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Diabetes wegen Übergewicht und Bewegungsmangel: «Katzen sind heute meist Stubentiger»

Übergewicht und Bewegungsmangel sind nicht nur für Menschen schädlich, sondern auch für Katzen. Deshalb werden immer mehr Katzen mit Diabetes registriert – besonders kastrierte Kater sind gefährdet. Nicht allen muss jedoch lebenslang Insulin gespritzt werden.
Maria Kobler-Wyer
Tierarzt Martin Hofstetter mit Abu, der als kastrierter Kater zur diabetesgefährdeten Gruppe gehört, aber glücklicherweise gesund ist. (Bild: Hanspeter Schiess)

Tierarzt Martin Hofstetter mit Abu, der als kastrierter Kater zur diabetesgefährdeten Gruppe gehört, aber glücklicherweise gesund ist. (Bild: Hanspeter Schiess)

Besitzer von Haustieren beobachten heutzutage ihre Tiere besser als früher, kümmern sich mehr um sie und haben einen höheren Anspruch. „Dem Tier soll es gut gehen“, sagt Martin Hofstetter, Tierarzt in der Kleintier-Spezialisten-Klinik ARC in Herisau. Krankheiten wie Diabetes werden daher früher erkannt – und folglich auch häufiger behandelt. Insgesamt sind laut Hofstetter 0,5 Prozent der Katzen von Diabetes betroffen.

Geändert hat sich auch der Status der Katzen. „Früher lebten Katzen im Freien, heute sind sie meist Stubentiger“, sagt Martin Hofstetter.

„Übergewicht ist der Hauptfaktor für Diabeteserkrankungen bei Katzen.“

Auch Bewegungsmangel spielt eine Rolle. Besonders gefährdet sind kastrierte Kater.

Lebenserwartung bleibt gleich hoch

„Wenn eine Katze überall trinkt, mehr uriniert als sonst und Heisshunger hat, jedoch nicht zunimmt oder sogar Gewicht verliert, deutet das auf Diabetes hin“, sagt Martin Hofstetter. Bei Verdacht auf Diabetes misst der Tierarzt den Blut- und Urinzucker und führt einen Ultraschall durch, um eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auszuschliessen. Am häufigsten tritt die Krankheit bei Tieren im Alter zwischen sechs und acht Jahren auf. „Die Lebenserwartung bleibt gleich hoch wie bei gesunden Katzen, also bei 14 bis 18 Jahren“, sagt Hofstetter.

Kater Abu ist 14 Jahre alt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Kater Abu ist 14 Jahre alt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Zuckerkranke Tiere werden mit Insulin behandelt. „Ein beträchtlicher Teil der Katzen, etwa 30 bis 50 Prozent, ist nach einer gewissen Zeit wieder geheilt“, sagt Martin Hofstetter. Der andere Teil der betroffenen Tiere bekommt ein Leben lang Insulin gespritzt. „Der Besitzer muss seiner Katze zweimal am Tag Insulin spritzen“, sagt der Herisauer. „Die Katzen merken bald einmal selber, wenn es Zeit ist für die Spritze.“ Der 43-jährige Tierarzt rät, das Insulin im Bereich des Schulterblatts zu spritzen. „Die Nadel ist sehr fein, das Tier spürt sie kaum.“

Spezialfutter mit viel Eiweiss

Neben dem Insulin ist Spezialfutter empfehlenswert. „Das Futter darf die Bauchspeicheldrüse nicht belasten, sollte rohfaserreich sein, wenig Zuckerringe und Fett, dafür viel Eiweiss enthalten. Bei Katzen, die sich oft im Freien aufhalten, kann kaum überprüft werden, was sie zu sich nehmen. „Das ist kein Problem, wenn sie nicht das Futter anderer Katzen wegfressen“, sagt Martin Hofstetter.

„Katzen sind dafür gemacht, Mäuse und Vögel zu fressen.“

Katzen fressen jeweils die ganze Maus oder den ganzen Vogel. „Sie nehmen so Gras und Körner zu sich und damit auch Zucker“, sagt der Herisauer Tierarzt. „Zucker brauchen sie auch, aber keinen kristallinen.“ Daheim kann das Tier wieder nach Diätplan gefüttert werden. „Bei Allergien ist die Ernährung allerdings wesentlicher als bei Diabetes“, sagt Hofstetter.

Nulldiäten sind nicht geeignet

„Die meisten Katzen sind ‚Portiönlifresser’“, sagt Martin Hofstetter. Bei ihnen besteht nicht die Gefahr, dass sie sich überfressen. „Andere vertilgen jedoch die ganze Portion auf einmal“, sagt der Tierarzt. Damit sie nicht übergewichtig werden, müssen ihnen die Besitzer kleinere Portionen vorsetzen. „Abhilfe schaffen auch chipgesteuerte Futternäpfe“, sagt Hofstetter. „Nur wenn die richtige Katze zum Napf kommt, gibt es Futter.“ Leidet eine Katze an Übergewicht und Diabetes, wird zuerst der Blutzucker eingestellt, dann das Gewicht reduziert. „Mit speziellem Diabetikerfutter, das kalorienreduziert ist und mehr Sättigungsgefühl verschafft, kann die Katze Gewicht verlieren“, sagt Hofstetter.

„Sie darf aber nur langsam Gewicht verlieren, etwa 100 bis 200 Gramm pro Monat.“

Nicht geeignet sind Nulldiäten. Bei diesen würden wichtige Nährstoffe fehlen.

Da Katzen schlechte Trinker sind, ist Nassfutter besser geeignet für die Nierenfunktion. Laut Martin Hofstetter leidet darunter jedoch die Mundhygiene, Zahnstein tritt häufiger auf. Deshalb empfiehlt er, zwischen Nass- und Trockenfutter abzuwechseln. Ausserdem rät er, einen Katzenbrunnen aufzustellen.

„Katzen mögen fliessendes Wasser lieber als stehendes, da dann die Gefahr von Keimen geringer ist“, sagt Hofstetter, der selber einen 14-jährigen Kater besitzt.

Besitzer von Diabetes-Katzen können mit speziellen Messgeräten auch zu Hause den Blutzucker ihres Haustieres bestimmen. So können sie feststellen, ob das Tier unterzuckert ist. Anzeichen für eine Unterzuckerung sind Zuckungen, Apathie sowie epilepsie-ähnliche Anfälle. „Auch Katzen, die sich im Freien befinden und nicht direkt behandelt werden können, erholen sich in der Regel wieder von einer Unterzuckerung“, sagt Hofstetter.

„Dagegen kann ein epileptischer Anfall das Todesurteil bedeuten.“

Lebensbedrohlich ist für die Katzen auch eine Ketoacidose als Folge der Diabeteserkrankung. Es handelt sich dabei um eine Stoffwechselstörung, der Zucker wird im Körper eliminiert, Ketonkörper bringen die Mineralstoffe durcheinander. „Die Katzen fallen in eine Art Schockzustand“, sagt Hofstetter. „In diesem Fall muss das Tier drei bis vier Tage stationär behandelt werden.

Bärentatziger Gang und höheres Infektionsrisiko

Als Folge von Diabetes kann bei Katzen ein orthopädisches Problem auftreten. Wegen des hohen Zuckers funktionieren die Nerven nicht mehr richtig. „Die Katzen laufen dann bärentatzig, das heisst, auf dem ganzen Fuss statt auf den Fussspitzen“, sagt Hofstetter. Zudem besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Eine Folge davon sind offene Wunden.

Kater Abu posiert auf dem Behandlungstisch in der Klinik.

Kater Abu posiert auf dem Behandlungstisch in der Klinik.

Laut Hofstetter reagieren die meisten Besitzer verständnisvoll, wenn ihr Tier die Diagnose „Diabetes“ erhält.

„Einige haben zu Beginn Respekt vor den Insulinspritzen.“

Mit etwas Training werde aber die Injektion zur Routine. „Es gibt Stifte, in denen die Dosis Insulin bereits enthalten ist und nur noch in die Haut gedrückt werden muss.“ Laut Hofstetter kann die Dosis so aber weniger genau bestimmt werden, als wenn das Insulin von Hand aufgezogen wird. Nur selten kommt es vor, dass ein Besitzer aufgrund der Diabetes-Erkrankung sein Tier einschläfern lässt. „Die Zahl der Kontrollen und die Kosten für die Behandlung sind für manche aber zu hoch“, sagt der Tierarzt.

Diabetes bei allen Säugetieren möglich

Neben den Katzen kann auch ein anderer vierbeiniger Freund des Menschen von Diabetes betroffen sein – der Hund. Im Gegensatz zu den Katzen brauchen Hunde lange Insulin. Die Symptome sind hingegen gleich wie bei den Katzen. Sehr häufig tritt als Folge von Diabetes bei Hunden eine Linsentrübung auf. Grundsätzlich ist Diabetes bei allen Säugetieren möglich. (maw)

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