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Bilanz nach dem St.Galler Frauenstreik: «Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt»

Rund 50 Organisatorinnen standen hinter dem St.Galler Frauenstreik, der am Freitag Tausende auf die Strassen lockte. Zum Streikkomitee gehört auch Bettina Surber. Die SP-Kantonsrätin zieht Bilanz.
Noemi Heule
Die St.Galler Innenstadt gehörte am Freitag den streikenden Frauen. (Bild: Michel Canonica)

Die St.Galler Innenstadt gehörte am Freitag den streikenden Frauen. (Bild: Michel Canonica)

4000 Frauen färbten am Freitag St.Gallens Strassen lila und pink. Landesweit demonstrierten eine halbe Million Schweizerinnen. Haben Sie mit diesem Aufmarsch gerechnet?

Bettina Surber, Mitglied des Streikkomitees und Co-Fraktionspräsidentin der St.Galler SP (Bild:Regina Kühne)

Bettina Surber, Mitglied des Streikkomitees und Co-Fraktionspräsidentin der St.Galler SP (Bild:Regina Kühne)

Bettina Surber: Nein, das haben wir uns nicht erträumt. Unser Ziel waren knapp 2000. Dass es nun mehr als doppelt so viele waren, ist grossartig. Die Bewegung hat eine Eigendynamik angenommen. Ob der Funke tatsächlich springt, konnten wir im Voraus nicht abschätzen.

Er ist gesprungen. Was tut das Komitee nun, damit die Energie nicht verpufft?

Das ist die nächste Herausforderung. Wir werden uns nochmals treffen, um zu planen, wie es nun weitergeht und wie wir unsere Forderungen weiterbringen können. Viele werden nun sicherlich von der Politik aufgenommen.

Wie setzte sich der Demonstrationszug zusammen?

Er war sehr durchmischt. Frauen jeglichen Alters oder politischer Gesinnung taten sich zusammen. Sie kamen aus allen Quartieren, Kantonsteilen oder aus den Nachbarkantonen. Das sah man sehr schön beim Sternenmarsch in Richtung Innenstadt. Das Gefühl der Solidarität war eindrücklich.

Streikende Frauen aus Appenzell Ausserrhoden treffen in St.Gallen ein. (Bild: Michel Canonica)

Streikende Frauen aus Appenzell Ausserrhoden treffen in St.Gallen ein. (Bild: Michel Canonica)

Wer fehlte?

Frauen, die in Tieflohnbranchen arbeiten. Wer für 18.50 Franken die Stunde Putzarbeit verrichtet, kann sich schlicht nicht leisten, die Arbeit niederzulegen.

Das Gleichstellungsgesetz oder der Mutterschaftsurlaub werden dem Frauenstreik von 1991 zugeschrieben. Was liegt 28 Jahre später drin?

Die effektive Umsetzung der Lohngleichheit. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird weiter gefördert werden: beide Elternteile sollen Betreuungs- und Erwerbsarbeit gleichermassen wahrnehmen können. Und es wird mehr Frauen in Führungspositionen geben.

1991 seien die Frauen frecher gewesen, sagen Organisatorinnen von damals.

Gerade von jungen Frauen waren auch sehr kämpferische Parolen zu hören. Dass viele von ihnen immer noch mit Sexismus im Alltag konfrontiert sind, sollte uns zu denken geben.

Was bedeutet das grosse Echo für das aktuelle Wahljahr?

Als direkte Konsequenz werden sich wohl alle Parteien ernsthaft Gedanken machen, wie die Frauen auf ihren Listen vertreten sind. Nicht nur für den National- und Ständerat, sondern auch für die Kantonsratswahlen im kommenden Jahr.

Geht auch der Frauenstreik 2019 als Erfolg in die Geschichte ein?

Ja, die zentralen Forderungen können nicht mehr überhört werden, die jungen, politisierten Frauen haben sich Gehör verschafft. Dass es 28 Jahre nach dem ersten Streik wieder einen brauchte, ist aber kein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft.

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