Serie

Die Adventskalender-Geschichte (8/24): Mit einer Portion Italianità: Dieses St.Galler Vater-Tochter-Duo verkauft gemeinsam «heissi Marroni»

In der Adventszeit blickt täglich ein Mitglied unserer Redaktion auf eine spezielle Geschichte oder eine Begegnung im Beruf zurück. Heute geht es um ein Vater-Tochter-Duo mit italienischen Wurzeln. Es röstet am St.Galler Hauptbahnhof Marroni – und wohnt nach einem Schicksalsschlag auch zusammen.

Rossella Blattmann
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Astrid Mascetti und ihr Vater Ugo verkaufen auch dieses Jahr am St.Galler Hauptbahnhof Marroni. Die beiden teilen sich nicht nur den Beruf.

Astrid Mascetti und ihr Vater Ugo verkaufen auch dieses Jahr am St.Galler Hauptbahnhof Marroni. Die beiden teilen sich nicht nur den Beruf.

Bild: Lisa Jenny

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses bekannte Sprichwort meint, dass ein Kind Eigenschaften und Verhaltensweisen der Eltern übernimmt. In einer losen Serie hat die «Tagblatt»-Stadtredaktion über das ganze Jahr hinweg Familien porträtiert, in denen ein Kind dasselbe macht wie die Mutter oder der Vater – beruflich, politisch, gesellschaftlich, sportlich oder künstlerisch.

Diesen Herbst kam während einer Sitzung die Idee auf, man könnte für die Apfel-Stamm-Serie doch etwas über Ugo Mascetti, den Marronibrätler, und seine Kinder machen. Die Mascettis sind mit verschiedenen Imbissständen schon seit Jahren in St.Gallen präsent. Zum Beispiel mit der «Risotteria» oder dem Café Rondo in der Rondelle am Bohl, aber auch mit einem Raclettestand am Herbstjahrmarkt während der Olma. Ich musste nicht lange zögern. Ich habe selber italienische Wurzeln, und Marroni, Raclette und Risotto mag ich ohnehin.  

Rossella Blattmann, Redaktorin Online.

Rossella Blattmann, Redaktorin Online.

Bild: Reto Martin

Ob daraus etwas wird? Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf, als ich erstmals mit Astrid Mascetti telefonierte, um ein paar Tage vor dem Start der Marronisaison ein Treffen mit ihr und ihrem Vater zu vereinbaren. Sie schien mir nicht gerade begeistert. Doch zu meiner Erleichterung kam das Treffen schliesslich zustande. 

Ich traf Astrid und Ugo Mascetti an einem nasskalten Septembervormittag in einem kleinen, aber feinen Lokal an der Heiligkreuzstrasse in St.Gallen. Als ich zur Türe hereinkam, rührten die beiden im sonst noch leeren Restaurant bereits in ihren Espressi und lasen die Zeitung. 

Ugo und Astrid Mascetti haben eine besondere Beziehung. Eine, wie man sie heute in der Schweiz nur noch selten findet. Nach dem Tod ihrer Mutter Nelly Mascetti-Lucchi vor fünf Jahren ist die heute 61-jährige Astrid Mascetti mit ihrem 84-jährigen Vater zusammengezogen. So, wie sie es ihrer Mutter vor deren Ableben versprochen hatte. Auch wenn die beiden sich manchmal bei der Wahl des Fernsehprogramms in die Haare geraten, scheint das Zusammenleben gut zu funktionieren. 

Ugo Mascetti ist seit 60 Jahren Marronimann, seit 43 Jahren brät er die braunen Herbstfrüchte am St.Galler Hauptbahnhof.

Ugo Mascetti ist seit 60 Jahren Marronimann, seit 43 Jahren brät er die braunen Herbstfrüchte am St.Galler Hauptbahnhof.

Bild: Lisa Jenny

Raclette, Marroni und Risotto. Aber auch Glacé, Hamburger und Smoothies: Die Mascettis haben in St.Gallen schon verschiedene Imbiss-Konzepte ausprobiert, manche erfolgreicher als andere. Den ganzen Tag auf den Beinen, immer wieder etwas Neues ausprobieren: Das Imbiss-Geschäft geht an die Nieren. Sowohl Ugo als auch Astrid Mascetti kämpfen mit gesundheitlichen Problemen. Trotz einer unsicheren Zukunft wollen die beiden weitermachen. Wie lange, ist noch offen.

Das Porträt über Ugo und Astrid Mascetti zum Nachlesen:
Alle bisherigen Beiträge aus der Adventsserie: