Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die ersten Reaktionen auf die neue St.Galler Spitalstrategie: Kahlschlag, untauglich, schockiert

Kantonsratsfraktionen, der Förderverein Regionalspital Toggenburg Wattwil, die Gemeinde Flawil, der VPOD Ostschweiz, der Pflegefachpersonen-Verband und ein Initiativkomitee reagieren mehrheitlich kritisch auf die neue Spitalstrategie.
Christoph Zweili
Die St.Galler Spitallandschaft ist im Umbruch - die zentrale Rolle spielt nach wie vor das Zentrumsspital, das Kantonsspital. (Bild: Ralph Ribi)

Die St.Galler Spitallandschaft ist im Umbruch - die zentrale Rolle spielt nach wie vor das Zentrumsspital, das Kantonsspital. (Bild: Ralph Ribi)

Die politischen Parteien reagieren unterschiedlich auf die am Mittwoch präsentierte Spitalstrategie der St. Galler Regierung. Die Reaktion der Sozialdemokraten und Grünen könnte deutlicher nicht sein. Die Kantonsratsfraktion zeigt sich in einer ersten Reaktion «schockiert über die Abbauvorlage der CVP-FDP-SVP-Mehrheit in der St.Galler Regierung». Auch wenn man den Handlungsbedarf bei den öffentlichen Spitälern sehe, einen derart «radikalen Abbruch des Service Public im Gesundheitswesen» habe sich niemand vorstellen können.

Laura Bucher, Co-Präsidentin SP-Grüne-Fraktion. (Bild: Regina Kühne)

Laura Bucher, Co-Präsidentin SP-Grüne-Fraktion. (Bild: Regina Kühne)

Laura Bucher, Co-Präsidentin der SP-Grüne-Fraktion, spricht von einem «Abbauprojekt». Sie schiesst scharf: Die Vernehmlassungsbotschaft sei «ungerecht, untauglich und unrealistisch» – und «so politisch nicht umsetzbar». Die Regierung habe dem grossen Druck nachgegeben und sei auf die rein betriebswirtschaftliche Argumentation des Verwaltungsrats der Spitalverbunde eingeschwenkt. Ungerecht sei die Vorlage, weil mit dem Wegbrechen von 70 Arbeitsplätzen die schon heute schwächeren Regionen weiter geschwächt würden. Damit würden «über lange Sicht wertvolle Arbeits- und Ausbildungsplätze» abgebaut. Mehrere hundert Arbeitsplätze von Ärzten, Ärztinnen und Pflegenden würden in die Zentren verschoben.

Aus Sicht von SP und Grünen ist es wahrscheinlich, dass gegen die Pläne der Regierung aus den Regionen Referenden ergriffen würden. «Wir werden uns in der Vernehmlassungsantwort mit Bestimmtheit noch einmal für die Regionensolidarität stark machen und wo sinnvoll und möglich ein zusätzliches stationäres Angebot als Ergänzung einbringen», kündigt Bucher an.

CVP/GLP rügen «Planungsstopp an der Kantonsgrenze»

Gemässigter reagiert die CVP-GLP-Fraktion des Kantonsrats, auch sie ortet aber Verbesserungsbedarf. Man habe Ergebnisoffenheit gefordert «und nicht die Bestätigung des Grundlagenkonzepts». Der Vorwurf geht an die Adresse des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG, das bei der Überprüfung von alternativen Modellen involviert war. «Der Planungsstopp an der Kantonsgrenze ist nicht nachvollziehbar», stellen CVP und GLP konsterniert fest. Stattdessen bestätige die KMPG im wesentlichen die Absichten des Spitalverwaltungsrats: «Neue erfolgversprechende Ideen, Konzepte und Ansätze werden im Strategiepapier vergeblich gesucht.»

Die SVP hält sich bewusst kurz, weist aber ähnlich wie CVP/GLP erneut daraufhin, «dass die zementierte Spitalstrategie nicht zukunftsweisend ist und Veränderungen dringend angebracht sind». Die grundsätzliche Stossrichtung der Regierung für die neue Spitalstrategie werde zwar unterstützt, sie komme allerdings «um Jahre zu spät». Wäre der Prozess vor acht Jahren geführt worden, «hätte der Steuerzahler viel Geld gespart».

Für die FDP, die in den letzten beiden Jahren immer wieder einschneidende Massnahmen gefordert hat, stimmt die Stossrichtung der Spitalstrategie, sie berücksichtige einen angemessenen Zeitraum für die Transformation: «Endlich wird auf die sich verändernden Patientenströme, die Verlagerung von stationären zu ambulanten Leistungserbringern, die Herausforderungen betreffend die medizinische Qualität sowie die prekäre finanzielle Lage der Spitäler reagiert.»

Regierung nimmt Forderungen des Initiativkomitees auf

SVP-Kantonsrat Erwin Böhi

SVP-Kantonsrat Erwin Böhi

Der Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi, Präsident des 15-köpfigen Initiativkomitees «Für eine stationäre Notfallversorgung in allen Regionen», stellt fest, dass die Regierung die drei Hauptpunkte der Initiative aufnimmt. Das seien die klinischen Notfallstationen auch an den fünf in Frage gestellten Spitälern, die Verfügbarkeit von einigen wenigen Betten zur Beobachtung von Patienten und der Einbezug der Hausärzte für den Betrieb der Notfallstationen. Die fünfmonatige Unterschriftensammlung für die Initiative beginnt am 28. Oktober, das Komitee will nun nach Bekanntgabe der Spitalstrategie noch einmal über die Bücher:

«Weitere Schritte geben wir Ende Oktober bekannt»

sagt Böhi.

In Wattwil und Flawil reagiert man kritisch

Alois Gunzenrainer, Gemeindepräsident Wattwil. (Bild: Benjamin Manser)

Alois Gunzenrainer, Gemeindepräsident Wattwil. (Bild: Benjamin Manser)

Für Alois Gunzenreiner war der Mittwoch ein schwarzer Tag. Der streitbare Gemeindepräsident hatte im März Pläne für ein «Spital Wattwil 2021» präsentiert, die nun in der Spitalstrategie nicht berücksichtigt werden. Gunzenreiner wird nun in einem Communiqué des Fördervereins Regionalspital Toggenburg Wattwil zitiert, den er präsidiert: Was die Regierung auf den Tisch gelegt habe, sei «eine Farce». Auf den ersten Blick entspreche das Ganze faktisch dem Konzept des Verwaltungsrates vom Mai 2018, «ergänzt um die Notfallstationen als ‹Globuli› zur Beruhigung der Bevölkerung». Die Regierung wolle einfach den «Staatsbetrieb Spitalverbunde» schützen «und dafür das Spital Wil füttern».

Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin Wil.

Susanne Hartmann, Stadtpräsidentin Wil.

Während sich die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann freut, «dass die Bedeutung des Standorts Wil bestätigt wurde», wie sie auf Anfrage mitteilt, reagiert man in Flawil, neu Standort eines regionalen Gesundheits- und Nottfallszentrums, vorsichtig. «Für den Gemeinderat ist das Thema eines Spitalverkaufs an Private noch nicht ausdiskutiert», hiess es in einem Communiqué, noch bevor die Behörde von der Regierung persönlich informiert wurde. Man sehe es als positiv an, dass der heutige Spitalstandort Flawil, «in welcher Form auch immer», bestehen bleiben solle.

VPOD: «Schwache Regionen werden noch weiter geschwächt»

Maria Huber, VPOD-Regionalsekretärin. (Bild: Jolanda Riedener)

Maria Huber, VPOD-Regionalsekretärin. (Bild: Jolanda Riedener)

Der VPOD Ostschweiz, der sich bereits in der Vergangenheit für den Erhalt der Regionalspitäler ausgesprochen hatte, kritisiert die geplante Schliessung der fünf Regionalspitäler scharf. Bereits heute wirtschaftlich schwache Regionen würden mit dem «Kahlschlag bei den Spitälern» noch weiter geschwächt: «Da nützen auch Versprechungen nicht, den Stellenabbau durch natürliche Fluktuation abzufedern», schreibt die Gewerkschaft. «Wie wollen die Verantwortlichen das Personal mit diesen Aussichten bis 2028 bei der Stange halten?», hält Regionalsekretärin Maria Huber fest.

Besorgt reagiert auch die regionale Sektion des Berufsverbands der Pflegefachpersonen (SBK): «Wir bangen um dringend notwendige Ausbildungsplätze für die Fachkräfte in Pflege und Medizin», sagt Geschäftsleiterin Edith Wohlfender. «Solch einschneidende Veränderungen bewirken bei den Mitarbeitenden eine grosse Unsicherheit.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.