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Der bewegte Querdenker: Design-Auszeichnung für Urs Bürki

Urs Bürki stellt am Samstag am Designer’s Saturday in Langenthal aus. Ein bedeutender Anlass für Schweizer Designer. Ein solcher wurde der Kantonsschullehrer Urs Bürki aus Speicher ganz nebenbei.
Katharina Brenner
Urs Bürki in seinem Garten in Speicher. (Bild: Benjamin Manser)

Urs Bürki in seinem Garten in Speicher. (Bild: Benjamin Manser)

Urs Bürki lässt den Stuhl auf die feuchte Wiese plumpsen. Eigentlich steht dieser Rückenlehne an Rückenlehne mit einem anderen in dem Häuschen in Bürkis Garten in Speicher. Diesen «Ort der Stille» hat Bürki mit der Zimmereifachschule Wattwil gebaut. Auf der einen Seite geht der Blick aufs Dorf hinab, auf deren anderen den Hügel hinauf. Diese Seite mag Bürki lieber. «Weil das Licht so fantastisch ist.» Hier sitzt er regelmässig, raucht und langweilt sich. Langeweile sei sehr wichtig, aber ja leider irgendwie verschwunden.

Fürs Foto nimmt Bürki auf seinem Hocker «Zoid» Platz. Dafür wurde er mit dem renommierten Masterpiece-Label des Formforums ausgezeichnet. Die sechs gewürdigten Designer dürfen dieses Wochenende am «Designer’s Saturday» in Langenthal ausstellen (siehe Kasten). Das bringe viel Aufmerksamkeit für seine Arbeit, sagt Bürki. «Der Designer Yves Ebnöther hat zusammen mit Urs Bürki das Unmögliche vollbracht. Beim drei-beinigen Hocker von Zarava manifestiert sich eine gestalterische Vision. Hier trifft analoges Denken auf digitales Können und handwerkliche Perfektion in Edelstahl», schreibt die Jury.

Der Edelstahl ist so dünn wie festes Papier

In Bürkis Atelier und Wohnraum in Speicher liegt eine Vorlage des Hockers. Sie erinnert an einen angriffslustigen Stierkopf. Doch von Aggression keine Spur, der Edelstahl ist weich und so dünn wie festes Papier. Er lässt sich genauso falten. Dann nieten. Fertig. Was klingt wie eine Bastelvorlage für Kinder, daran hat Bürki jahrelang mit Experten gearbeitet.

Alles, was der 68-Jährige über Materialien und Techniken weiss, hat er sich selbst beigebracht. Ein gewisses Talent habe er wohl mitbekommen, meint Bürki, der im Kanton Luzern aufgewachsen ist, was man ihm bis heute anhört. Sein Vater war Sattler und Tapezierer. Warum kam Bürki vor über 30 Jahren in die Ostschweiz? «Warum wohl – wegen einer Frau.» Für eine Forschungsarbeit sei sie dann nach Kap Verde gegangen. Als Bürki drei Monate später nachreiste, hatte sie sich in einen anderen verliebt. «In einen Insektenforscher aus Stuttgart!», ruft Bürki empört und lacht, dass seine buschigen Augenbrauen auf und ab wippen. Damals war ihm nicht nach Lachen zu Mute. «Trotzdem ging ich in die Ostschweiz zurück.» Wegen des
Jobs und weil es ihm hier gefällt. «Ich mag die fleissige, bescheidene Art der Leute.» Zudem habe die Ostschweiz ausgezeichnete
Gestalter.

Was ist gutes Design? «Man muss sich wohl fühlen.» Auf Bürkis Hockern nimmt man eine Haltung ein, die sich gut anfühlt. Das dürfte an seiner Ausbildung liegen: Biomechanik war einer seiner Schwerpunkte. In den 1970er-Jahren war Bürki Lehrbeauftragter für Spielmethodik und Spieldidaktik an der Uni Bern, von 1980 bis 1996 leitete er die Ausbildung für Bewegung und Sport an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Damals in Bern habe er den seltenen Luxus von Zeit und Geld genossen, sagt Bürki. Er nutzte beides, um Geografie zu studieren.

Wer den Unterricht störte, erhielt einen Fünfliber

Von 1996 bis zu seiner Pensionierung 2013 unterrichtete er an der Kantonsschule am Burggraben Geografie. Rektor Marc König erstaunt es nicht, dass Urs Bürki «so hervorragend designt». Seine kreative Kraft und Originalität habe man im Unterricht gespürt. Wer diesen störte, erhielt von Bürki einen Fünfliber für einen Kaffee, erinnern sich ehemalige Schüler. Sehr unterhaltsam sei er als Lehrer gewesen. Bürki wiederum bemängelt, dass Schüler zunehmend unterhalten werden wollen. Wenn er dann beim Rundgang durch das Haus in Speicher auf dem Balkon die Arme ausstreckt und ruft: «I am the captain of this ship», und danach losprustet, nimmt man ihm diesen Verdruss aber nur schwer ab.

Urs Bürki feiert dieses Jahr gleich zwei Jubiläen: 30 Jahre Design und 20 Jahre Zarava. So heisst seine Firma, arabisch für Giraffe. Weil sich «Zarava» gut schreiben lasse und weil die Giraffe ein faszinierendes Tier sei, perfekt angepasst, alles im Blick. Aus Neugier kam Bürki zum Design und weil er das Gefühl hatte, manches besser machen zu können. Auf Anfrage des St. Galler Kulturmagazins «Saiten» ging Bürki vor 20 Jahren erstmals an die Öffentlichkeit. Seine Bücherstütze «Leo» führte ihn bis nach New York. Als «Querdenker» war Bürki auch an der Entwicklung einer neuen Glasflasche der Goba Mineralquelle beteiligt. CEO Gabriela Manser sagt:

«Urs brachte uns auf Ideen, die wir selber niemals hätten haben können.»

Die Masterpiece-Auszeichnung wird Bürki weitere Bekanntheit bringen. Doch er will die Serienproduktion einstellen. Nur bei persönlichen Anfragen werde er noch Stücke anfertigen. Die Arbeit müsse lustvoll bleiben. So dürfte mehr Zeit für fantastisches Licht und Langeweile bleiben.

Stickerei und Kommode aus der Ostschweiz gewürdigt

Neben Urs Bürki verleiht das Formforum zwei weiteren in der Ostschweiz tätigen Designern das Masterpiece Label. Heinz Baumann von der gleichnamigen Möbelmanufaktur in Heerbrugg für «Buca»; die Jury schreibt: «Die Kommode zeigt auf das Schönste, wie schreinerische Meisterschaft zusammen mit der Suche nach immer weiterführender Abstraktion zu einem vollendeten, einzigartigen Möbelstück führt.» Ursula Waldburger von der Waldburger Stickerei Manufaktur in Arbon wird für «Venezia Edition Ruckstuhl» ausgezeichnet. Die Stickerei auf einem grossen, schweren Teppich überzeugte die Jury «mit einer ungeheuren Präzision und perfekter Technik». (kbr)

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