Die beiden Appenzell, Glarus, Graubünden und St.Gallen wollen künftig den Kantönligeist überwinden und die Spitalplanung gemeinsam angehen

Die fünf Ostschweizer Kantone spannen bei der stationären Gesundheitsversorgung zusammen. Bei der Umsetzung stehen harte Debatten an.

Regula Weik
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Parallelbehandlungen verhindern, Überversorgungen abbauen: Die Spitallandschaft in der Ostschweiz ist eine grosse Baustelle.

Parallelbehandlungen verhindern, Überversorgungen abbauen: Die Spitallandschaft in der Ostschweiz ist eine grosse Baustelle.

Bild: Ralph Ribi

Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Graubünden und St.Gallen wollen künftig die Spitalplanung gemeinsam angehen. Die fünf Ostschweizer Kantone wollen so die Gesundheitskosten in den Griff bekommen. So sollen Leistungen nicht einfach verschoben, sondern vielmehr Parallelbehandlungen verhindert und Überversorgungen abgebaut werden.

Die Spitallisten der einzelnen Kantone sollen einander angeglichen werden. Im Idealfall entstehen – dort, wo es geografisch sinnvoll ist – gar gleichlautende Listen. Bei der konkreten Umsetzung dürfte es dannzumal zu harten Diskussionen kommen.

Noch im Februar, als die fünf involvierten Gesundheitsdirektorinnen und Gesundheitsdirektoren die Absichtserklärung unterzeichneten, waren sie bemüht gewesen, das Reizwort Spitalschliessungen nicht in den Mund zu nehmen. Inzwischen dürfte es ihnen leichter fallen, auch darüber zu reden – dies, nachdem das St.Galler Kantonsparlament vergangene Woche die Schliessung von vier Landspitälern beschlossen hat.

Dieser Tage haben die fünf Kantone die nächsten Schritte definiert und eine externe Projektleitung eingesetzt. Den Zuschlag erhielt die Socialdesign AG aus Bern. Die Beratungsfirma bringe Projekterfahrung, insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen mit; sie habe auch bereits in interkantonalen Projekten zur Gesundheitsversorgung mitgewirkt, halten die Ostschweizer Auftraggeber fest.

Das Berner Unternehmen war in der Vergangenheit laut seiner Website bereits für das Sozialamt des Kantons Thurgau sowie das Spital Lachen tätig gewesen.

Die Ostschweizer Kantone hatten eine Projektleitung angestrebt, die mit keinem der fünf Partner Verbindungen hat. So soll sichergestellt sein, dass die Arbeitsgruppe möglichst objektiv sowie frei von politischem Druck arbeiten kann und sich kein Kanton benachteiligt fühlt. In einem ersten Schritt soll das Projektteam nun anhand einer Modellplanung die Auswirkungen der gemeinsamen Spitalplanung prüfen. Dabei wird auch analysiert werden, wie viele Patientinnen und Patienten in welches Spital gehen – und wo entsprechend Überkapazitäten bestehen, die sich abbauen liessen. Bereits heute lassen sich viele Patienten ausserhalb des eigenen Kantons behandeln. Seit 2012 ist das auch ohne Zusatzversicherung möglich.

Erste konkrete Entscheide Mitte 2022

Yves Noël Balmer, Ausserrhoder Regierungsrat.

Yves Noël Balmer, Ausserrhoder Regierungsrat.

Bild: Benjamin Manser

Ziel ist, das Projekt bis Mitte 2022 abzuschliessen. Die Projektorganisation führen die Gesundheitsdirektoren der fünf Kantone; den Vorsitz hat der Ausserrhoder Gesundheitschef Yves Noël Balmer.

Die Zusammenarbeit der fünf Ostschweizer Kantone ist schweizweit eine Premiere. Doch auch andernorts gibt es Bewegung. So gehen beide Basel die Spitalplanung gemeinsam an, auch wenn die Fusion der Spitäler am Widerstand der Bevölkerung scheiterte. Und in der Innerschweiz arbeiten die Kantonsspitäler von Luzern und Nidwalden eng zusammen.