft ist lukrativ. «Wir verdienen mit dem Bereich Kommunikation heute genügend Geld, um fortlaufend in den Ausbau des Netzes investieren zu können.»

Auch SAK mit von der Partie

Aktiv geworden ist auch die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK). Sie hat 2009 ein Glasfaserprojekt in Herisau gestartet und im vergangenen Juli den Entscheid gefällt, ihr eigenes Glasfasernetz zu bauen und damit den Bereich der Kommunikationstechnologie auszubauen.

Damit könnten theoretisch die Kantone St. Gallen sowie beide Appenzell flächendeckend mit Glasfaser erschlossen werden – in jenen Gemeinden, in denen die SAK Strom bis in die Haushalte liefert. «Dort, wo die Gemeinden von uns Strom beziehen, ist die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG an einer Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Gemeindebetrieben interessiert», sagt Andreas Schwizer, Projektleiter.

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