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Der Zwergbaum aus der Eiszeit

Die Niedrige Birke bei Abtwil ist die letzte ihrer Art: Ein Treffen mit dem seltensten Baum der Schweiz.
Christoph Zweili
Simon Zeller, Projektleiter der Biodiversitätsstrategie im Kanton St. Gallen, mit der Niedrigen Birke. (Bild: Urs Bucher)

Simon Zeller, Projektleiter der Biodiversitätsstrategie im Kanton St. Gallen, mit der Niedrigen Birke. (Bild: Urs Bucher)

Sie hält einen traurigen Rekord auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten: Die Niedrige Birke (Betula humilis) ist die seltenste Baumart der Schweiz, Alter unbekannt. Es gibt ein einziges Exemplar von ihr, das an einem Waldrand auf St. Galler Stadtgebiet bei Abtwil wächst, mitten in einem lichten Schwarzerlenwald.

Vor Ort entpuppt sich das biologische Wunder als unscheinbarer, etwas über mannshoher Strauch, moosbewachsen, vor Wildverbiss mit einem Zaun geschützt auf weichem Torfboden, ringsum Farn und Brennnesseln. Die Stadt St. Gallen hätschelt den Winzling, verschafft ihm ab und wieder etwas Freiraum und Licht. Während der letzten Eiszeit vor 10000 Jahren hierzulande weit verbreitet, hat er sich mit zunehmend wärmeren Temperaturen aus der Schweiz zurückgezogen – nur noch hier hält er sich. Die Art bevorzugt das Kontinentalklima und sumpfige Moorböden, wie es sie heute noch in Deutschland, Osteuropa und Russland gibt, wo die Niedrige Birke auch noch häufig vorkommt. Vom einst riesigen, um 1883 bewirtschafteten Flachmoor auf Abtwiler Boden ist heute bis auf die paar Quadratmeter rund um den Strauch nichts mehr zu sehen. In unmittelbarer Nähe hat sich die Stadt mit Seilpark, Tennisplätzen und einer Sportanlage ausgedehnt.

Aufwendige Versuche in den 1940er-Jahren, den Baum zu klonen und an andern günstigen Standorten wieder anzusiedeln, scheiterten. Zum 75-Jahr-Jubiläum des Botanischen Gartens in St. Gallen im nächsten Jahr soll nun ein neuer Versuch unternommen werden. Das Fazit von Simon Zeller, Abteilungsleiter im Amt für Natur, Jagd und Fischerei beim Kanton St. Gallen und Gesamtprojektleiter der Biodiversitätsstrategie, ist ebenso klar wie eindeutig: «Aufgrund der Klimaerwärmung wird der Baum in der Schweiz vermutlich aussterben.» Bei anderen Pflanzen stünden die Chancen besser.

Im Kanton St. Gallen gibt es viele schweizweit bedrohte Pflanzenarten. Die gefährdetsten 51 wurden überprüft und ein Aktionsplan zu deren Rettung und Förderung erstellt, der ab 2020 umgesetzt werden soll: Der Fokus liegt vorerst beim Langblättrigen Laichkraut, der Kleinen Teichrose, der Torf-Segge, dem Kleinen Rohrkolben, der Niedrige Birke, der Heidelbeerblättrigen Weide, dem Kamm-Wurmfarn und dem Bremis Wasserschlauch. Das Projekt, an dem sich zahlreiche Pflanzenkundler ehrenamtlich beteiligten, dauerte drei Jahre.

Zu den wichtigsten Massnahmen gehören der Schutz und der Erhalt der Lebensräume, in welchen die letzten Pflanzen vorkommen. Bei Arten, bei denen es ein hohes Aussterberisiko gibt, wird laut Zeller zusätzlich auf die Vermehrung zurückgegriffen, zum Beispiel im Botanischen Garten.

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