Der Walter-Zoo ist aufgrund der Corona-Massnahmen zu: Die Tiger stört es nicht, sie schauen Pony-TV

Der Walter-Zoo in Gossau ist für Besucher derzeit geschlossen. Das hat auch Auswirkungen auf die Tiere.

Ines Biedenkapp
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Die Tiger im Walter-Zoo nehmen die derzeitige Ruhe gelassen.

Die Tiger im Walter-Zoo nehmen die derzeitige Ruhe gelassen.


Bild: Nik Roth

Der Parkplatz des Walter-Zoos in Gossau ist leer. Keine Menschentraube an der Kasse. Ein unwirklicher Eindruck. Normalerweise kommen an einem sonnigen Märztag unter der Woche bis zu 450 Besucher in den Zoo. Aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus hat der Zoo derzeit jedoch geschlossen.

Der Amurleopard des Walter-Zoos liegt gemütlich in der Sonne. Die Vögel zwitschern, ansonsten ist es ruhig. «Es ist wirklich seltsam», sagt Thomas Harder, Leiter Marketing des Zoos, bei der Begrüssung.

«Dass der Zoo so leer ist, haben wir eigentlich nie.»

Auf dem Weg zum Gehege der Menschenaffen biegt ein Huhn um die Ecke, nur um gleich unter eine Hecke zu verschwinden. «Unsere Hühner finden die freien Wege gerade klasse», sagt Karin Federer, Zoodirektorin. «Sie können ganz ungestört nach Würmern suchen.»

Herrscht hier etwa Langeweile? Ein Affe im Walter-Zoo.
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Ein Kaiserschnurrbarttamarin im Walter-Zoo.
Das Zoo-Restaurant ist bis auf weiteres aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus geschlossen.
Auch der Zoo-Shop bleibt leer.
Das Zebra schaut neugierig in die Kamera.
Die Premiere des Zoo Theaters wurde erst einmal verschoben.
Die Hühner freuen sich derzeit über die freien Wege. So können sie ungestört nach Würmern suchen.
Die junge Schimpansin freut sich über Besuch.
Rosakakadus im Walter-Zoo.
Auch der Spielplatz im Zoo ist derzeit leer.
Auch die Erdmännchen merken das weniger los ist als auch schon.
Dasselbe gilt für die Wüstenfüchse.
Die Nutria indes gönnen sich ein Bad...
...oder putzen sich gegenseitig.
Ob auch das Chamäleon etwas von der derzeitigen Stille mitbekommt?
Der Kaiserschnurrbarttamarin bestimmt.

Herrscht hier etwa Langeweile? Ein Affe im Walter-Zoo.

Bild: Nik Roth

Die Zwergziegen sind derzeit anhänglicher

Wie wirken sich die Veränderungen auf die Tiere aus? «Sie merken auf jeden Fall etwas», sagt Karin Federer. «Die Schimpansen schauen zum Beispiel vermehrt nach, ob jemand kommt.» Wie auf Kommando, beginnt eine kleine Schimpansin zu spielen. Den Blick dabei immer auf die Besucher gerichtet.

Doch auch die Wellensittiche und Rosakakadus des Zoos scheinen sich über die Abwechslung zu freuen. So wird die Kamera des anwesenden Fotografen genau unter die Lupe genommen. Am meisten scheinen jedoch die Zwergziegen und Ponys die Aufmerksamkeit zu vermissen. «Die sind momentan wirklich anhänglicher», sagt Thomas Harder. Ihre Rufe sind schon von weitem zu hören.

Zeit wird für Reparaturarbeiten genutzt

Die Mitarbeiter des Zoos nutzen die derzeitige Situation, um Reparaturarbeiten abzuschliessen oder auch um einige der Gehege neu auszustatten. «Das ist schon praktisch», bestätigt Karin Federer. So liegen am Wegrand teilweise Äste oder Materialien für die Gartenarbeit.

Zoodirektorin Karin Federer beim füttern eines Rosakakadus und Wellensittichen.

Zoodirektorin Karin Federer beim füttern eines Rosakakadus und Wellensittichen.

Bild: Nik Roth

Aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus wird sich der Bau der neuen Igelstation allerdings etwas verzögern. Auch hat das Zooteam angefangen, in Schichten zu arbeiten. «Wir haben Gruppen gebildet, die unterschiedliche Arbeitszeiten haben», sagt Karin Federer. «Damit wollen wir verhindern, dass im Falle einer Ansteckung alle gleichzeitig ausfallen.»

Noch ein Vorteil der Ruhe

Doch die Ruhe hat auch einen Vorteil. Die Pfleger können sich einmal ganz um ihre Schützlinge kümmern. «Das freut vor allem die Pfleger», sagt Thomas Harder. Und auch die Tiere scheinen das zu schätzen. So schaut Kiara, die Gelbbrustara-Dame des Zoos, der Zoowärterin bei der Reinigung ihres Geheges genau über die Schulter. Immer wieder kommentiert sie die Bewegungen mit einem lauten « Argh».

Nur den Tigern scheint die momentane Situation nichts auszumachen. «Die beobachten am liebsten die Ponys», sagt Harder.

«Wir witzeln immer, dass sie Pony-TV schauen.»