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Die Aufsicht ist grundlegend zu verändern

Behördenorganisation an Berufsschulen
Rolf Dubs

Offenbar besteht über die neue Gestaltung der Behördenorganisation für die Berufsfachschulen im Kanton St. Gallen noch keine Einigkeit. Deshalb wird in diesem Beitrag ein Modell zur Diskussion gestellt, das der neueren pädagogischen Forschung folgt. Es zeigt sich immer deutlicher, dass dezentrale Schulsysteme mit einer klaren rechtlichen Ordnung der Teilautonomie und Schulen mit einem eigenen Profil (das heisst, jede Schule hat ihren eigenen Charakter und unterscheidet sich von den anderen Schulen) zu besseren Schulen führen als Schulen in zentral geleiteten Systemen. Dezentrale Systeme lassen sich aber vor allem in Milizsystemen nur aufbauen, wenn es gelingt, die Behördenorganisation mit einer zielgerichteten Aufgaben- und Kompetenzordnung neu zu gestalten, um Konflikte in der Schulführung zu vermeiden und um die Wirksamkeit der Schulen zu verbessern.

Die langfristigen Ziele der Berufsfachschulen werden zusammen mit der Finanzierung mit einem grundlegenden, aber nicht kleinlichen Leistungsauftrag der Regierung vorgegeben (politisch-strategische Planung der Regierung). Die Berufsfachschulkommissionen einer jeden Schule, die beizubehalten sind, erarbeiten auf der Grundlage des Leistungsauftrages der Regierung zusammen mit der Schulleitung darauf aufbauend die Schulstrategie für drei Jahre (Erfahrungswert), mit einer jährlichen Anpassung, wenn nötig. Die Regierung genehmigt die Schulstrategie, auf welche die Finanzierung abgestimmt wird, indem die Schulen jährlich ein Globalbudget erhalten, also eine Gesamtsumme, innerhalb derer die Schule selbst Anpassungen vornehmen kann. Die Berufsfachschulkommission genehmigt das von der Schule entworfene Globalbudget. Im Weiteren wählt sie aufgrund eines von der Regierung genehmigten längerfristigen Personalplans die Schulleitung, die Lehrpersonen und weitere Personen mit Führungsaufgaben. Diese Wahlen werden von der Regierung genehmigt oder zur Neubearbeitung zurückgewiesen. Auf diese Weise werden die Wahlen weitgehend entpolitisiert. Gegenüber heute anders zu regeln sind jedoch die Schulbesuche sowie die Unterrichtsaufsicht und die Lehrerbeurteilung, die selbst für Fachleute sehr schwierig sind und eine lange Ausbildung voraussetzen, die Laienschulbehörden nicht zugemutet werden kann. Die Unterrichts- und Lehrerbeurteilung muss deshalb eine ausschliessliche Aufgabe der Schulleitung bleiben (in der Wirtschaft beurteilt auch nicht der Verwaltungsrat die Mitarbeitenden).

Trotzdem bleiben die Schulbesuche der Kommissionsmitglieder eine zentrale Aufgabe für den steten Gedankenaustausch mit den Lehrpersonen und für die Beobachtung des Geschehens in der Schule. Deshalb ist es wichtig, dass die Mitglieder der Berufsfachschulkommissionen verpflichtet sind, wahrgenommene Probleme der Lehrpersonen und Wünsche der Lehrerschaft und Sachverhalte aus dem Schulbetrieb der Schulleitung mitzuteilen, welche die nötigen Massnahmen zu ergreifen hat. Drängen sich aufgrund der Beobachtungen der Kommission grundsätzliche Änderungen auf, können sie bei der jährlichen Strategiebesprechung der Kommission eingebracht werden.

Grundlegend zu verändern ist die Aufsicht über die Schulen. Mehr Autonomie erfordert eine staatliche Aufsicht, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Aufsicht heisst aber nicht mehr ein dauerndes Einmischen und Reglementieren, sondern die Aufsicht ist als Controlling zu verstehen, das heisst, es ist zu überprüfen, ob die im Leistungsauftrag der Regierung und in der Schulstrategie vorgegebenen Ziele tatsächlich erreicht werden. Dazu kommt als neue Aufgabe die Überwachung des schuleigenen Qualitätsmanagements (Metaevaluation, das heisst, Überprüfung des von der Schule entwickelten Systems des Qualitätsmanagements, seiner Durchführung sowie die Beurteilung der getroffenen Massnahmen). Diese Controllingaufgabe ist einem fachlich ausgebildeten vollamtlichen Berufsschulinspektor, der dem Amt für Berufsbildung zugeordnet ist, zu übertragen. Dieser hat regelmässigen Kontakt mit den einzelnen Schulleitungs­personen und steht ihnen auch beratend zur Verfügung. Nicht mehr Unterrichtsbeobachtung und Lehrerbeurteilung sind Aufgabe des Inspektors, sondern die systematische zielorientierte Überwachung der Entwicklung der Schule und intensive Kontakte mit der Schulleitung. Natürlich müssen auch regelmässige Kontakte zwischen der Berufsfach­schulkommission und dem Berufsschulinspektor stattfinden.

Diese Ideen werden zu Widerspruch führen. Sie sind auf eine ganzheitliche Betrachtung und auf die Vorstellungen über eine grössere Autonomie der einzelnen Schulen ausgerichtet, und sie wollen gegen das häufige Flickwerk an bestehenden Organisationsformen wirken.

Rolf Dubs

Bildungsprofessor und ehemaliger Rektor der Universität St. Gallen

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