Serie

Die Adventskalender-Geschichte (6/24): Fünf K-Pop-Stars und ein Shitstorm

In der Adventszeit blickt täglich ein Mitglied unserer Redaktion auf eine spezielle Geschichte oder eine Begegnung im Beruf zurück. Heute geht es um die K-Pop-Band Red Velvet, ihren Besuch in der Stadt St.Gallen – und wie der Autor ihre Fans verärgert hat.

Luca Ghiselli
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Die  K-Pop-Band Red Velvet posiert auf dem Klosterplatz.

Die K-Pop-Band Red Velvet posiert auf dem Klosterplatz.

Bild: Benjamin Manser

Sie heissen Irene, Seulgi, Joy, Wendy und Yeri. Sie singen Songs mit vielsagenden Titeln wie «Umpah Umpah», «Zimzalabim» oder «Peek-A-Boo». Und sie sind in ihrer Heimat Megastars. Das ist etwa alles, was ich über die K-Pop-Girlband Red Velvet weiss, als wir erfahren, dass die Koreanerinnen auf Einladung von Schweiz Tourismus Mitte September nach St.Gallen kommen sollten. Sie würden einen Clip für ein Musikvideo drehen, wurde angekündigt. Und wir wollen beim Dreh unbedingt dabei sein.

Luca Ghiselli, Redaktor.

Luca Ghiselli, Redaktor.

Bild: Hanspeter Schiess

Morgens um 8 Uhr ist die Stiftsbibliothek noch geschlossen. Fotograf Benjamin Manser, Video-Journalist Raphael Rohner und ich sind trotzdem schon da. Und wir sind allein. Das Eintreffen von Red Velvet verzögert sich. Macht nichts, denken wir uns, und plaudern mit Stiftsbibliothekar Cornel Dora. Er soll die koreanische Delegation durch das Unesco-Weltkulturerbe führen. Der Tross lässt nicht allzu lange auf sich warten: Kameraleute, Manager, Visagistinnen, persönliche Assistenten. Wohl über 20 Personen begleiten die Musikerinnen.

Von der Stiftsbibliothek geht's zum Fotoshooting auf den Klosterplatz, weiter zur Chocolaterie und zum Roten Platz. Eine Freundin schreibt als Antwort auf meine Instagram-Story: «Was?! Red Velvet sind in der Stadt?!» Ganz unbekannt sind die fünf Frauen hier also doch nicht. Bei den Passantinnen und Passanten erregen die aufwendigen Dreharbeiten jedenfalls nur wenig Aufmerksamkeit.

Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
45 Bilder
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)
Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Red Velvet zu Besuch in St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Wenig später ist das Video-Interview im Kasten, die Bilder auch. Wir haben genug gesehen. Einen Musikclip gibt's nicht, dafür jede Menge Promo-Material für Schweiz Tourismus. Red Velvet ziehen weiter, zum Zmittag ins Restaurant Dreilinden. Und wir auch, zurück in die Redaktion.

Bevor ich zu schreiben beginne, setzen wir einen Tweet ab, um die K-Pop-Community «gluschtig» auf den Artikel zu machen. 

Innert Kürze schnellen die Like-Zahlen in die Höhe. Kommentare aus aller Welt, Mentions, Retweets. Über 100'000 Impressionen hat der Tweet wenige Stunden später, über 10'000 Mal interagieren die User damit. Die K-Pop-Bewegung hat das «Tagblatt» entdeckt.

Ich schreibe den Text, übersetze ihn auf Englisch, damit die Red-Velvet-Fans verstehen, worum es geht. Und poste das Resultat gegen Abend noch einmal auf Twitter. Wieder geht der Tweet durch die sprichwörtliche Decke.

Doch diesmal sammeln sich Hasskommentare. Die wenigen englischen Kommentare sind nicht gerade schmeichelhaft. Keine Ahnung hätte ich, steht da. «Der schlechteste Reporter aller Zeiten». «Gebt mir seinen Namen!» Was in den koreanischen Tweets steht, will ich gar nicht wissen. Was habe ich verbrochen? Ganz einfach: Ich habe es gewagt, den Namen einer anderen K-Pop-Band, BTS, im Video-Interview zu nennen. Die Fans schreiben: 

«Wie kann er es wagen, BTS vor meinen Königinnen zu erwähnen?»

Die grosse Mehrheit der Kommentare ist in koreanischer Sprache verfasst. Die Google-Übersetzung schenke ich mir. Ich ahne schliesslich, was dort steht. Da begreife ich: Das ist mein erster richtiger Shitstorm – und ich bin froh, dass ich nicht alles verstehe.

Der Besuch von Red Velvet zum Nachlesen:

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