Die CVP taumelt weiter abwärts

Mit dem Sitzverlust der Grünliberalen war zu rechnen, jener der Grünen erschien zumindest nicht ausgeschlossen. Die Gründe für die Nichtwiederwahl von Yvonne Gilli und Margrit Kessler sind unterschiedlich.

Silvan Lüchinger
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Mit dem Sitzverlust der Grünliberalen war zu rechnen, jener der Grünen erschien zumindest nicht ausgeschlossen. Die Gründe für die Nichtwiederwahl von Yvonne Gilli und Margrit Kessler sind unterschiedlich. Während Gilli in den Sog von Rechts- rutsch und Abwärtstrend der Grünen geriet, ist Margrith Kess- ler vor allem das Opfer fehlender Listenverbindungen. Weil sich SVP, FDP und auch die CVP Chancen auf den Sitz ausrechneten, wurden die Grünliberalen systematisch isoliert – bis ihnen in ihrer Verzweiflung nur noch die Partnerschaft mit den wenig zugkräftigen Piraten blieb.

Auf der anderen Seite haben SVP und FDP die Gunst der Stunde genutzt. Mit einem Stimmenanteil von 35,8 Prozent ist die SVP nach dem Taucher 2011 zurück auf ihrem Höchststand von 2007. Die Freisinnigen rangieren nach 20 Jahre anhaltendem Sinkflug wieder vor der SP. Mit dem Joner Unternehmer und Digitec-Gründer Marcel Dobler hat ein Mann den Sitz geholt, den kaum jemand auf der Rechnung hatte. Zwar liegen mit Walter Locher und Marc Mächler die Favoriten auf den Ersatzplätzen. Aber Doblers Wahl ist ein starkes Zeichen, dass in der FDP ein Generationenwechsel ansteht und der Wahlerfolg keine Eintagsfliege bleiben wird.

Von einer Wende zum Besseren weiterhin nur träumen kann die CVP. Die 16,6 Prozent Wähleranteil der einstmals dominierenden St. Galler Partei bedeuten ein Allzeittief. Das Halten der drei Sitze ist da schwacher Trost, zumal die Partei in der Ständeratswahl regelrecht abgestürzt ist und sich sogar von den Grünen überholen lassen muss-te. Besonders bitter für die CVP: Mit der neuen Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder sitzt bereits die zweite Überläuferin für die SVP in Bern.

Schon in fünf Monaten, wenn Regierung und Kantonsrat neu bestellt werden, stehen sich die Sieger und Verlierer dieses Wochenendes wieder gegenüber. Zwei Regierungssitze werden frei, von einer Konstellation mit klaren Favoriten kann keine Rede sein. Obwohl sie als einzige mit zwei Bisherigen antritt, wird sich nach dem Minus von gestern auch die SP warm anziehen müssen.

silvan.luechinger@tagblatt.ch

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