Deutsche finanzieren tiefen Preis

Die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG senkt 2014 die Strompreise. Die direkt belieferten Kunden zahlen durchschnittlich sechs Prozent weniger – dies dank der Marktpreise in Deutschland, die unter Druck geraten sind.

David Scarano
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In Deutschland (im Bild der Offshore-Windpark vor Borkum in der Nordsee) wird Strom aus erneuerbarer Energie stark subventioniert. Das grosse Angebot drückt den Preis. (Bild: ky)

In Deutschland (im Bild der Offshore-Windpark vor Borkum in der Nordsee) wird Strom aus erneuerbarer Energie stark subventioniert. Das grosse Angebot drückt den Preis. (Bild: ky)

ST. GALLEN. Im kommenden Jahr steigen in der Schweiz die Strompreise durchschnittlich um zwei Prozent an – in der Ostschweiz, genauer bei der St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK), ist dem nicht so. Im Gegenteil: Die Preise sinken um etwa einen Rappen pro Kilowattstunde. Direkt belieferte Endkunden werden 2014 im Durchschnitt sechs Prozent weniger zahlen. Mit einer Preissenkung von elf Prozent profitieren dabei Grosskunden aus der Industrie am meisten, Kleinhaushalte – minus etwa vier Prozent – am wenigsten.

Die SAK versorgt direkt und indirekt 440 000 Kunden in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden mit Strom.

Vorteilhafter Euro-Wechselkurs

SAK-Geschäftsleiter Stefano Garbin begründet am Mittwoch vor den Medien die Tarifsenkung mit der Entwicklung auf dem europäischen Markt. «Vor allem in Deutschland sind die Preise unter Druck geraten.» Da das Unternehmen sich auch ennet der Grenze Energie beschafft, profitiert es von diesen Preisen und zusätzlich vom schwachen Euro. Diese Vorteile gebe die SAK an die Kunden weiter. Jürg Brumann, Bereichsleiter Energie, führt die Preisentwicklung in Deutschland auf diverse Faktoren zurück. Es werde mehr Strom produziert, wegen der schlechten Wirtschaftslage aber weniger verbraucht. Einen grossen Druck auf die Preise übe zudem die vom Staat massiv subventionierte Elektrizität aus erneuerbaren Energien aus – oder wie es Stefano Garbin zugespitzt formuliert: «Der deutsche Steuerzahler finanziert die tieferen Preise in der Schweiz.»

Für die Endverbraucher sind die tiefen Preise in Europa ein Segen – den Schweizer Stromproduzenten bereitet der Zerfall aber Sorgen. Diese können laut Garbin bei der aktuellen Marktlage praktisch nur mit Subventionen bestehen. So sei es für ein Kraftwerk fast nicht möglich, zu diesen Preisen zu produzieren. «Wir müssen uns die Frage stellen, wie viel Abhängigkeit vom Ausland wir uns leisten wollen», sagt er besorgt.

Höhere Abgaben

Der Strom-Endpreis setzt sich aus den Kosten für die Netznutzung, der Energie, den gesetzlichen Abgaben auf nationaler sowie auf kommunaler Ebene zusammen. Den Aufwand für das eigene Verteilnetz konnte die SAK stabil halten – gemäss Garbin auf tiefem Niveau. Gestiegen sind hingegen die Kosten für die vorgelagerten Netze der Swissgrid. Der Bund erhöht zudem auf das kommende Jahr hin die Abgabe für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) und zum Schutz der Gewässer und Fische um 0,15 Rappen pro Kilowattstunde. Unter dem Strich fallen die Strompreise aber trotzdem.

Schwankende Preise

Für die Zukunft rechnet Stefano Garbin mit Schwankungen bei den Preisen für die Energie. Der Markt, also das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, werde den Takt zunehmend vorgeben. Bei den vorgelagerten Netzkosten sei mit einer Steigerung zu rechnen – dies aufgrund der Investitionen ins Übertragungsnetz. Auch die gesetzlichen Abgaben dürften weiter zunehmen.