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DERMATOLOGIE: Diagnose ohne Arzttermin

Ist der verdächtige Flecken am Unterarm ein harmloses Muttermal oder doch gefährlich? Beim Webdienst eines St.Galler Start-ups geben Spezialisten unkompliziert Antwort.
Kaspar Enz
Ein paar scharfe Bilder reichen den Dermatologen oft für eine Diagnose. (Bild: Benjamin Manser)

Ein paar scharfe Bilder reichen den Dermatologen oft für eine Diagnose. (Bild: Benjamin Manser)

Kaspar Enz

Wenn Daniel Zuder in seinem Smartphone Bilder anschaut, ist er vielleicht bei der Arbeit. Der St. Galler Dermatologe ist einer von bald 40 Ärzten hinter Onlinedoctor.ch. Die Patienten schicken Handybilder verdächtiger Hautstellen, die Dermatologen stellen die Diagnose. «Gerade Männer gehen nicht so gern zum Arzt», sagt Daniel Zuder. «Und Dermatologen tönen für sie etwas nach Kosmetik.» Diese Schwellenangst könne man so überwinden – und allenfalls rechtzeitig Krankheiten erkennen, die sonst nie entdeckt worden wären. «Mit einigermassen guten Bildern kann ein erfahrener Dermatologe in gut 75 Prozent der Fälle eine Diagnose ausstellen.»

Eine Meinung, die in der Disziplin weit verbreitet ist. «80 Prozent meiner Patienten müsste ich gar nicht sehen.» Das hörte Tobias Wolf vom KMU-Institut der Uni St. Gallen nach einem Kurs in Betriebswirtschaft, den er Ärzten gab. Gesagt hatte es der Aargauer Dermatologe Paul Scheidegger beim Bier. «Er war total ausgebucht, wie andere Dermatologen auch», sagt Wolf. Eine klassische Start-up-Geschichte nahm ihren Anfang. Aus dem Bier wurde schliesslich ein Nachtessen. Und aus der Idee ein Jahr, in dem die Gründer tüftelten, programmierten und Türklinken putzten: Bald fand man Interessenten, mit dem Kantonsspital Baden wurden Testläufe durchgeführt. Seit zehn Wochen sind die Dermatologen nun online.

Wer über den Webdienst ein Hautproblem beurteilen lassen möchte, kann sich dort anmelden und aus den teilnehmenden Ärzten auswählen. «Am besten wohl einen aus der eigenen Region», empfiehlt Tobias Wolf. Ein Chatbot stellt Fragen, der Patient kreuzt an: Juckreiz oder Rötung, Schmerz oder Ausschlag. «Fragen, die ein Dermatologe typischerweise stellt», erklärt Wolf. Dazu schickt man Fotos, «am besten mehrere», sagt Daniel Zuder. «Aus verschiedenen Winkeln, und möglichst scharf.» 55 Franken kostet der Dienst, innert 48 Stunden kommt – datenschutzkonform mit SMS-Code gesichert – die Antwort: Eine Entwarnung oder eine Empfehlung für ein Medikament. Doch nicht immer ist ein abschliessendes Urteil möglich. «Dann empfehle ich, eher mehr als weniger, den Gang zu einem Dermatologen.»

Ergänzung statt Ersatz

Über 300 Anfragen haben die Online-Dermatologen schon beantwortet. Das macht pro Arzt erst knapp eine Anfrage pro Woche. Aber «es ist nicht schlecht. Wir haben noch fast keine Werbung gemacht», sagt Tobias Wolf. Werbeträger sollen nicht zuletzt die Ärzte sein, die auf der Website ihre Dienste anbieten. Denn zwar sei es für Patienten praktisch, mit ein paar Handyfotos und ohne Arzttermin eine Antwort zu bekommen. «Aber anders als andere Angebote richten wir uns zuerst an die Ärzte», sagt Wolf. «Tele­dermatologie soll eine Arztvisite nicht ersetzen. Es geht darum, den Ärzten mehr Zeit zu geben für medizinische Tätigkeiten.» Statt für Administration oder Small Talk. Das spart Kosten, glaubt Wolf. Und es passe in die heutige Zeit.

Denn nicht nur mangle es vielerorts an Hautspezialisten. Gerade junge Ärztinnen legen Wert auf Arbeitsmodelle, die mit der Familie vereinbar sind. «Die Bilder kann man auch von zu Hause aus anschauen», sagt Wolf. Kunden der Online-Dermatologen müssten nicht nur Patienten sein. «Auch Hausärzte oder die Spitex können so schnell etwas abklären.»

Nun bekommt das Start-up neuen Rückenwind. Zwei Dermatologen investieren ebenso wie die St. Galler Beteiligungsfirma Forty:One und die Jungunternehmerplattform Startfeld. «Wir sind das erste Unternehmen, das von Startfeld nicht nur einen Kredit, sondern Eigenkapital bekommt», sagt Wolf stolz. Insgesamt sind es 600000 Franken. Geld, das die Jungunternehmer gut brauchen können. Wolf hat grosse Pläne. «In Deutschland mangelt es auch an Hautärzten. Wir könnten über die Grenzen expandieren.» Auch aus anderen Ländern meldeten sich bereits Interessenten – und Ärzte aus anderen medizinischen Sparten, die das Modell übertragen wollen. Vorschläge, die es zu prüfen gilt. So will Wolf das Team vergrössern. «Im Moment können wir fast nur reagieren.»

Das Modell lässt sich kaum auf alle Sparten der Medizin übertragen. «Dermatologen arbeiten an der Oberfläche», sagt Daniel Zuder. Andere kommen ohne Ultraschall oder Blutprobe nicht weit. Und auch einem Hautarzt sagt ein Foto nicht alles: «Auch wir müssen oft abtasten oder Gewebeproben nehmen.»

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