Die AFG wohnt zu gross, zu teuer

Die unternehmerischen Probleme der AFG Arbonia-Forster-Gruppe veranlassen den Bauzulieferer auch, seine Kostenstrukturen zu überdenken. Darunter fällt auch das stattliche Corporate Center.

Thomas Griesser Kym
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Die unternehmerischen Probleme der AFG Arbonia-Forster-Gruppe veranlassen den Bauzulieferer auch, seine Kostenstrukturen zu überdenken. Darunter fällt auch das stattliche Corporate Center. Anfang 2008 hatte der damalige AFG-Patron das neue Hauptquartier in Arbon eingeweiht, als «Gesicht unseres Unternehmens». Ein Wasserspiel vor der Glasfassade erquickte die Sinne, und nachts erstrahlte der Bau in Blau. 40 Millionen Franken hatte sich Oehler das Corporate Center kosten lassen, Kritiker warfen ihm Geldverschwendung vor.

Verhandlung über den Mietvertrag

2011 gab Oehler einen Grossteil seiner Macht ab, und der Bau lag nachts im Dunkeln. Ende August 2012 verkaufte die AFG dann das Corporate Center an einen Immobilienfonds der Credit Suisse (CS) und mietete es umgehend zurück. Damit sparte die AFG laut eigenen Angaben eine Million Franken pro Jahr. Diese freiwerdenden Mittel wollte man für Investitionen und Akquisitionen einsetzen, um das industrielle Kerngeschäft auszubauen.

Doch statt gewachsen ist die AFG kontinuierlich geschrumpft und operiert tief in der Verlustzone. «Wir sind nur noch ein grösseres KMU», sagt AFG-Sprecherin Fabienne Zürcher-Rohner: «Das Corporate Center ist zu gross für uns.» Und noch immer zu teuer. Deshalb verhandelt die Firma mit dem CS-Immobilienfonds über den Mietvertrag, wie Zürcher-Rohner einen Artikel der «Sonntags-Zeitung» bestätigt. Dieser Vertrag läuft noch zwölf Jahre und umfasst das gesamte Gebäude mit 250 Tiefgaragenplätzen und einer Nutzfläche von 9000 Quadratmetern, was ungefähr anderthalb Fussballfeldern entspricht.

Der Platzbedarf nimmt weiter ab

Laut Zürcher-Rohner arbeitet die AFG darauf hin, entweder aus dem Mietvertrag früher aussteigen zu können. Anschliessend würde man nur noch einen Teil des Gebäudes mieten, und für die Vermietung der übrigen Räumlichkeiten müsste der CS-Fonds besorgt sein. Eine andere Variante wäre es, eine Reduktion des Mietzinses zu erreichen. Dann wäre die AFG weiterhin Mieterin des ganzen Gebäudes und könnte probieren, freie Flächen auf eigene Faust zu vermieten. Denn der Bedarf der AFG nimmt laufend ab. Momentan arbeiten im Corporate Center noch 150 Angestellte, davon die eine Hälfte im AFG-Management und die andere Hälfte im Einkauf, Verkauf, in der Entwicklung usw. der AFG-Firmen Arbonia, Forster und Prolux. Vorgesehen ist jedoch, die Managementabteilung auf 15 Köpfe zu reduzieren.

Ausbau in oder Rückzug aus China

Eine weitere Baustelle ist China. Dort unterhält die AFG Verkaufsstellen für Fenster, Türen, Heizkörper, Profile usw. Laut Zürcher-Rohner wird diese Organisation zusammen mit den Divisionsleitern überprüft. «Entweder bauen wir den Verkauf in China aus, oder wir ziehen uns von dort zurück», sagt die AFG-Sprecherin. Erhalten bleiben solle aber die Produktion von Forster-Profilsystemen in China.