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Die Ernte der Gallustagung

Zu Gallus ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Dies das Ergebnis der wissenschaftlichen Tagung zum Gallusjahr. Der Kongress hat neue Erkenntnisse gebracht, aber auch neue Zweifel gesät. Die Forschung hat weiter zu tun.
Josef Osterwalder
Debattieren zur Gallusgeschichte: Stiftsbibliothekar Ernst Tremp, Professor Rudolf Schieffer und Professor Walter Berschin (von links). (Bild: Coralie Wenger)

Debattieren zur Gallusgeschichte: Stiftsbibliothekar Ernst Tremp, Professor Rudolf Schieffer und Professor Walter Berschin (von links). (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. «In der Gallusforschung hat das vergangene Vierteljahrhundert grosse Fortschritte gebracht. Das Feld der sich damit beschäftigenden Gelehrten ist breiter und internationaler geworden.» So führte am Mittwochabend Stiftsbibliothekar Ernst Tremp in den Galluskongress ein, zu dem Stiftsbibliothek und Stiftsarchiv gemeinsam eingeladen hatten.

Der Kongress diente denn auch dazu, Erkenntnisse aus der jüngsten Gallusforschung auszutauschen. Freilich war die Ankunft von Gallus vor 1400 Jahren nur der Ausgangspunkt des Tagungsprogramms. «In den Referaten sollen sein Leben und Wirken in sein weiteres geistiges und monastisches Umfeld eingebettet werden», sagte Tremp.

Die grünen Märtyrer

Für den Münchner Historiker Rudolf Schieffer hat der Kongress vor allem drei Erkenntnisse gebracht, beziehungsweise bekräftigt. Eine erste ist die Erweiterung des Begriffes «peregrinatio» (Pilgerschaft), der in der Gallusliteratur eine so grosse Rolle spielt.

Bei den irischen Mönchen, die aufs Festland kamen, ging es nämlich nicht einfach um eine gewöhnliche Pilgerschaft um Christi Willen. Vielmehr suchten sie ganz bewusst ein entbehrungsreiches Leben, um auf diese Weise zu «Märtyrern» zu werden, unblutig zwar, aber doch einschneidend genug. Dies wird mit dem neu aufgetauchten Begriff «grünes Martyrium» bezeichnet.

«Apostel» in Anführungszeichen

Als zweites weist Schieffer auf die Ausgrabungen hin, die rund ums Kloster getätigt wurden. Von der Auswertung dieser Funde seien am ehesten neue Aufschlüsse zu erwarten. Und zum dritten habe die Tagung gezeigt, dass der Titel «Apostel Alemanniens» Gallus erst zweihundert Jahre nach seinem Tod zugeschrieben wurde. Denn nach den ersten Quellen traten die irischen Mönche nicht als Missionare auf, sondern suchten Orte auf, an denen das Christentum bereits Fuss gefasst hatte. Dort wollten sie mithelfen, dem Glauben Halt zu geben. Sie waren also eher Glaubensfestiger als Glaubensboten. Vermisst hat Schieffer an der Tagung eine Debatte über die grundsätzliche Frage, ob Gallus überhaupt eine historische Gestalt gewesen sei oder nur eine Erfindung der Legende; so wie manche heute auch in der Gestalt des heiligen Benedikt eine reine Projektion sehen.

Für Stiftsbibliothekar Ernst Tremp verfängt diese Kritik allerdings nicht. Dass Gallus tatsächlich gelebt habe, sei durch die Forschung des Heidelberger Historikers Walter Berschin überzeugend nachgewiesen worden. Darum sei das Thema auch nicht ins Tagungsprogramm aufgenommen worden. Das Gleiche gelte von der Datierung der ältesten Lebensbeschreibung des heiligen Gallus, der «vita vetustissima». Die diesbezüglichen Forschungsergebnisse wurden in der kürzlich erschienenen Edition der Handschrift eingehend dargestellt.

Rätische Wurzel?

Die kritischen Anmerkungen Rudolf Schieffers und die Replik Ernst Tremps zeigen, dass es schwierig geworden ist, an einer einzigen Tagung alle Aspekt der Gallusforschung aufzurollen. Zu facettenreich ist die Ursprungsgeschichte St. Gallens.

Das Gleiche gilt für den Gründungsabt St. Otmar, dessen Geschichte von Max Schär, zurzeit erforscht wird. Ihm legte die letzte Referentin, Dagmar O Riain, ans Herz, dem rätischen Anteil an St. Gallens Gründungsgeschichte nachzugehen. Denn noch ist diese nicht zu Ende erzählt.

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