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Interview

Regierungsrat Damann: «Ohne gemeinsames Winterticket werden die Bahnen im Toggenburg Touristen verlieren»

Wasser, Stadt, Berge: Die Ostschweiz hat alles, was Touristen suchen. Der St.Galler Regierungsrat Bruno Damann über den neuen Tourismusrat, die Zusammenarbeit mit dem Nachbar Thurgau und das umstrittene Winterticket im Toggenburg.
Interview: Regula Weik, Christoph Zweili
Regierungsrat Bruno Damann: «Solange die beiden Bahnen kein Zeichen setzen, dass sie zusammenarbeiten wollen, wird die Regierung hart bleiben.» (Bild: Urs Bucher)

Regierungsrat Bruno Damann: «Solange die beiden Bahnen kein Zeichen setzen, dass sie zusammenarbeiten wollen, wird die Regierung hart bleiben.» (Bild: Urs Bucher)

Bruno Damann, die Forderung nach einem Tourismusrat liegt schon länger auf dem Tisch. Geschehen ist nichts. Wo liegt das Problem?

Das mag der Eindruck von aussen sein. Der Tourismusrat wird aber wie geplant auf Januar 2019 tätig werden. Wir haben unsere Analyse über den Tourismus dieser Tage mit den Destinationen diskutiert und ein gemeinsames Verständnis für die künftige Entwicklung des Tourismus aufgebaut. Nächste Woche werden wir unseren Zwischenbericht der vorberatenden Kommission «Mehrjahresprogramm Standortförderung» zustellen.

Sie legen die vier Tourismusorganisationen im Kanton zusammen. Wie soll das funktionieren?

Die vier Destinationen St.Gallen-Bodensee, Heidiland, Toggenburg und Rapperswil Zürichsee werden nicht vereint. Sie bleiben eigenständig. Mit dem Tourismusrat entsteht aber eine Art Oberdach. Der Kanton wird künftig eng mit dem Tourismusrat zusammenarbeiten und mit ihm eine einzige Leistungsvereinbarung abschliessen.

Trotzdem: Sie stecken die Vertreter der vier Organisationen in ein Gremium und zwingen sie zur Zusammenarbeit. Kann das gut gehen?

Die Zusammenarbeit muss enger werden. Das fordern Kantonsrat und Regierung. Der Kanton wird Zielvorgaben machen und deren Einhaltung kontrollieren. Die Einsicht, dass alle voneinander profitieren können, wird sich durchsetzen. Am Flumserberg sind die Biker-Angebote weit fortgeschritten. Was spricht dagegen, das Projekt angepasst für das Toggenburg zu übernehmen?

Die Vielfalt ist eine Stärke des hiesigen Tourismus. Mit dem Tourismusrat droht ein Einheitsbrei.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Regionen werden wie bisher ihre Highlights positionieren und vermarkten. Die Zusammenarbeit muss dort intensiviert werden, wo aktuell Doppelspurigkeiten bestehen. So können wir erreichen, dass die eingesetzten Mittel zielorientierter und effektiver verwendet werden.

Die Bedürfnisse und das Zielpublikum der Stadt St.Gallen sind doch ganz andere als jene des Toggenburgs oder des Heidilands.

Wir sollten die Gäste in den einzelnen Regionen nicht länger isoliert betrachten. Die Frage muss vielmehr eine andere sein: Wie bringen wir den Touristen in der Stadt St.Gallen dazu, in der Region zu übernachten, anderntags weitere Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, einen Ausflug ins Toggenburg oder ins Sarganserland zu machen? Das haben wir bis heute nicht geschafft. Wir haben alles, was der Tourist will – Wasser, Stadt, Berge. Und das auf engstem Raum. Wir müssen lernen, dies als Gesamtpaket zu sehen und zu vermarkten.

Eine gemeinsame Organisation macht noch keine gemeinsame Identität.

Es ist der Versuch, eine solche zu entwickeln, ohne dass sich die Regionen dabei verleugnen und ihre typischen Eigenheiten aufgeben müssen. Wir wollen die natürliche Vielfalt bewahren.

Die Stadt Luzern und das Berggasthaus Aescher klagen beide über zu viele Touristen. Haben Sie Verständnis dafür?

Ein Stück weit habe ich Verständnis dafür. Konstanz jammert auch über den Einkaufstourismus. In unserer Region sind wir zahlenmässig weit entfernt von solchen Zuständen. Wir hätten unsere Betten gerne besser ausgelastet. Der Besucheransturm beim «Aescher» ist nicht das, was wir im Kanton St.Gallen anstreben. Wir wollen den Touristen Mehrwerte durch Erlebnisse bieten.

Luzern diskutiert über Eintrittsgebühren für Car-Touristen. Ist das auch ein Thema für St.Gallen?

Das ist aktuell kein Thema für uns. Und das wird es auch in nächster Zukunft nicht sein.

Wie viele Touristen verträgt St.Gallen denn?

Dazu gibt es keine bestimmte Zahl. Das muss sich entwickeln. Die Stiftsbibliothek wird derzeit jährlich von rund 200'000 Personen besucht – da hat es sicher noch Luft nach oben.

Gibt es Mittel gegen die Ballung von Touristen an speziellen Orten?

Einen Tourismus wie in Luzern mit Fototermin bei der Kapellbrücke, Besuch beim Bucherer und Weiterfahrt mit dem Car, das wollen wir nicht. Da ist die Wertschöpfung sehr klein. Der Volkswirtschaft bringt das nichts. Wir wünschen uns keinen Massentourismus und sind auch weit davon entfernt.

Der Thurgau und beide Appenzell haben einem Ostschweizer Tourismusrat eine Abfuhr erteilt. Weshalb ist es derart schwierig, die Ostschweiz als Region zu vermarkten?

Der Thurgau hat nun doch Interesse signalisiert, beim Tourismusrat mitzutun. Auch er überprüft derzeit seine Tourismusstrukturen. Entscheidend ist eines: Der Gast soll künftig länger in der Ostschweiz verweilen. Ob er dies im Toggenburg oder am Bodensee tut, ist egal. Dieses Bewusstsein fehlt heute; es muss erst noch entwickelt werden. Der Gast kennt diese kantonalen Grenzen nicht.

Der Kanton verliert mit dem Tourismusrat an Einfluss auf die einzelnen Regionen.

Der Kanton setzt mit den Tourismusentwicklungskonzepten auch künftig die Leitplanken, innerhalb derer sich der Tourismus entwickeln soll. Der Tourismusrat entscheidet über die konkreten Projekte. Das ist gut so. Mit der neuen Leistungsvereinbarung erhalten die Destinationen mehr Kompetenzen, müssen aber auch mehr Verantwortung übernehmen.

Apropos Projekte: Um das vor zwei Jahren gross angekündigte Heidi-Erlebnisdorf auf dem Flumserberg ist es gespenstisch ruhig geworden.

Der Eindruck von aussen stimmt. Beim Heidi-Alperlebnis stand die Alpkorporation Mols als Investor im Raum: Da müssen sich nun alle Beteiligten neu aufstellen, nachdem sie Nein gesagt hat zur Investition. Mittlerweile wird eine Abgabe des Bodens im Baurecht diskutiert. Das Ganze ist kompliziert und benötigt Zeit für die weiteren Abklärungen.

Das Toggenburg hätte ein touristisches Projekt bitter nötig. Der Kanton hat aber keines in der Pipeline.

Die Regierung hat mit dem Klanghaus ein deutliches Zeichen gesetzt, dass wir zum Toggenburg stehen, dass wir die Region weiterentwickeln und das Klangthema noch mehr forcieren wollen. Hinter dem überarbeiteten Projekt können wir auch aus touristischer Sicht stehen; das erste hätte dem Tourismus nichts gebracht.

Weiterhin ungelöst ist der Bergbahnenstreit im Toggenburg. Bleibt der Kanton bei seiner Forderung, dass die beiden Unternehmen zusammenarbeiten müssen?

Wenn es kein gemeinsames Winterticket gibt, werden beide Bahnen Touristen verlieren. Meine Prognose ist: Die auswärtigen Touristen werden zum grossen Teil nicht mehr skifahren gehen, wenn sie zwei Tickets am gleichen Berg kaufen müssen. Auch die Einheimischen werden wohl nicht zwei Saisonkarten kaufen.

Sie halten noch immer an der Forderung des gemeinsamen Wintertickets fest?

Ja – nur das macht Sinn.

Diese Forderung des Kantons ist aber nicht rechtens. Die Wildhauser haben Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht.

Ob sie rechtens ist, wird sich zeigen. Der Entscheid des Gerichts steht noch aus.

Es gibt also keine Hoffnung für die Wildhauser, dass der Kanton die blockierten Gelder freigibt?

Nein. Solange die beiden Bahnen kein Zeichen setzen, dass sie zusammenarbeiten wollen, wird die Regierung hart bleiben.

Ein Berg – ein Unternehmen: Birgt dies nicht die Gefahr der Abhängigkeit von einer Person?

Wir haben nie von einer Fusion gesprochen. Ich verlange, dass die beiden Unternehmen zusammenarbeiten. Das ist ein Unterschied. Für die Touristen wäre die gemeinsame Vermarktung des Skigebiets deutlich attraktiver, als der heutige getrennte Auftritt.

Die Standortförderungskommission hat vor vier Jahren den Auftrag gegeben, die Tourismusstrukturen neu aufzugleisen. Was ist, wenn sie nun nicht zufrieden ist?

Ich bin überzeugt, dass wir mit den neuen Vorschlägen einen grossen Schritt in die richtige Richtung machen. Die Aufträge des Kantonsrates können erfüllt werden. Ich bin zuversichtlich, dass der Kantonsrat das Mehrjahresprogramm der Standortförderung für die Jahre 2019 bis 2022 genehmigen wird.

Gehen Sie am Wochenende an die GV der Bergbahnen Wildhaus AG? Dieses Jahr sind Sie eingeladen.

Ich bin zwar persönlich eingeladen, habe aber einen anderen Anlass und habe mich daher entschuldigt.

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