Dauerbaustellen auf der Stadtautobahn nerven viele Autofahrer – deshalb ist die Bauerei nötig

Seit Monaten wird an der Stadtautobahn gebaut. Woran liegt das eigentlich, fragen sich die Berufspendler. An der Sanierung der Stadtautobahn? Am Olmadeckel? An der Engpass-Beseitigung? Wie lange dauert das noch und wer trägt die Kosten? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen und ein Versuch, die Baustellen auseinanderzuhalten.

Christoph Zweili
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Gebaut wird doch jetzt schon, wie die Bauarbeiten zeigen: Warum braucht es noch eine Gesamtsanierung?

Bis 2020 sind Vorarbeiten im Gange, damit ab 2031 eine Gesamtsanierung der Stadtautobahn möglich ist. Unter anderem sind das die Mittelstreifen-Überfahrten für eine optimale Verkehrsführung während der späteren Sanierungsarbeiten. Und es laufen auch Vorarbeiten für den Bau des Olmadeckels. Es handelt sich um zwei Baustellen auf einem Platz.

Warum braucht es dennoch eine Gesamtsanierung der Stadtautobahn?

Nach einer Betriebszeit von über 30 Jahren ist eine Gesamtinstandsetzung notwendig. Für eine umfassende Sanierung der bestehenden Röhren ist eine mehrjährige Vollsperrung jeweils einer Röhre erforderlich.

Was wird konkret in Stand gesetzt?

Bis 2027 werden im Tunnelbereich die beiden bestehenden Röhren während Nachtsperren sicherheitstechnisch auf den neusten Stand gebracht. Auf dem Trassee werden mehrere lärmarme Beläge eingebaut. Von 2024 bis 2026 werden die Tunnels Schoren und Rosenberg saniert, St.Fiden und Stephanshorn folgen später.

Wie hoch sind die Kosten für diese Sanierungsarbeiten?

Die Gesamtkosten, getragen vom Bundesamt für Strassen (Astra), belaufen sich auf rund 524 Millionen Franken (ohne Drittprojekte).

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Instandsetzung der Stadtautobahn und der viel zitierten Engpass-Beseitigung?

Die Instandsetzung der Stadtautobahn zwischen Winkeln und Neudorf inklusive der Anschlüsse Kreuzbleiche und St.Fiden steht in keinem Zusammenhang mit der Engpass-Beseitigung.

Warum ist eine Engpass-Beseitigung nötig?

Die 1987 eröffnete Stadtautobahn ist stark belastet. Über 80 000 Fahrzeuge pro Tag fahren durch den Rosenbergtunnel – rund ein Viertel mehr als noch vor zehn Jahren. Damit kommt die Autobahn in Spitzenzeiten an ihre Kapazitätsgrenzen; kleinste Störungen führen zu Staus.

85 Prozent der Autofahrten starten oder enden im Stadtgebiet. Behinderungen und Staus auf der Autobahn lassen deshalb auch das innerstädtische Verkehrsnetz zusammenbrechen. Zur Engpass-Beseitigung gehört daher auch der sogenannte Bypass Richtung Liebegg (Teufen), um den Ziel- und Quellverkehr in der Stadt zu bewältigen.

Wann beginnen diese Arbeiten?

Sie beginnen frühestens 2031, die Bauzeit wird auf rund 7 Jahre geschätzt.

Warum dauern die Arbeiten an der Stadtautobahn so lange?

Die Bedeutung der Engpass-Beseitigung zeigt sich in der Vielzahl der Teilschritte. Rund 20 Jahre braucht es für die Planung und Umsetzung.

Warum braucht es eine 3. Röhre?

Sie ist Teil der Engpass-Beseitigung, nur so kann der Rosenbergtunnel von Grund auf saniert werden. In den zwei bestehenden Tunnelröhren am Rosenberg gibt es heute vier Fahrspuren, diese zwei Röhren sollen ab 2037 nacheinander saniert werden. Diejenige Röhre, die gerade saniert wird, wird während dieser Arbeiten komplett für den Verkehr gesperrt. Da die verbleibende Röhre in dieser Zeit nicht den gesamten Verkehr aufnehmen kann, wird zuerst eine neue dritte Röhre gebaut.

Wie viele Fahrspuren stehen in Zukunft zur Verfügung?

Der Bundesrat will grosse Teile des Autobahnnetzes auf sechs Spuren ausbauen. Mit der 3. Röhre im Rosenbergtunnel werden es auf dem Abschnitt zwischen St.Gallen-Kreuzbleiche und St.Gallen-St. Fiden künftig sieben sein.

Wo steht das Projekt jetzt?

Für die 3. Röhre erarbeitet das Astra ein Generelles Projekt. Der Kanton St.Gallen erarbeitet das Vorprojekt für die Teilspange zum Güterbahnhof, den Tunnel Liebegg und die Anschlüsse an die Stadt.

Ist die Engpass-Beseitigung der Stadtautobahn die grösste Baustelle im Kanton?

Bereits die Instandsetzung der Stadtautobahn ist die grösste Baustelle im Kanton – die Engpass-Beseitigung des Astra ist es erst recht. Sie hat ein Kostenvolumen von rund 1,4 Milliarden Franken (mit 3. Röhre Rosenbergtunnel, Umnutzung der Pannenstreifen zwischen St.Fiden und Neudorf, den Tunnels Liebegg und Feldli sowie dem unterirdischen Kreisel). Die Baustelle von Winkeln bis Neudorf ist auch längenmässig die grösste – länger als die Umfahrungen Bütschwil und Wattwil im Toggenburg.

Wer übernimmt die Kosten für das Riesenprojekt?

Die Kosten für die Engpass-Beseitigung betragen rund 1,4 Milliarden Franken (Kostengenauigkeit rund 30 Prozent). Der Bund übernimmt rund 1,1 Milliarden, vorbehältlich der Zustimmung des Parlaments. Die Region (Kantone St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Stadt St.Gallen, Gemeinde Teufen) kommt für die Anschlüsse an die Stadt und den Tunnel Liebegg auf (150 bis 200 Millionen Franken).

Was haben die Stadtautobahn und der Gubristtunnel gemeinsam?

Sie sind Mutter und Tochter an der A1, da sie nach dem gleichen System gebaut wurden. Auch beim 1985 eröffneten Gubristtunnel am Zürcher Nordring gibt es eine 3. Röhre, die 2022 fertiggestellt sein soll. Auch hier wird der Tunnel saniert und auf sechs Fahrspuren ausgebaut. Und auch hier schützt ein Autobahndeckel das Dorf vor Lärm – die Gemeinde Weiningen hat ihn im Unterschied zum Olmadeckel in St.Gallen allerdings erst gerichtlich erstreiten müssen.

Apropos Olmadeckel: Wie passt er in die Sanierung der Stadtautobahn?

Es handelt sich um ein Drittprojekt der Olma Messen: Für die Arealerweiterung Richtung Osten wird der Rosenbergtunnel zwischen 2020 und 2022 um 180 Meter verlängert.

Warum ist diese Arealerweiterung nötig?

Weil in St.Gallen Bauland knapp ist, ist der Deckel die einzige Möglichkeit für eine Erweiterung, um die neue Halle 1 bauen zu können.

Wie teuer ist der Olmadeckel?

Der Olmadeckel allein kostet rund 42 Millionen Franken, getragen von Olma, Stadt und Kanton St.Gallen. Halle und Überdeckung zusammen sind auf 163,4 Millionen Franken veranschlagt.

Der Olmadeckel könnte Vorbildcharakter haben – warum?

Die Stadt beabsichtigt, die Initialzündung der Olma Messen zu nutzen, um das Aussenquartier St.Fiden mit dem Bahnhofsareal städtebaulich zu entwickeln. Denkbar wäre eine umfassende Überdeckung der A1: Das wäre ein Pionierprojekt mit europaweiter Ausstrahlung.

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