Die arbeitslose Nymphomanin im Alpstein

Silvan Lüchinger
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Geahnt haben wir es schon immer. Jetzt ist es umfraglich belegt: Die wahren Meister des Liebesspiels leben in der Ostschweiz. Nirgendwo im Land haben die Leute so oft Sex, so guten Sex und so innovativen Sex wie zwischen Ringelspitz und Bodensee. In den Betten und Wäldern des biederen Ostens werden Stellungen ausprobiert, neben denen sich das indische Kamasutra wie ein Lehrmittel für Anfänger ausnimmt. Freuen wir uns darüber, auch wenn die Umfrage eine kleine Unschärfe hat. Die Thurgauer Pferde wurden nicht befragt.

Wir haben es wieder für ein Jahr geschafft, das St. Galler Stadtfest. Auch heuer war es nicht ganz so gross wie die Zürcher Streetparade. Aber doppelt so lustig. Zu reden gaben die Betriebszeiten. Von Freitag auf Samstag war um eins, von Samstag auf Sonntag um zwei Polizeistunde. Auf Klagen, das sei schmörzelig, reagiert das OK mit Verständnis. Nächstes Jahr muss sich das Fest vor Anlässen in anderen Städten nicht mehr verstecken. Neun Stunden wird es dauern: von Samstagmorgen um acht bis nachmittags um fünf.

In Vaduz messen sich in einer Woche die angeblich weltbesten Drohnenpiloten. Überall dürfen sie ihre Wundermaschinen aber nicht fliegen lassen. Die fürstliche Regierung hat für das Gebiet Regierungsgebäude –Landtagsgebäude–Schloss Vaduz eine permanente Flugverbotszone erlassen. Es kann nicht sein, dass die da unten von oben sehen, was die da oben treiben.

25 Jahre dauerte es, bis ein Streit um Kiesabbau im Toggenburg entschieden war. Seine Niederlage hat den Wattwiler Kiesunternehmer Jacques Grob nicht zermürbt. Jetzt will er eine Grube erschliessen, aus der 140 Jahre lang Kies geschöpft werden könnte. Zwei Stunden dauerte es, bis sich die St. Galler SP entschieden hatte. Sie unterstützt in der anstehenden Stadtratswahl nicht den Kandidaten der eigenen Nachwuchspartei, sondern eine grünliberale Frau. Andri Bösch, so vor allem die Genossinnen, sei zu jung für das Amt. Zur Überbrückung könnte Bösch bei Grob als Projektleiter anheuern. Wenn in 50 Jahren über die Kiesgrube entschieden ist, erachtet ihn vielleicht auch die SP als alt genug für den Stadtrat.

Der sicher geglaubte Wahlsieg von Angela Merkel wackelt. Laut dem Satiremagazin «Titanic» ist eine Merkel-Tochter aufgetaucht. «Arbeitslos, drogenkrank, nymphoman», heisst es auf der Titelseite. Hartnäckig halten sich seither Gerüchte, Angela junior halte sich in der Schweiz auf. Konkret wollen Wanderer sie mehrfach im Alpstein gesehen haben. Bilder oder andere Beweise fehlen bislang. Die Sennen schweigen oder wiegeln ab: Eine hochdeutsch sprechende Nymphomanin habe in letzter Zeit leider nicht um Arbeit gefragt.

Fast elf Monate hat die Baubewilligungskommission von Walzenhausen gebrütet. Dann ist der Entscheid geschlüpft: Der «Sonneblick» kann nicht als Durchgangszentrum für Asylbewerber genutzt werden. Weil er ungenügend erschlossen sei und weil das Sicherheitskonzept nicht genüge. Nun, das Sicherheitskonzept haben die Ausserrhoder von den St. Gallern kopiert. Da kann man schon einmal eine föderalistische Duftmarke setzen und etwas Eigenständiges verlangen. Bei der mangelhaften Erschliessung allerdings wird es schwieriger. Früher wurde der «Sonneblick» als Ferienheim genutzt. Von mangelhafter Erschliessung war nie die Rede. Was Anderes als ein Ferienheim ist denn ein Asylzentrum?

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch