Die alternative Olma-Eröffnung

ST. GALLEN. Mangels Einladung zum offiziellen Festakt treffen sich nicht mehr ganz taufrische Ostschweizer VIPs und Honoratioren zum inoffiziellen und nicht ganz ernst gemeinten «Olma-Vatertag».

Odilia Hiller
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Das «Schattenkabinett der Olma» tagt: Der inoffizielle Eröffnungsakt ehemaliger Olma-VIPs mit Umtrunk im St. Galler Feuerwehrdepot. (Bild: Hannes Thalmann)

Das «Schattenkabinett der Olma» tagt: Der inoffizielle Eröffnungsakt ehemaliger Olma-VIPs mit Umtrunk im St. Galler Feuerwehrdepot. (Bild: Hannes Thalmann)

Viele Pensionierte ereilt das gleiche, traurige Schicksal: Kaum entfernen sie sich aus ihrem wichtigen Amt in den Ruhestand, dezimieren sich auch schon die Einladungen zu Festakten aller Gattung. Dabei wäre doch nun endlich Zeit für diesen Stehapéro und jenen Umtrunk – oder so erfreuliche Anlässe wie die Olma-Eröffnung im Stadttheater. Bleiben jedoch die Einladungen aus, droht nicht selten der grosse Frust.

Keine Konkurrenz

Dieser potenziellen Sinnkrise will der Olma-Vatertag vorbeugen, der vor «ungefähr zwölf Jahren» von einigen ehemaligen Olma-VIPs ins Leben gerufen wurde. Genauer weiss das am Donnerstagmorgen nicht einmal mehr Kurt Kern, der Vater des Vatertages und ehemaliger Vizepräsident des Verkehrsvereins. «Ich interessiere mich nur für die Gegenwart», sagt Kern nach Frühschoppen im Restaurant Papagei und Apéro im Feuerwehrdepot an der Notkerstrasse, wo der Anlass in diesem Jahr stattfindet. Christian Isler, Leiter der Berufsfeuerwehr, hat Gastrecht gewährt und auch gleich den Wein gesponsert. Mit der unmittelbaren Gegenwart sind in diesem Fall rund 50 ältere Herren von Rang und Namen gemeint, in Minne vereint, die Olma auch ohne besagte Einladung in Würde zu begiessen – ganz ohne Konkurrenzgedanken, wie Kern sagt.

Als «vermutlich Ältester» bezeichnet sich der 85jährige alt Grossratspräsident der SP, Josef Dahinden, und witzelt gutgelaunt: «Hören Sie, in meinem Alter muss ich keine Interviews mehr geben».

Stimmung und Verbundenheit

Dahinden war es, der anno dazumal dem ehemaligen Regierungs- und Ständerat Paul Gemperli im Kantonsparlament den Eid abnahm. Gemperli wiederum kommt direkt vom offiziellen Festakt ins Feuerwehrdepot und erzählt zeitlich nur leicht verschoben von der unterhaltsamen Rede des Waadtländer Regierungsrates Jean-Claude Mermoud.

Auch die Fasnächtler sind prominent vertreten: Peter Stössel, Ehrenfödlebürger-Kanzler und CSIO-Präsident, kommt ebenso nach der offiziellen Feier vorbei wie Ehrenfödlebürger Heinz Müller. An einem richtigen Olma-Donnerstag brauche es eben beides: den Festakt und den Vatertag – wegen der guten Stimmung und der Verbundenheit der Anwesenden untereinander, sagt Stössel und findet gleich selbst: «Habe ich das jetzt nicht schön gesagt?»

Dem «Schattenkabinett der Olma», das Kern in seiner kurzen Begrüssungsansprache willkommen heisst, gehören auch St. Galler Grössen wie Oskar Fritschi, alt Theaterdirektor, Toni Gähwiler, ehemaliger Kantonalpräsident der Gastro St. Gallen, oder Gastro-«Legende» Herbert Hofer an. Frauen gehören keine zum engeren Kreis, auch wenn es heisst, Regierungsrätin Karin Keller-Sutter habe in anderen Jahren auch schon vorbeigeschaut. Nach dem Apéro im Feuerwehrdepot steht der nächste Treffpunkt für die Olma-Väter bereits fest: um 16 Uhr geht es zum Schlummerbecher in die Halle 4.

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