Dernière der Kunst-Schaffenden

Seit 1993 organisiert die Teufnerin Gret Zellweger jedes Jahr eine Ausstellung von Freizeitarbeiten. Nun ist nach 18 Jahren heuer Schluss: Die Dernière fand dieses Wochenende in Waldstatt statt.

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Gret Zellweger trat am Freitag vom Präsidium der Kommission Freizeitarbeiten AR/AI zurück. (Bild: Martina Basista)

Gret Zellweger trat am Freitag vom Präsidium der Kommission Freizeitarbeiten AR/AI zurück. (Bild: Martina Basista)

Seit 1993 organisiert die Teufnerin Gret Zellweger jedes Jahr eine Ausstellung von Freizeitarbeiten. Nun ist nach 18 Jahren heuer Schluss: Die Dernière fand dieses Wochenende in Waldstatt statt.

Sie, die nie eine richtige Gewerblerin war, stand den Gewerblern beider Appenzell vor, wenn es darum ging, sich im besten Licht zu präsentieren. Sie, die Bauerntochter, die spätere Pöstlerin auf der Schwägalp, sie, die schon in der Schule gerne zeichnete und irgendwann in Museen gezeigt wurde – sie bietet Lehrmeistern, Eltern, Interessierten und Politikern eine breite Plattform.

Selber nicht im Rampenlicht

Den Ursprung der Freizeitarbeiten-Ausstellung findet man in den früheren Schauen der Gesellenstücke; im Appenzellerland hatte sie Bestand. Und wird sie weiterhin Bestand haben; seit den 1990er-Jahren wurde die Ausstellung zu einer Prestige-Show. Hier zeigen die Stifte und Lehrtöchter, die Auszubildenden aus bis zu 40 verschiedenen Berufen während eines Wochenendes, woran sie – der Name sagt's – in ihrer Freizeit arbeiten. Tische, Schränke, lackierte Autos, Getuntes, Genähtes, Konstruiertes.

«Erfahrungen macht nur, wer was tut», sagte Ludwig Hasler anlässlich der Eröffnung der Ausstellung vor zwei Jahren in Heiden. Nun, die Freizeitarbeiterinnen und -arbeiter tun tatsächlich was: Sie sind kreativ, eigensinnig, einsatzbereit. Unterstützt werden sie von ihren Lehrmeistern – unterstützt und bisweilen zur Teilnahme an der Ausstellung ermuntert. Wenn die Ausstellung ihre Tore, die Türen von Mehrzweckhallen oder Schulhausarealen, öffnet, stehen sie im Mittelpunkt des Interesses von Lehrmeistern, Berufskolleginnen, Eltern und Verwandten, Freunden und Politikerinnen. Im Hintergrund bleibt Gret Zellweger. Sie ist keine, die das Rampenlicht sucht. Aber wenn's der Sache dient…

Urige Appenzellerin

Hineingerutscht sei sie in die Ämter. 1994 wird die Nichtgewerblerin Teufens Gewerbevereinspräsidentin; schon vorher, 1992, wird sie in den kantonalen Gewerbeverbandsvorstand gewählt, später zu dessen Vizepräsidentin. 1996 wählt sie die Teufner Bevölkerung in den Kantonsrat. 2009 tritt sie aus dem Rat zurück.

Die stets fröhliche Gret Zellweger, eine urige Appenzellerin. Aufgewachsen ist sie zusammen mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof bei Teufen. Zur Schule sei sie «änaart» immer gerne gegangen; sie geniesst insbesondere den Zeichenunterricht. Später absolviert sie die landwirtschaftliche Lehre und ein Praktikum in der Romandie; fast nahtlos schliesst sie eine Verwaltungslehre bei der Post an und erhält die Stelle von Säntisbahn und Schweizer Post unter anderem auf der Schwägalp. Das war 1967; damals wohnten die Angestellten jahrein, jahraus am Fusse des Bergs. Für die Frau, die es liebte, in der freien Zeit Berg- und Skitouren im Alpstein zu unternehmen, alles andere als ein Opfer: Bereicherung, Chance.

Die Freiheit der Kunst

Und die Freiheit? Die war Gret Zellweger schon immer wichtig. Die Freiheit, in der Freizeit was ganz anderes zu tun. Malen etwa. Schon von der Schwägalp aus besucht Gret Zellweger Kurse der Schweizer Heimatwerkschule, erteilt bald selber Unterricht in Ornamentik und Möbelmalerei. Selber bildet sie sich stetig an der Kunstgewerbeschule in St. Gallen weiter. Ihr Atelier in Teufen gibt davon Zeugnis: vor allem vom Weiterlernen, Weiterkommen, vom Sich-Verbessern – von der Lebensschule. Pinsel, Fertiges, Computer, Holzschnitte, Rollenweiber aus Blech gelasert, Halbfertiges, Schraubenkasten, Schellen über der Türe, Postkarten, Angefangenes, Angedachtes. Seit 1981 arbeitet sie als Selbständigerwerbende in der eigenen Werkstatt, als Kunst-Schaffende.

Gret Zellweger verkörpert, was sie mit der Freizeitarbeiten-Ausstellung 18 Jahre lang förderte: Sie tut etwas – und das mit aller Freiheit. Guido Berlinger-Bolt

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