Die ehemalige St. Galler Erdölfirma Terraoil steht unter Covid-Kredit-Betrugsverdacht

Transoil hiess jene dubiose Erdölfirma, die sich mit Hilfe der St. Galler Standortförderung 2011 in der Wegelin-Villa niederliess. 2017 zog sie nach Zug und änderte ihren Namen in Terraoil Swiss. Nun hat die Firma laut Recherchen von «Kassensturz» unter falschen Angaben einen Covid-Notkredit erhalten und geschädigte Anleger überlegen sich eine Klage.

Marcel Elsener
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Fragwürdiger Händedruck: Terraoil-CEO Peter Krempin (links) und Verwaltungsräte bei der Ansiedlung der Vorgängerfirma Transoil 2011 in St. Gallen mit dem damaligen St. Galler Volkswirtschaftsdirektor und heutigem Ständerat Benedikt Würth.

Fragwürdiger Händedruck: Terraoil-CEO Peter Krempin (links) und Verwaltungsräte bei der Ansiedlung der Vorgängerfirma Transoil 2011 in St. Gallen mit dem damaligen St. Galler Volkswirtschaftsdirektor und heutigem Ständerat Benedikt Würth.

Bild: PD

Die Erdölfirma Transoil, von 2011 bis 2017 in der Wegelin-Villa im Osten der Stadt St. Gallen domiziliert, warf in der St. Galler Politik von Anfang an kritische Fragen auf. So stolz die kantonale Standortförderung und der damalige Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth den Zuzug der «stillen Perle» begrüssten, so gross war das Stirnrunzeln über die angekündigten 30 Arbeitsplätze und die ökologische Ausrichtung samt Zusammenarbeit mit den Stadtwerken und der Universität St. Gallen. Am Ende sollte eine kritische Interpellation der SP-Kantonsratsfraktion recht behalten: Das angebliche Rohstoff-Unternehmen mit einer Handvoll Angestellter zog unter dem neuen Namen Terraoil Swiss nach Zug, ohne eines seiner Versprechen gehalten zu haben.

Nun sieht es danach aus, dass der St. Galler Standortförderungs-Flop noch ganz andere Dimensionen annimmt: Bereits im vergangenen Juni vermeldete der «Kassensturz» von SRF, dass ein ehemaliger Transoil- und Terraoil-Verwaltungsrat Anleger betrogen hatte und der Wert der mit albanischen Ölvorkommen spekulierenden Firma suspekt sei. Zumindest eine Ostschweizer Verbindung hat die Firma noch: Verwaltungsratspräsident ist der St. Galler Wirtschaftsberater Hans Peter Vogt, ehemaliger Leiter Private Banking der Thurgauer Kantonalbank.

Nur Bruchteil des angegebenen Umsatzes erzielt

Die Terraoil-Verwaltungsräte um Vogt und die Geschäftsleitung um den langjährigen CEO Peter Krempin müssen jetzt mit Strafanzeigen rechnen, wie der «Kassensturz» in seiner Sendung vom Dienstag berichtet. Gemäss der Recherchen hat Krempin Ende März das Covid-Notkredit-Formular falsch ausgefüllt: Er gab einen Umsatz von 21 Millionen Franken an. Dabei machte die Firma laut dem Bericht der unabhängigen Revisionsstelle 2019 lediglich einen Bruchteil davon, nämlich knapp 380'000 Franken.

Wie die Zahl von 21 Millionen zu Stande kommt, ist fraglich. Entweder habe Krempin die für 20 Millionen Franken verkauften Aktien, die Anlegern aufgeschwatzt wurden, zum Umsatz dazugezählt. Oder er habe den Umsatz der Terraoil-Tochterfirma in Albanien dazugerechnet. Dass auf den albanischen Ölfeldern etwas laufe, ist laut «Kassensturz» allerdings umstritten. Aufgrund des Revisonsberichts sei dort «keine relevante wirtschaftliche Tätigkeit» ersichtlich, sagt ein unabhängiger Finanzanalytiker.

Fazit der SRF-Redaktion: «Ob die 21 Millionen im Kreditantragsformular durch einen vermeintlichen Umsatz der Tochterfirma oder durch einen buchhalterischen Trick zu Stande kamen, spielt keine Rolle. Firmen, die die minimen Kontrollen des Notkredits ausnützen, handeln grundsätzlich illegal. Es geht um möglichen Betrug und Urkundenfälschung.» Das Seco in Bern wollte sich zum Einzelfall nicht äussern, sprach aber von laufenden Strafverfahren mit einer Deliktsumme von gesamthaft 25 Millionen Franken, die wohl noch ansteigen werde.

St. Galler Anwalt auf Seiten verunsicherter Anleger involviert

Laut dem auf Wirtschaftsrecht spezialisierten St. Galler Anwalt Hans Hofstetter (Büro Schochauer) dürften Firmen, die den Covid-Kredit beanspruchen, Tochtergesellschaften im Ausland keine Darlehen geben: «Wenn das hier geschehen wäre, müsste man zusätzlich das Delikt der Geldwäscherei prüfen.» Laut «Kassensturz» haben Hunderte Schweizer Privatpersonen und Firmen in das dubiose Unternehmen investiert und bangen nun um ihr Geld. Einige Anfragen hat die Redaktion Hofstetter weitergeleitet. Geschädigte überlegten sich nun, gemeinsam gegen Terraoil vorzugehen.

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