«Die Bauern müssen an einem Strick ziehen»

Im Kanton St. Gallen treten elf Bisherige zu den Nationalratswahlen 2015 an. In einer Interviewserie blicken wir mit den Kandidatinnen und Kandidaten auf die vergangene Legislatur zurück und beurteilen ihre Leistungen im Parlament aus nationaler Perspektive. Heute: Markus Ritter (CVP).

Noemi Heule
Merken
Drucken
Teilen
Markus Ritter (CVP) vertritt die Bauern im Bundesparlament. (Bild: Urs Jaudas)

Markus Ritter (CVP) vertritt die Bauern im Bundesparlament. (Bild: Urs Jaudas)

Herr Ritter, was haben Sie in den vergangenen vier Jahren in Bern erreicht?

Markus Ritter: Der Start in Bern ist mir sehr gut geglückt. Ich konnte sogleich Einsitz nehmen in meiner Wunschkommission, jener für Wirtschaft und Abgaben, und spannende Dossiers bearbeiten: beispielsweise der automatische Informationsaustausch im Finanzbereich, die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative, das Mehrwertsteuergesetz und natürlich die Agrarpolitik. Zudem habe ich mir in diesen vier Jahren im Parlament und darüber hinaus ein grosses Netzwerk aufgebaut.

Warum wollen Sie nochmals für vier Jahre nach Bern?

Ritter: Ich möchte gerne meine Arbeit weiterführen. Gerade in den Bereichen Steuern, Finanzen und Agrarpolitik bin ich mittlerweile gut eingearbeitet und bereit, an vergangene Erfolge anzuknüpfen.

Wie setzen Sie sich für die Ostschweiz, für den Kanton St. Gallen im Parlament ein?

Ritter: Ich stehe ständig in engem Austausch mit der St. Galler Regierung und der zuständigen Verwaltung. Die Anliegen unseres Kantons bringe ich in Bern ein, etwa beim Finanzausgleich, bei Verkehrsprojekten und insbesondere in Wirtschaftsfragen, etwa der Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative. Dort ist St. Gallen als Grenzkanton besonders betroffen.

Als Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes sind Sie vor allem als Aushängeschild der Landwirtschaft bekannt. Wofür stehen Sie sonst noch?

Ritter: In den Medien werde ich vor allem mit der Agrarpolitik in Verbindung gebracht. Durch meine Kommissionstätigkeit beschäftige ich mich im Hintergrund aber genauso mit Wirtschafts-, Steuer- und Finanzfragen.

Die Bauern haben eine der einflussreichsten Lobbies im Bundeshaus. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Ritter: Wir Bauern verfügen über eine sehr gute und enge Zusammenarbeit über fünf Fraktionen hinweg. Es ist meine Aufgabe, als Präsident des Bauernverbandes dafür zu sorgen, dass alle Mitglieder am selben Strick ziehen und in die gleiche Richtung marschieren.

Dennoch geriet die Agrarlobby medial unter Druck. Es heisst, ihre kühnsten Wünsche würden erfüllt. Privilegien, Subventionen, Protektionismus: Ist der Bogen nicht langsam überspannt?

Ritter: Die Ausgaben des Bundes für die Landwirtschaft sind in den letzten zehn Jahren konstant geblieben. Gleichzeitig sind die Bundesfinanzen in anderen Bereichen stark gestiegen. Insgesamt stieg das Bundesbudget um 30 Prozent.

Die Bauern machen über 13 Prozent der Parlamentarier aus, aber nur zwei Prozent der Erwerbstätigen. Sind sie in Bundesbern übervertreten?

Ritter: Die Wahl ist letztlich ein Volksentscheid. Die Bauern stellen gute Kandidaten, die weit über die bäuerlichen Kreise hinaus Unterstützung finden.

Weshalb ist der Berufsstand beim Volk derart beliebt?

Ritter: Die Bevölkerung zeigt viel Verständnis und Goodwill für die Landwirtschaft. Die Bauern pflegen die Landschaft, stehen für die Biodiversität ein und sorgen für das Tierwohl. Die Wertschätzung für diese Arbeit und die landwirtschaftlichen Produkte zeigt sich jeweils auch am Wahlergebnis.

Sie sind Bio-Bauer. Trotzdem setzen Sie sich nicht für umweltpolitische Themen ein. Ist das kein Widerspruch?

Ritter: Unsere Natur ist mir sehr wichtig. Auf Grund meiner Kommissionszugehörigkeit befasse ich mich politisch aber vor allem mit Wirtschaftsthemen. Als Landwirt setze ich auf unserem Betrieb in der Biodiversität gezielt auf Qualität.

Wie vereinen Sie die Arbeit auf dem Bauernhof mit Ihren Verpflichtungen als Nationalrat?

Ritter: Während meiner Abwesenheit führt meine Frau den Betrieb, zusammen mit zwei Mitarbeitern und einer Praktikantin. Die Unterstützung meiner Frau und Familie ist für mich von grosser Bedeutung.

www.tagblatt.ch/wahlen