Die erste Rolle war ein Esel

Philipp Langenegger ist ein Schweizer Schauspieler mit einer steilen Karriere in deutschen Fernsehproduktionen. Nächstes Jahr ist der Urnäscher zudem in einem US-amerikanischen Film über das Enthüllungsportal Wikileaks zu sehen.

Michael Hug
Merken
Drucken
Teilen
Der Urnäscher Philipp Langenegger lebt mit seiner Familie in Potsdam. (Bild: pd)

Der Urnäscher Philipp Langenegger lebt mit seiner Familie in Potsdam. (Bild: pd)

URNÄSCH. Er machte schon immer gerne das «Chalb». Seine erste Rolle, damals im Kindergarten, war der Esel bei den Bremer Stadtmusikanten. Die Gage für den gelungenen Auftritt, so berichten seine Kindergartenkameraden von einst, bestand in einem Extra-Nachschlag Griessbrei. Doch heute spielt Philipp Langenegger auch ernsthafte Rollen.

Preis für Seifenoper

Zurzeit mimt er bei den Dreharbeiten zum Film «The Fifth Estate» über das Leben von Wikileaks-Gründer Julian Assange einen deutschen «Spiegel»-Reporter. «Die Ähnlichkeit mit der realen Figur dürfte eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben, dass ich aus zwölf Kandidaten ausgewählt wurde», freut sich Philipp Langenegger. Zwar sei die Rolle keine weltbewegend grosse, doch an der Seite von Benedict Cumberbatch («Sherlock») auf dem Set zu stehen, sei doch eine besondere Erfahrung. Besondere Erfahrungen im Filmbusiness hat der 37-Jährige schon einige gemacht. Rund 20 Rollen umfasst sein filmisches Palmarès in deutschen Serienproduktionen wie «Verbotene Liebe», «Die Rettungsflieger» oder «Anna und die Liebe».

Eine durchgängige Rolle spielte Langenegger als Dr. Robert Brinkmann in «Hanna – Folge deinem Herzen». 2011 gewann er mit dieser Rolle den bedeutenden German Soap Award. Dabei ist Langenegger erst gute sechs Jahre im Filmgeschäft, was mit ein Grund ist, dass er hierzulande nicht als Schweizer Schauspieler wahrgenommen wird. Dass die grosse Karriere, oder vielleicht die ganz grosse, im Ausland ruft, hatte der Urnäscher bald erkannt. Darum entschied er sich 2002, nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland eine Ausbildung zum Schauspieler anzutreten.

Gute Laune verkauft

Was davor war, erinnert sich der Mime, habe so gar nichts mit der Schauspielerei zu tun gehabt. Obwohl, irgendwie schon, denn als Vertreter für mehrbändige Lexika, salopp gesagt als Türklinkenputzer, brauchte er Überzeugungskunst. «Mein Rezept war, dass ich nicht Bücher verkaufte, sondern gute Laune», erinnert sich Langenegger. Den Menschen bei seinen Gefühlen packen, das ist die Stärke des in Potsdam und Urnäsch lebenden dreifachen Familienvaters. Wer seine Lesereisen «Hatili» (2011) oder «E Hammpfle Originaal» (2012) besucht hat, konnte erleben, wie Zuhörende sich Tränen aus den Augen wischten, während Langenegger vorne auf der Bühne mit Werner Alder von Schicksalen aus dem Ausserrhodischen vor zwei Jahrhunderten erzählte. Hier der Original-Urnäscher, sich auf seinen angestammten Dialekt berufend, da der Berliner Arzt, dem niemand seine Appenzeller Herkunft anmerken würde. Langenegger überzeugt in beiden Rollen scheinbar spielend. Wohl auch darum, weil er mit der Schauspielerei jenes Metier gefunden hat, in das er gehört und für das die Weichen damals im Kindergarten eigentlich gestellt worden wären.

Vom Metzger zum Schauspieler

Doch der junge Urnäscher musste zuerst eine Schlaufe drehen, einen ordentlichen Beruf erlernen – er wurde Metzger. Davon blieb ausser der währschaften Art, wie er seine Hemdsärmel hochkrempelt, nichts übrig. Beim Schlachten scheint Philipp Langeneggers gute Laune nicht abhanden gekommen zu sein.

«The Fifth Estate» kommt gemäss dem europäischen Verleiher in einem Jahr in die deutschen und schweizerischen Kinos.