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Mit Benedikt Würth will die St.Galler CVP den verlorenen Ständeratssitz zurückerobern: Wer kann ihn in der Regierung ersetzen?

Der St. Galler Finanzchef Benedikt Würth will für die CVP den verlorenen Ständeratssitz zurückerobern. Wer ihn dereinst als Regierungsrat beerben könnte, ist erst diffus erkennbar.
Regula Weik
Finanzchef Benedikt Würth nach der Präsentation der Jahresrechnung. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 19. März 2018))

Finanzchef Benedikt Würth nach der Präsentation der Jahresrechnung. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 19. März 2018))

Würth will. Die gestrige Nachricht war überraschungsfrei. Dass es den St. Galler Finanzdirektor Richtung Bern zieht, ist schon länger bekannt. Im Herbst noch musste er gegen seine Gelüste ankämpfen. Nicht wenige hätten den St. Galler CVP-Regierungsrat gerne als Bundesratkandidaten gesehen. Er sich wohl auch. Er habe «stark mit sich gerungen», sagte Benedikt Würth, als er seinen Verzicht auf die Bundesratskandidatur bekannt gab. Er habe die Situation «realpolitisch beurteilt und entschieden, dass es in der Konstellation nicht sinnvoll ist, wenn ich kandidiere».

Heute, wenige Wochen später, geht es um den zweiten St. Galler Ständeratssitz. Würth dürfe die Ausgangslage wiederum «realpolitisch» beurteilt haben – und wohl zu Recht zum Schluss gelangt sein: Die Chancen stehen gut. Sollte er noch einen Hauch von Zweifel haben, seine Partei ist frei davon. Kaum war Karin Keller-Sutter als Bundesrätin gewählt, blies die St. Galler CVP zum Kampf um den frei werdenden Ständeratssitz. Vor sieben Jahren hatte sie ihren Sitz im Stöckli verloren; mit Würth sind die Chancen reell, dass sie ihn zurückerobert. Die Formulierung der CVP, sie werde Mitte Dezember an einer Delegiertenversammlung entscheiden, wer für sie ins Rennen steige, dürfte nichts anderes als eine Worthülse sein. Eine parteiinterne Ausmarchung um die Kandidatur ist mit der klaren Ansage von Würth wohl vom Tisch.

Finanzexperten in der Poleposition

Erst richtig lanciert ist hingegen seit gestern ein anderes parteiinternes Rennen – jenes um den allenfalls freiwerdenden Regierungssitz. Gelingt Würth die Wahl in den Ständerat, steht wenige Wochen später eine Ersatzwahl für die St. Galler Regierung an. Eine in der Öffentlichkeit wenig bekannte Person dürfte es aufgrund der kurzen Zeit schwer haben. Kampflos wird die CVP ihren zweiten Sitz in der Exekutive aber nicht hergeben, auch wenn sie ihre Position als einst dominierende Partei im Kanton längst an die SVP verloren hat und in den letzten kantonalen Wahlen stärkenmässig von der FDP eingeholt wurde. Es war ihr einmal mehr nicht gelungen, den seit Jahrzehnten anhaltenden Negativtrend zu stoppen.

Wer könnte Würth als Regierungsrat beerben? Die CVP stellt seit Jahrzehnten den St. Galler Finanzchef – vor dem aktuellen Benedikt Würth war es Martin Gehrer, vor Gehrer Peter Schönenberger, vor Schönenberger Paul Gemperli. Parteipräsident Patrick Dürr ist in führender Position bei einer Bank tätig, Finanzkompetenz darf bei ihm vorausgesetzt werden. Ambitionen auf ein höheres Amt sind wohl auch vorhanden. Dürr ist seit 2010 Mitglied des Kantonsparlaments und Vizepräsident des kantonalen Hauseigentümerverbands. Der Rheintaler dürfte sich aber sehr genau überlegen, ob er im nationalen Wahljahr einen eigenen Wahlkampf bestreiten will und kann. Dies dürfte auch davon abhängen, wie die Parteispitze aufgestellt ist.

Vizeparteipräsident ist Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes und wohnhaft in Mühlrüti. Er leitet zudem die Fraktion von CVP und Grünliberalen im Kantonsparlament und hat in dieser Funktion an Profil gewonnen. Fraktionschefs sind per se fast immer mögliche Kandidaten für ein Regierungsamt.

Politische Ambitionen werden der zweiten Vizeparteipräsidentin, Yvonne Suter, nachgesagt. Sie ist als Direktorin bei einer Schweizer Grossbank tätig, gehört dem Universitätsrat an und ist seit kurzem Mutter. Suter erzielte in den letzten Nationalratswahlen das sechstbeste Resultat insgesamt, das zweitbeste der CVP-Frauen. Ein paar Hundert Stimmen mehr hatte im Herbst 2015 Barbara Dürr erzielt. Die Kantonsrätin aus Gams gehört seit 2016 dem Kantonsparlament an; zuvor hatte sie zehn Jahre lang den kantonalen Bäuerinnenverband präsidiert.

Einige interessierte Kantonsräte

Interesse an einem Regierungsamt könnte der langjährige Kantonsrat Peter Göldi aus Gommiswald haben. Der Geschäftsführer des Zentrums für Regionalmanagement OberseeLinth setzt sich immer wieder pointiert für Anliegen des Linthgebiets ein. Als starke Stimme des Toggenburgs und immer öfter auch innerhalb der Fraktion ist in den vergangenen Monaten im Kantonsparlament Mathias Müller, Stadtpräsident von Lichtensteig, aufgefallen. Eher schwer dürfte es eine andere gewaltige Stimme haben: Boris Tschirky, Kantonsrat, Gemeindepräsident von Gaiserwald und gescheiterter St. Galler Stadtratskandidat. Dasselbe gilt für Patrizia Adam. Die Juristin und Kantonsrätin war im November 2016 nach vier Jahren als St. Galler Stadträtin und Bau­chefin abgewählt worden. Dem aktuellen St. Galler Stadtrat gehört kein CVP-Mitglied mehr an. Von den derzeitigen Stadtratsmitgliedern von Gossau, Wil und Rapperswil-Jona könnte einzig die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann Lust auf einen Wechsel in die Pfalz haben.

Eher unwahrscheinlich ist, dass es einen der drei CVP-Nationalräte Thomas Ammann, Nicolo Paganini oder Markus Ritter für ein Regierungsamt zurück in die St. Galler Kantonspolitik zieht.

Eine «reguläre» Veränderung in der St. Galler Regierung ist bereits länger bekannt: Der freisinnige Vorsteher des Departements des Innern, Martin Klöti, wird 2020 nicht für eine weitere Amtsdauer kandidieren. Eher unwahrscheinlich ist seit gestern, dass die SVP nächstes Jahr Regierungsrat Stefan Kölliker wird ersetzen müssen. Der Bildungschef wird im kommenden Frühling kaum gegen Würth in den Ständeratswahlkampf ziehen.

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