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Die Analyse zur Wahl 2019: So gut sind unsere Ostschweizer Politikerinnen und Politiker

Diese Ostschweizer Bundesparlamentarier wollen ihre Karriere in Bern fortsetzen. Eine Bewertung der Redaktion.
Ostschweiz-Redaktion

Thomas Ammann (CVP/SG)

Seriös und unspektakulär

Thomas Ammann, CVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Thomas Ammann, CVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Thomas Ammann (CVP/SG) hat seine Nische gefunden: Seit seiner Wahl in den Nationalrat 2015 profiliert er sich mit Verkehrsthemen. Egal, ob es um ein Ostschweizer Bahnprojekt oder um generelle Verbesserungen im öffentlichen Verkehr geht, Ammann ist zur Stelle. Von den Verkehrspolitikern links der Mitte unterscheidet sich der 55-Jährige markant: Ihm geht es vor allem um Effizienz und Leistungsfähigkeit, egal ob auf der Strasse oder auf den Schienen. Im Thurgau machte er sich unsterblich mit seinem Kampf für die Bodensee-Thurtalstrasse. Was die Popularität angeht, ist Ammann klare Nummer drei im St. Galler CVP-Nationalratstrio: Weder dem umtriebigen Olma-Direktor Nicolo Paganini noch dem einflussreichen Bauernpräsidenten Markus Ritter kann der unspektakulär-seriöse Rheintaler das Wasser reichen.

Nicolo Paganini (CVP/SG)

Debattierfreudiger Schnellstarter

Nicolo Paganini, CVP/SG. (Bild: Key/Alessandro della Valle)

Nicolo Paganini, CVP/SG. (Bild: Key/Alessandro della Valle)

Er ist ein klassischer Hansdampf in allen Gassen: Zuerst Gemeindepräsident und Grosser Rat im Thurgau, später Amtsleiter im Kanton St. Gallen, dann Abteilungsleiter bei der Kantonalbank. So richtig durchgestartet ist Nicolo Paganini (CVP/SG) nach seiner Wahl zum Olma-Direktor 2011. Das prestigeträchtige Amt öffnete ihm die Türen zum Bundeshaus, 2018 rutschte er für Jakob Büchler in den Nationalrat nach und schaffte es sofort, über die Parteigrenzen hinaus wahrgenommen zu werden. Der 53-Jährige sitzt zwar nur in der Sicherheitspolitischen Kommission, mischt sich aber gern auch in Debatten zur Berufslehre ein oder kümmert sich um Anliegen von Industrie und Gewerbe. Trotz klar bürgerlichem Profil versteht er es, auch nach links Brücken zu schlagen. Die Wiederwahl hat er aber noch nicht ganz auf sicher.

Roland Rino Büchel (SVP/SG)

Der Fifa-Experte aus dem Rheintal

Roland Rino Büchel, SVP/SG. (Bild: PD)

Roland Rino Büchel, SVP/SG. (Bild: PD)

Roland Rino Büchel (SVP/SG) tritt gern als Einzelkämpfer auf. Sobald es aber um die Positionen in den zentralen Debatten geht, ist der 53-jährige Rheintaler strammer Parteisoldat. Allerdings einer mit klar umrissenem Spezialgebiet: Wenn es um das Geschäftsgebaren der Fifa geht, besitzt Büchel aufgrund seiner internationalen Erfahrung als Sportmanager eine gewisse Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Eine solide Figur machte Büchel auch als Aussenpolitiker – in der laufenden Legislatur hatte er das Präsidium der Aussenpolitischen Kommission inne. 2010 rutschte er für Jasmin Hutter in den Nationalrat nach, 2015 erreichte er das viertbeste Resultat seiner Liste. Nach dem Rücktritt von Toni Brunner dürfte Büchel zu Lukas Reimann und Thomas Müller aufrücken und seinen Sitz halten können.

Edith Graf-Litscher (SP/TG)

Die einzige Thurgauer Linke in Bern

Edith Graf-Litscher, SP/TG. (Bild: Reto Martin)

Edith Graf-Litscher, SP/TG. (Bild: Reto Martin)

Sie hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich: Seit ihrer Wahl 2005 hat sich Edith Graf-Litscher (SP/TG) vom Mauerblümchen zu einer ernst zu nehmenden Verkehrs- und Medienpolitikerin gemausert, die immer wieder mit deutlichen Positionsbezügen auffällt – zuletzt mit pointierten Äusserungen zu den kriselnden SBB. Die umgängliche 55-Jährige ist nicht nur in der Fraktion gut ­verankert, sondern auch im Rat bestens vernetzt. Innerhalb der SP zählt die einzige Thurgauer Linke in Bern zu den gemässigten Stimmen; gemäss dem aktuellen Parlamentarierrating der NZZ stehen nur 7 von insgesamt 43 SP-Nationalräten weiter rechts als Graf-Litscher. Der Thurgauer SP-Sitz ist dank der Listenverbindung mit Grünen und Grünliberalen kaum in Gefahr. Damit ist auch Graf-Litschers Wiederwahl gesichert.

Claudia Friedl (SP/SG)

Ein bisschen fremd im Bundeshaus

Claudia Friedl, SP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Claudia Friedl, SP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Man hat bei ihr auch nach zwei Legislaturen immer noch den Eindruck, dass ihr das Bundeshaus ein bisschen fremd geblieben ist: Claudia Friedl (SP/SG) ist hinter der ambitionierten Barbara Gysi klar die Nummer zwei im St. Galler SP-Frauenduo in der grossen Kammer. 2013 rückte Friedl für Hildegard Fässler nach, das Format ihrer Vorgängerin erreichte Friedl indes nie. Der grosse Auftritt liegt ihr nicht, in harten Debatten lässt sie anderen gern den Vortritt. Die 59-jährige Umweltwissenschafterin ist eine unauffällige, solide Fleissarbeiterin, die aber wenig spürbar ist. Gut möglich, dass sie sich in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie wohler fühlen würde als in der Aussenpolitischen Kommission, in der sie aktuell sitzt. Als Bisherige dürfte sie die ­Wiederwahl dennoch relativ problemlos schaffen.

Markus Ritter (CVP/SG)

Einflussreicher Siegertyp

Markus Ritter, CVP/SG (Bild: Key/Anthony Anex)

Markus Ritter, CVP/SG (Bild: Key/Anthony Anex)

Er ist eine der prägendsten Figuren im Bundeshaus: Markus Ritter (CVP/SG), brillanter Netzwerker und Techniker der Macht, gehört zum kleinen Kreis der besonders einflussreichen Nationalräte. Als Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes hat der 52-Jährige die wohl stärkste und professionellste Lobbyorganisationen des Landes im Rücken. Im Parlament eilt Ritter von Erfolg zu Erfolg, er verliert so gut wie nie. Jetzt gerät er zwar durch die Trinkwasser-Initiative unter Druck. Der dossiersichere, redegewandte und taktisch mit allen Wassern gewaschene Rheintaler ist aber ein aussergewöhnlich harter Gegner. Ritter ist ein klassischer Branchenvertreter, ausserhalb der Landwirtschaftspolitik ist er kaum unterwegs. Für die CVP bleibt er aber ein sicherer Wert, seine Wiederwahl ist ­ungefährdet.

Barbara Keller-Inhelder (SVP/SG)

Schwer fassbare Hinterbänklerin

Barbara Keller-Inhelder, SVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Barbara Keller-Inhelder, SVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Vor vier Jahren wurde sie überraschend gewählt – und dann kam lange nichts mehr: Barbara Keller-Inhelder (SVP/SG) sitzt zwar immer brav im Rat, im Politbetrieb präsent ist sie aber kaum. Ihr erstes Votum liess bis September 2018 auf sich warten. Mit ihrem Kampf gegen die Kesb schaffte sie es kurzzeitig ins Rampenlicht, ansonsten bleibt sie schwer fassbar. Irritationen rief sie hervor, als sie ­verkündete, dass sie nichts vom Ratsbetrieb hält. Als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission müsste die 51-Jährige aus Rapperswil-Jona auf Sicherheitsthemen spezialisiert sein. Das merkt man aber selten. Eine Ausnahme war, als sie für die Aufstockung der Grenzwacht weibelte. Keller-Inhelder ist klar die unscheinbarste Vertreterin der St.Galler SVP-Delegation im Bundeshaus. Sie muss um ihre Wiederwahl zittern.

Andrea Caroni (FDP/AR)

Ungefährdet in die Kampfwahl

Andrea Caroni, FDP/AR. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Andrea Caroni, FDP/AR. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Er hat zu allem eine Meinung, oft auch eine pointierte. Und er scheut sich nicht, diese zu vertreten, auch wenn er damit aneckt: Andrea Caroni (FDP/AR) ist als Ständerat ungefährdet, obwohl er sich einer Kampfwahl stellen muss. Sein Herausforderer, der Herisauer SVP-Einwohnerrat Reto Sonderegger, dürfte chancenlos bleiben. Caroni ist sehr aktiv in der Parlamentsarbeit, bearbeitet querbeet diverse Themen, ist juristisch sattelfest. Und er spielt im Rat gern den Entertainer, was nicht immer nur gut ankommt. Seit 2011 im Bundeshaus, weiss der 39-Jährige mittlerweile, in welchem Moment er seine Ambitionen zurückstellen muss: Als ­Karin Keller-Sutter sich für ­ die Bundesratswahl in Position brachte, nahm sich Caroni als Kandidat aus dem Rennen und unterstützte Keller-Sutter medienwirksam.

Lukas Reimann (SVP/SG)

Querkopf und Hardliner

Lukas Reimann, SVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Lukas Reimann, SVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Lukas Reimann (SVP/SG), seit 2007 im Nationalrat, bleibt ein Aussenseiter. In der Parteihierarchie spielt er eine Nebenrolle, obwohl der 37-Jährige seit 2014 die einst bedeutende Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) präsidiert. Mit schrägen Themen wie Pokerspiele, Snus-Legalisierung oder Kaninchenhaltung schafft er es regelmässig in die Schlagzeilen. Der medial gewandte Wiler fällt immer wieder mit überraschenden Aktionen auf, etwa mit seiner Unterstützung für den Zürcher Rapper Besko, der wegen verschiedener Delikte nach ­Kosovo abgeschoben wurde. Im Kern ist Reimann aber ein Hardliner, der in der SVP am rechten Rand politisiert. Dies unterstreichen auch seine publizistischen Aktivitäten. Reimann schreibt regelmässig für die nationalkonservative «Schweizerzeit» von Ulrich Schlüer.

Mike ­Egger (SVP/SG)

Unverkrampfter Rechtsaussen

Mike Egger, SVP/SG. (Bild: Mareycke Frehner)

Mike Egger, SVP/SG. (Bild: Mareycke Frehner)

Er zählt zu den politischen Jungtalenten im Kanton: Mike ­Egger (SVP/SG) war erst 19-jährig, als er 2012 in den Kantonsrat ­gewählt wurde. Anfang Jahr rutschte er für Toni Brunner in den Nationalrat nach. Dort macht er weiter, wie er im Kantonsrat aufgehört hat – unverkrampft, umtriebig und sauber am rechten Rand positioniert. Im Kanton hat er sich mit seinem Kampf für das Verhüllungsverbot einen Namen gemacht, jetzt kümmert er sich intensiv um das Thema Schweiz-EU. Damit ist der 27-jährige Newcomer in der SVP-Bundeshausfraktion aber alles andere als allein. Neuerdings profiliert er sich auch als Krankenkassen-Kritiker – im Verbund mit SP-Ratskollegin Samira Marti. Unter dem Strich ist Eggers Wiederwahl gefährdet. Seine Position in Bern ist noch nicht gefestigt, zudem wackelt der fünfte Sitz der SVP.

Barbara Gysi (SP/SG)

Volksnaher als auch schon

Barbara Gysi, SP/SG. (Bild: Key/Peter Klaunzer)

Barbara Gysi, SP/SG. (Bild: Key/Peter Klaunzer)

Ambitioniert, ernsthaft, fleissig: Barbara Gysi (SP/SG) ist in Bern rasch die Karriereleiter ­hinaufgestiegen. 2011 für Paul Rechsteiner in den Nationalrat nachgerückt, war sie ein Jahr später Mitglied des nationalen Parteipräsidiums. Im Bundeshaus hat ihre Stimme Gewicht, wenn es um Sozial- und Gesundheitsthemen geht. In den letzten vier Jahren machte sie indes mit zwei (absehbaren) Niederlagen von sich reden. 2015 unterlag sie gegen Roger Nordmann im Kampf um den SP-Fraktionsvorsitz. Und letztes Jahr scheiterte die Wilerin bei der Wahl für das Gewerkschaftspräsidium gegen den Waadtländer Pierre-Yves Maillard. Die 55-Jährige tritt jovialer auf als auch schon, wirkt aber letztlich einen Tick zu verbissen, um weiter Karriere zu machen. In der grossen Kammer wird Gysi ein fester Wert bleiben, ihre Wahl ist ungefährdet.

Benedikt Würth (CVP/SG)

Staatsmännisches Mittelmass

Benedikt Würth, CVP/SG.(Bild: Michel Canonica)

Benedikt Würth, CVP/SG.
(Bild: Michel Canonica)

Er ist zwar noch kein halbes Jahr im Parlament, die Wiederwahl dürfte Benedikt Würth (CVP/SG) dennoch souverän schaffen. Das hat wesentlich mit seiner staatsmännischen Aura zu tun, die er trotz eher mittelmässigem Leistungsausweis ausstrahlt. Im Bundeshaus hat Würth bis jetzt – verständlicherweise – noch keine Pflöcke einschlagen können. Er ist erst seit Sommer Teil des Ständerats. Sein Doppelamt als Regierungsrat und Ständerat wird von der SVP stark kritisiert. Im Volk geniesst der 51-Jährige aber grossen Rückhalt, wie seine Wahlresultate zeigen. Würth ist der klassische Konsenspolitiker, spektakuläre Aktionen sind ihm fremd. Dass er schon als Bundesratskandidat gehandelt wurde, kommt deshalb nicht von ungefähr. Ob er im Stöckli zu den tonangebenden Figuren aufsteigen kann (und will), muss sich aber erst noch zeigen.

Thomas Müller (SVP/SG)

Randfigur und Netzwerker

Thomas Müller, SVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Thomas Müller, SVP/SG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Auch wenn seine Auftritte ­ ein anderes Bild vermitteln: ­Thomas Müller (SVP/SG), scheidender Stadtpräsident von Rorschach, ist im Nationalrat ein klassischer Hinterbänkler, der in entscheidenden Debatten nicht zu den Meinungsmachern gehört. Als Mitglied der Finanzkommission wacht er über die Staatskasse. In dieser Rolle tritt er aber selten an die Öffentlichkeit. Zuletzt fiel er dadurch auf, dass er sich gegen Paul Rechsteiners Forderungen nach einem Ausbau der Bahndoppelspur in Rorschach zur Wehr setzte. In diesem Disput zeigte Müller aber eine seiner Qualitäten: Als geschickter Netzwerker liess er sich in der Verhandlung mit Rechsteiner und dem Kanton Gegenleistungen zusichern. Müller sitzt seit 2006 im Nationalrat. Seine Wiederwahl ist ungefährdet. Es dürfte seine letzte Legislatur sein – im Wahljahr 2023 wird Müller 71.

Marcel Dobler (FDP/SG)

Mister Digital tritt auf der Stelle

Marcel Dobler, FDP/SG. (Bild: PD)

Marcel Dobler, FDP/SG. (Bild: PD)

Er hat bereits eine Bilderbuchkarriere hinter sich: Zuerst machte sich Marcel Dobler (FDP/SG) einen Namen als Digitec-Gründer, dann gelang ihm 2015 aus dem Stand der Sprung in den Nationalrat. Dort politisiert Dobler am rechten Flügel des Freisinns – und tritt auf der Stelle: Als «Mister Digitalisierung» hat sich der 38-Jährige zu einem Ein-Thema-Politiker entwickelt. Immerhin konnte er in diesem Bereich einige Akzente setzen, etwa bei der Cyber-Abwehr. Zudem hat er ein Gespür für drängende Themen, etwa mit der Lancierung eines digitalen Vorsorgeauftrags. Und wie kaum ein Politiker weiss er sich in den sozialen Netzwerken zu inszenieren. Jetzt will er SP-­Veteran Paul Rechsteiner aus dem Ständerat drängen. Dass ihm das gelingen wird, ist wenig realistisch. Seinen Nationalratssitz wird Dobler aber problemlos halten können.

Paul Rechsteiner (SP/SG)

Veteran und Galionsfigur

Paul Rechsteiner, SP/SG. (Bild: Key/Peter Klaunzer)

Paul Rechsteiner, SP/SG. (Bild: Key/Peter Klaunzer)

33 Jahre sitzt Paul Rechsteiner (SP/SG) im Parlament – länger als die jüngsten Parlamentarier alt sind. Grund genug, sich zurückzuziehen, sagen die einen. Kein Grund, sich zu verabschieden, sagen die anderen. Rechsteiner ist nicht nur Bundeshaus-Veteran, sondern eine ­geradezu kultisch verehrte Galionsfigur der Linken. Sein Nimbus als politisches Schwergewicht verstärkte sich, als es ihm 2011 gelang, der St.Galler CVP den Ständeratssitz abzujagen. Im Stöckli zeigte der 67-Jährige neue Qualitäten und schmie­dete mit Karin Keller-Sutter ­Kompromisse zugunsten der Ostschweiz. Als Ex-Gewerkschaftspräsident hatte er entscheidenden Einfluss, dass das Rahmenabkommen mit der EU bisher nicht dem Parlament vorgelegt wurde. Er wird von diversen Seiten bedrängt, dürfte aber die Wiederwahl im zweiten Wahlgang schaffen.

Hansjörg Brunner (FDP/TG)

Die Schnupperzeit ist zu Ende

Hansjörg Brunner, FDP/TG. (Bild: Andrea Stalder)

Hansjörg Brunner, FDP/TG. (Bild: Andrea Stalder)

Er kam zu seinem Nationalratssitz wie die Jungfrau zum Kinde: Hansjörg Brunner (FDP/TG) konnte Ende 2017 für seinen Vorgänger Hermann Hess nachrücken, der nach nur zwei Jahren in der grossen Kammer die Segel strich. Als Neuling ist Brunner in Bern bislang noch nicht aufgefallen. Doch nach zwei Jahren Einarbeitungszeit fühlt er sich nun bereit: «Jetzt kommt die Phase, wo man anfangen kann, etwas umzusetzen», gab er kürzlich zu Protokoll. Brunner gilt als Mann des Gewerbes. Der 52-jährige Druckereiunternehmer will sich in Bern für Bürokratieabbau, ein liberales Arbeitsgesetz und ausgeglichene Staatsfinanzen einsetzen. In einem Punkt unterscheidet er sich bereits deutlich von seinem Vorgänger: Während Hess sich in zwei Amtsjahren kein einziges Mal zu Wort meldete, stand Brunner bereits neunmal am Rednerpult.

Diana Gutjahr (SVP/TG)

Eine hartnäckige Newcomerin

Diana Gutjahr, SVP/TG. (Bild: Key/Anthony Anex)

Diana Gutjahr, SVP/TG. (Bild: Key/Anthony Anex)

Sie ist Unternehmerin mit Leib und Seele: Schon als sie vor zwei Jahren für Hansjörg Walter in den Nationalrat nachrückte, kündigte Diana Gutjahr (SVP/TG) an, sie werde sich vor allem für Anliegen des Gewerbes einsetzen. Die 35-Jährige hat Wort gehalten und eine Reihe von Vorstössen zu Wirtschaftsthemen lanciert. Sie weibelte für die Bodensee-Thurtal-Strasse und für eine Austragung der Schweizer Berufsmeisterschaften in der Ostschweiz. Mit ihren politischen Positionen liegt sie in der Mitte der SVP und trägt den Kurs der Partei meist mit. Nach erst einer halben Legislatur im Nationalrat gehört sie nach wie vor zu den Newcomern in der Fraktion, hat aber gezeigt, dass sie hartnäckig sein kann, wenn ihr ein Anliegen besonders wichtig ist. Sie dürfte die Wiederwahl schaffen. Vor vier Jahren hatte sie den Sprung nach Bern nur knapp verpasst.

Verena Herzog (SVP/TG)

Konservative Familienpolitikerin

Verena Herzog, SVP/TG. (Bild: Key/Gian Ehrenzeller)

Verena Herzog, SVP/TG. (Bild: Key/Gian Ehrenzeller)

Verena Herzog (SVP/TG) spricht, wie ihr der Schnabel gewachsen ist – das macht sie authentisch, aber auch anfällig für Fettnäpfchen. Vor kurzen provozierte sie mit einem Vergleich zwischen Kita- und Verdingkindern. Wenn es um Gesellschaftspolitik geht, politisiert die 63-Jährige im Nationalrat am rechten Rand: Herzog setzt sich für ein konservativ-traditionelles Familienmodell ein, sie kämpft gegen Abtreibungen, gegen die Drogenliberalisierung, gegen mehr Rechte für Homosexuelle. Auch die Fremdbetreuung ist ihr ein Dorn im Auge. Noch hat sie nicht ganz zwei Legislaturen hinter sich – Herzog rutschte 2013 für Peter Spuhler nach. Die Thurgauer SVP muss nach dem Rückzug von Markus Hausammann einen vakanten Sitz verteidigen. Für Herzog als Bisherige bedeutet das praktisch die sichere Wiederwahl.

Chri­stian Lohr (CVP/TG)

Panaschierkönig aus der Mitte

Christian Lohr, CVP/TG. (Bild: Reto Martin)

Christian Lohr, CVP/TG. (Bild: Reto Martin)

Er verkörpert die politische Mitte wie kaum ein anderer: Chri­stian Lohr (CVP/TG) bekundet deshalb häufig etwas Mühe mit dem rechtslastigen Kurs von Parteipräsident Gerhard Pfister. Der 57-Jährige ist im Bundeshaus allseits geschätzt, er kann es mit allen gut, spielt aber im Parlament eine Nebenrolle. Er ist Mitglied der Sozial- und ­Gesundheitskommission, eines seiner Kernthemen ist die Behindertenpolitik. Lohr kennt die Dossiers aus eigener Erfahrung: Er hat selber eine Contergan-­Behinderung und sitzt im Rollstuhl. Seit 2011 hat er den einzigen Thurgauer CVP-Sitz im Nationalrat inne, nachdem Brigitte Häberli in den Ständerat gewählt wurde. 2015 wurde Lohr Panaschierkönig: Kein anderer Thurgauer holte ausserhalb seiner Stammpartei so viele Stimmen. Alles andere als eine pro­blemlose Wiederwahl wäre eine faustdicke Überraschung.

Brigitte ­Häberli (CVP/TG)

Im Zenit ihrer Karriere

Brigitte Haeberli-Koller, CVP/TG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Brigitte Haeberli-Koller, CVP/TG. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Sie wurde einst als Hoffnungsträgerin der CVP-Fraktion gehandelt. Heute ist Brigitte ­Häberli (CVP/TG) eine solide Mittelfeld­spielerin im Zenit ihrer Karriere. In dieser Legislatur spielte die 61-Jährige vordergründig bei keinem Geschäft eine herausragende Rolle. Unterschätzt werden darf die Christdemokratin aber nicht. Als Mitglied mehrerer einflussreicher Kommissionen (Finanzen, Bildung, Gesundheit) sitzt sie an den entscheidenden Hebeln in Bern. Regionalpolitisch konnte sie einen Akzent setzen, als sie sich erfolgreich gegen ­ die Schliessung des Thurgauer Agroscope-Standorts zur Wehr setzte. Häberli wurde 2003 in den Nationalrat gewählt, 2011 gelang ihr der Sprung in den Ständerat. Nach dem Rücktritt von SVP-Ratskollege Roland Eberle tritt sie als einzige Bisherige für das Stöckli an. Ihre Wiederwahl ist unbestritten.

David Zuberbühler (SVP/AR)

Vom Angreifer zum Verteidiger

David Zuberbühler, SVP/AR. (Bild: Ivo Scholz)

David Zuberbühler, SVP/AR. (Bild: Ivo Scholz)

2015 holte er entgegen allen ­Erwartungen den einzigen Nationalratssitz des Kantons. Jetzt sind die Vorzeichen umgekehrt, David Zuberbühler (SVP/AR) steht unter Druck: Die FDP will sich den Sitz zurückholen. Und dem Freisinn traut man diesen Coup zu, zumal die Ausserrhoder SVP gerade eine schwierige Phase durchlebt: Bei den letzten Kantonsratswahlen hat die Partei fünf ihrer zwölf Sitze verloren. Zuberbühler ist zwar mit seiner bodenständigen Art im Volk beliebt. Unter der Bundeshauskuppel ist er aber ein ­unauffälliger Parteisoldat mit wenig Einfluss. In die Schlagzeilen schaffte er es bislang unter anderem mit einem chancen­losen Vorstoss für einen Vollkanton Appenzell Ausserrhoden – und für die Abschaffung des ­immer noch gebräuchlichen Teletext. Zuletzt hat er sich vom Apfelplakat seiner Partei distanziert. Ob es ihm helfen wird?

Daniel Fässler (CVP/AI)

Der Neuling im Stöckli

Daniel Fässler, CVP/AI. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Daniel Fässler, CVP/AI. (Bild: Key/Gaetan Bally)

Es war eine der politischen Überraschungen des vergangenen Jahres, als Daniel Fässler (CVP/AI) im November seinen Rücktritt als Landammann bekannt gab. Ein paar Wochen ­später kündigte Ständerat Ivo Bischofberger ebenfalls seinen Rücktritt an. Damit war klar: Wenn es an der Landsgemeinde mit rechten Dingen zugeht, wird Fässler Ständerat. Der 59-Jährige kennt das Bundeshaus bestens: Seit 2011 sitzt er im Nationalrat, er gilt als dossiersicher und strategisch geschickt. Kurzzeitig wurde er als möglicher Kandidat für die Nachfolge von Doris Leuthard gehandelt. Bei der Verteilung der Kommissionssitze liessen ihn die altgedienten CVP-Kämpen indes spüren, dass er im Stöckli wieder hinten anstehen muss. Weil Innerrhoden den Ständerat an der Landsgemeinde wählt, kann Fässler die Wahlen am 20. Oktober entspannt mitverfolgen.

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