Serie

Die Adventskalender-Geschichte (3/24): Der Marsianer aus der Ostschweiz und seine Familie

In der Adventszeit blickt täglich ein Mitglied unserer Redaktion auf eine spezielle Geschichte oder eine Begegnung im Beruf zurück. Heute geht es um einen Mann, der auf den Mars will. Obwohl er eine Frau und zwei kleine Töchter hat – und sein Traum längst geplatzt ist.

Katharina Brenner
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Steve Schild, seine Frau Corinna und die Töchter Elvira und Yanika (im Tuch).

Steve Schild, seine Frau Corinna und die Töchter Elvira und Yanika (im Tuch).

Bild: Urs Bucher

Die Firma, die ihn auf den Mars schicken will, ist pleite. Aber er will trotzdem hin. Und er hat ein neues Buch geschrieben. Fahr da mal hin! Das war der Auftrag der Redaktion. Und ich sofort dabei. Weil ich wissen wollte, was Steve Schild antreibt. Diesen Mann, der auf den Mars möchte. Und wie er damit umgeht, dass sein grosser Traum geplatzt ist. 

Katharina Brenner, Redaktorin Ostschweiz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Brenner, Redaktorin Ostschweiz (Bild: Urs Bucher)

Ich fuhr also hin. Nach Elgg, wo Steve Schild, der gebürtige Ostschweizer, mit seiner Frau Corinna und den beiden Töchtern Elvira und Yanika lebt. Sie waren sofort bereit gewesen, mich zu treffen. Mehrere Stunden verbrachte ich bei ihnen, sie erzählten mir von ihrer Beziehung, ihrer Erziehung, ihren Berufen, ihrer Hochzeit, ihren Kindern. Und Steve Schild sprach über die düstere Zukunft unseres Planeten und seine auf dem roten.

Sich innerhalb weniger Stunden ein genaues Bild von einem Menschen zu machen, ist unmöglich, mindestens anmassend. Aber es ist Teil dieses Berufs und etwas vom Schönsten daran. Wenn schon kein exaktes Bild, so entsteht bei einer Begegnung doch immer ein Gespür dafür, warum eine Person macht, was sie macht. Bei Steve Schild war das anders. Seine Motivation hat sich mir bei unserem Gespräch, in den Tagen danach und auch beim Schreiben nicht ganz erschlossen. Hat er sich in eine Idee verrannt, an der er festhält, auch wenn alles dagegen spricht? Oder hat er als Marsianer eine Marke von sich geschaffen, die er nicht mehr aufgeben möchte, auch wenn er längst weiss, dass aus der Reise zum Mars nichts wird? Wahrscheinlich blieb am Ende doch ein Eindruck: dass der Traum von Aufmerksamkeit der grösste ist.

Apropos Aufmerksamkeit: «Brenner ist im Ofen!», hiess es in der Redaktion, nachdem der Text erschienen war. Weil sich auf dem Foto mein Gesicht in der Ofenscheibe spiegelt. Zum Glück sieht es so aus, als würde ich ganz aufmerksam in meinen Notizen blättern...   

Das Porträt über Steve Schild zum Nachlesen:
Alle bisherigen Beiträge aus der Adventsserie: