Die Corona-Krise trifft die Thurgauer Hotels hart: Eine Veranstaltung nach der anderen wird storniert

Seminarhotels wie das Kloster Fischingen oder die Kartause Ittingen sind gefordert: Viele Tagungen und Seminare werden abgesagt. Einzig das Golfhotel Lipperswil merkt von der Krise wenig – und setzt sogar auf ein Spezialangebot.

Ida Sandl und David Grob
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«Wir spüren die Auswirkungen des Corona-Virus sehr stark»: Auch das Seminarhotel der Kartause Ittingen ist von der Corona-Krise getroffen.

«Wir spüren die Auswirkungen des Corona-Virus sehr stark»: Auch das Seminarhotel der Kartause Ittingen ist von der Corona-Krise getroffen.

Bild: Andrea Stalder

Absagen am laufenden Band. Tagungen und Seminare sowieso, aber auch Jahresversammlungen und sogar Familienfeste werden storniert. Die Thurgauer Hotellerie leidet unter dem Corona-Virus. «Unsere Hauptarbeit ist mit den Kunden zu verhandeln, die absagen wollen.» Das erklärt Werner Ibig, Direktor des Seminarhotels Kloster Fischingen. Konkret wird ausgehandelt, ob sich die eine oder andere Veranstaltung verschieben lässt. Oder die Mitarbeiter überzeugen den Kunden, dass er doch noch etwas zuwartet mit der Abbestellung. Vielleicht sieht es in ein paar Wochen besser aus.

Neue Reservationen gebe es keine. Ibig sagt: «Wir hängen völlig in der Luft.» Niemand weiss, wie lange das Corona-Virus die Welt in Atem hält.

Früher oder später kommen die Betriebe an ihre Grenzen. Rolf Müller, Chef von Thurgau Tourismus, sagt:

Rolf Müller, Chef Thurgau Tourismus

Rolf Müller, Chef Thurgau Tourismus 

Bild: Donato Caspari
«Das sind enorme Kosten, die in der Hotellerie Tag für Tag anfallen.»

Wenn die Einnahmen fehlen, kann es schnell ans Eingemachte gehen. Er wolle nicht schwarzmalen, sagt Müller. Aber er rechne damit, dass die Krise für einige Thurgauer Betriebe bedrohlich werden könne: «Jetzt muss die Branche zusammenstehen, gemeinsam Lösungen erarbeiten und voneinander profitieren.»

Im Greuterhof in Islikon gibt es fast keine neue Buchungen

Zum Teil kommen die Absagen sehr kurzfristig. Manchmal erst ein bis zwei Tage vorher, sagt Livia Rieder, die Betriebsleiterin des «Greuterhofs» in Islikon. Der März sei eigentlich einer der umsatzstärksten Monate für das Seminarhotel. Doch in den vergangenen beiden Wochen seien fast keine neuen Buchungen eingetroffen.

Ein schwieriges Kapitel sind die Stornogebühren. Die Veranstalter erwarten Entgegenkommen, da sie die Situation nicht verschuldet haben. Doch wer soll die Kosten tragen? «Wir müssen Stornierungsrechnungen verschicken», sagt Livia Rieder und hofft, dass die Kunden das auch verstehen würden.

Die «Kartause Ittingen» führt Kurzarbeit ein

«Wir spüren die Auswirkungen des Corona-Virus sehr stark», sagt auch Valentin Bot, Hoteldirektor im Seminarhotel der Kartause Ittingen. Wie andernorts sind auch Seminare und Tagungen besonders betroffen. Und auch in der Hotellerie spüre man einen Rückgang an Buchungen. «Einzig das Restaurant läuft weiterhin gut. Vergangenen Sonntag wurden wir sehr überrascht von der Anzahl an Gästen», sagt Bot. Er führt dies auf die spezielle Lage der «Kartause» zurück.

Bot trifft nun erste Massnahmen. Die «Kartause Ittingen» hat auf diese Woche in der Gastronomie Kurzarbeit eingeführt. Bot meint:

«Diese ist ein sehr gutes Instrument, um Kündigungen möglichst zu vermeiden.»

Die Mitarbeiter beschäftigen sich mit internen Weiterbildungen oder Arbeiten, die bis anhin nicht erledigt werden konnten. Auch bleibt die Hotelbar diese Woche geschlossen.

Home-Office im Hotel

Die Gäste des Wellnesshotels Golfpanorama in Lipperswil lassen sich vom Corona-Virus den Spass wohl nicht verderben. Momentan würden die Buchungen zwar stocken, sagt Geschäftsführerin Caroline Spatz. Verglichen mit dem Vorjahr sei der Umsatz aber immer noch etwa 15 Prozent im Plus. Woran es liegt? 85 Prozent der Gäste kommen aus der Schweiz und die buchen wohl lieber Golf-Ferien im eigenen Land statt auf Mallorca oder in Portugal.

Ab heute bietet das Golfhotel einen neuen Service an: ungestörtes Home-Office für 35 Franken im Hotel.