Die 7000er treten wieder an

CVP-Kandidatin Patrizia Adam und der parteilose Markus Buschor wollen weiterhin in den Stadtrat, Ruedi Blumer und Sylvia Huber von der SP ebenso. Noch unschlüssig waren gestern die abgeschlagenen Kandidaten von SVP und UVP.

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Die CVP hat als erste entschieden: Sie schickt erwartungsgemäss Patrizia Adam-Allenspach – hier im Bild mit Parteikollege und Stadtpartei-Präsident Martin Würmli – in den zweiten Wahlgang. (Bild: Michel Canonica)

Die CVP hat als erste entschieden: Sie schickt erwartungsgemäss Patrizia Adam-Allenspach – hier im Bild mit Parteikollege und Stadtpartei-Präsident Martin Würmli – in den zweiten Wahlgang. (Bild: Michel Canonica)

Langsam klärt sich die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang der St. Galler Stadtratswahlen. Bis Donnerstag, 17 Uhr, müssen die Wahlvorschläge bei der Stadtkanzlei eingetroffen sein. Erwartungsgemäss hat die CVP als erste entschieden, wen sie am 25. November in den Kampf um einen der zwei noch vakanten Sitze in der Stadtregierung schicken will: Es ist dies, aufgrund ihres Wahlresultats wenig überraschend, Patrizia Adam-Allenspach, die am Sonntag von den Nichtgewählten am meisten Stimmen geholt hat.

Die Juristin und Treuhänderin hatte ihren engsten Verfolger, den Gossauer Schulleiter Ruedi Blumer von der SP um rund 500 Stimmen distanziert, das absolute Mehr aber doch deutlich verpasst (9318/7791). Bereits am Sonntagabend habe die Parteileitung grünes Licht für die neuerliche Kandidatur Adams gegeben, schreibt die CVP in einem gestern versandten Communiqué. Patrizia Adams Resultat zeige, dass sie über eine Unterstützung «weit über die Parteigrenzen hinaus» verfüge. Was, unabhängig von den Kandidaturen der anderen Parteien, eine «gute Ausgangslage zur Verteidigung des zweiten CVP-Sitzes» sei.

Huber postet auf Facebook

Auch die SP liess sich gestern bereits in die Karten schauen. Wenn auch nicht ganz programmgemäss. So hatte Sylvia Huber am Vormittag auf ihrem Facebook-Profil verkündet, dass sie sich auf den zweiten Wahlgang freue. Stadtpartei-Präsidentin Bettina Surber bestätigte die Ambitionen auf Anfrage. Allerdings gelte es noch die Hürden von Parteivorstand (gestern abend) und Mitgliederversammlung (morgen abend) zu meistern.

Die SP-Präsidentin liess zudem durchblicken, dass nicht allein Sylvia Huber, sondern wiederum das bewährte Zweier-Ticket Huber/Blumer gesetzt sei. Nach den Sitzgewinnen von SP und Grünen im Stadtparlament sei der Anspruch auf zwei Sitze «jetzt erst recht» ausgewiesen, wiederholte Bettina Surber ihre Botschaft vom Wahlsonntag. Die Stimmung in der SP sei überdies «ausgezeichnet». Motivationsprobleme für den zweiten Wahlgang seien weder bei den Kandidaten noch der Parteibasis zu verspüren.

Buschor mit einem Vierzeiler

Fehlt noch Markus Buschor, der vierte im Bunde mit über 7000 Wählerstimmen. Er liegt deren 700 hinter Patrizia Adam und damit gut im Rennen. Ursprünglich hatte sich der parteilose Architekt zwei Nächte für seinen Entscheid ausbedungen, am späteren gestrigen Nachmittag liess er in einem Vierzeiler im Twitter-Style dann aber verlauten: 7065 St. Gallerinnen und St. Galler hätten ihm ihre Stimme gegeben, was ihm «Verpflichtung» sei. Er werde am zweiten Wahlgang erneut teilnehmen.

SVP informiert heute morgen

Weniger pathetisch klingt am ersten Tag nach der Wahlniederlage Markus Straub von der SVP. Er war über 4000 Stimmen unter dem absoluten Mehr geblieben und hatte fast 3000 Stimmen weniger als Patrizia Adam erzielt. Etwas Ablenkung findet der Kantonsrat und Präsident der Finanzkommission derzeit an der Septembersession des Kantonsparlaments. Relativ kurz angebunden verweist er – auf seinen Entscheid zur allfälligen Teilnahme am zweiten Wahlgang angesprochen – auf eine Medienkonferenz von heute morgen. Konkretes, ausser seine Enttäuschung über die bürgerlichen Koalitionspartner, mag er nicht preisgeben. Er prophezeit der Stadt nach diesem Wahlsonntag aber «keine rosigen Aussichten» mehr. Und es gebe einem schon zu denken, wie wenig Wertschätzung einem eine Stadt entgegenbringe, für die man sich sein ganzes politisches Leben lang eingesetzt habe.

Hostettler bedauert Linksrutsch

Gelassen schliesslich wirkt Christian Hostettler (UVP), der gar noch einmal rund 4000 Stimmen hinter Straub liegt. Gut geschlafen habe er allemal: «Ich hatte als einziger ja nichts zu verlieren.» Aber auch er hadert mit dem Linksrutsch im Parlament: «Wenn ich mir ausmale, was jetzt auf die Stadt zukommt, müsste ich noch einmal antreten.» Der Ex-SVP-Politiker will sich eine Kandidatur bis morgen Mittwochabend überlegt haben – «unabhängig davon, was die SVP macht», wie er betont.