«Der Zeitpunkt hätte ungünstiger nicht sein können»: Wildhauser bauen nach Sturm drei Ersatzlifte, damit die Gäste am Wochenende Ski fahren können

Umgestürzte Bäume haben in Wildhaus einen Skilift zerstört. Innert einer Woche wurden nun drei Not-Skilifte aufgebaut und in Betrieb genommen. Ein Einblick in die pickelharte Arbeit auf der eisigen Piste.

Raphael & Stefanie Rohner
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Umgeknickte Bäume haben den Skilift komplett zerstört.

Umgeknickte Bäume haben den Skilift komplett zerstört.

(Bilder: Raphael Rohner)

Mit Pickeln schlagen zwei Mitarbeiter der Bergbahnen Wildhaus Löcher in den eisigen Boden unter dem Schnee der Skipiste. Sie legen den Boden frei um einen Titananker zu verlegen. Daran soll dann die Sicherung für ein Stahlseil angebracht werden, an welchem ein Notfall-Skilift befestigt wird. Deren drei wurden in den letzten Tagen in Wildhaus auf über 1'230 Metern über Meer installiert. «Jetzt müssen wir wirklich Gas geben, damit am Wochenende die Gäste hochfahren können», sagt Heinz Huser und verschnauft kurz, sich am Pickel abstützend. Unterdessen fahren Pistenbullys den Hang auf und ab und präparieren das Trassee der Skiliftspur.

Oben an der Bergstation Oberdorf zeigt sich das Ausmass der Zerstörung: Sechs Tannen, die wegen Sturm Sabine umgeknickt sind wie Zahnstocher, liegen auf den Seilen des Skilifts. Die Stahlträger der Bergstation sind verbogen und das Fundament hat stark gelitten. Urs Gantenbein, Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus, sagt: «Das war wirklich krass, die Bäume wurden umgerissen und sind voll auf unsere Bergstation geknallt.»

«Der Zeitpunkt hätte ungünstiger nicht sein können, wir sind auf dem Höhepunkt der Saison.»
Im Waldstück am Ende des Wildhauser Skilifts «Oberdorf», krachten ...
10 Bilder
... mehrere Bäume auf die Bergstation. Das Sturmtief «Sabine» knickte die Stämme ...
... wie Zahnstocher um. «Ein Totalschaden», heisst es bei den Verantwortlichen. Der etwa 60-jährige Skilift ...
... muss abgerissen werden. Doch die Skifahrer müssen trotzdem ...
... befördert werden. Nun wurden Notlifte aufgebaut. Die Masten der Liftanlagen ...
... werden mit Stahlseilen und Anker im Boden befestigt. Die Arbeiten unter Hochdruck sind ...
... für den Geschäftsführer der Bergbahnen Wildhaus, Urs Gantenbein ...
... eine Herausforderung. Einer der Skilifte wurde aus Grabs ausgeliehen, ein anderer ...
... wurde aus Österreich angeliefert. Die Notfall-Skilifte müssen bis zum Wochenende stehen, ...
... damit die Skifahrerinnen und Skifahrer wieder auf die Piste können.

Im Waldstück am Ende des Wildhauser Skilifts «Oberdorf», krachten ...

Bild: Raphael Rohner

Man habe nach dem Sturm sofort nach Ersatz gesucht. Drei Tage nach der Zerstörung der Bergstation Oberdorf stand bereits der erste Ersatzskilift, kurz danach die beiden weiteren Not-Skilifte. Die Schwierigkeit lag laut Gantenbein darin, die richtigen Lifte zu bekommen um die 500 Meter lange Strecke zu überbrücken: «Der zerstörte Lift war ein Nerv unseres Skigebietes, da er die Leute zu den wichtigsten Umsteigepunkten brachte.»

Urs Gantenbein

Urs Gantenbein

Bild: Raphael Rohner

Der erste Not-Skilift kam rasch aus Grabs nach Wildhaus: «Die Leute vom Skilift Grabs haben uns angerufen und gesagt, sie bräuchten ihren Lift in diesem Jahr wohl ohnehin nicht ohne den Schnee», sagt Gantenbein und lacht dankbar. Die zwei anderen Notlifte wurden von der Borer Lift AG geliefert. «Es ist schon aussergewöhnlich, dass man innert so kurzer Zeit Skilifte zum Laufen bringt. Natürlich wollten und mussten wir Vollgas geben und alle haben mitgezogen», freut sich Gantenbein. Bei der Verbindung neben dem stillgelegten Lift müssen die Gäste zwar kurz «umsteigen» und einige Meter laufen, aber mit dem zweiten Notlift steht die Verbindung zum angrenzenden Skilift.

Infografik: rar

Die Kosten für den Aufbau der Notlifte werden von der Versicherung übernommen. «Wir haben für die Notlösung ein Budget von rund 50'000 Franken erhalten, das wir investieren durften.» Hätte es einige Wochen später gestürmt, wäre es gar nicht so tragisch gewesen, so Gantenbein. Denn der Skilift Oberdorf wird im Frühjahr ohnehin zurückgebaut. «Wir bauen dann eine neue Sesselbahn, die vom Oberdorf bis in die Freienalp führt.» Deswegen fielen andere Lifte weg.

In Wildhaus jedenfalls können die Schneesportbegeisterten ab Samstag fast wie gewohnt auf die Pisten gehen und die Abfahrt ins Tal geniessen. Ab dann sind – neben den bestehenden Liften – auch die drei Not-Skilifte in Betrieb.