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Veranstaltungen besuchen, Plakate aufhängen, Flyer verteilen: Im Kanton St.Gallen beginnt der Wahlherbst im Frühsommer

Wann ist der ideale Start für den Wahlkampf? Einzelne St.Galler Kandidaten haben die Antwort gefunden – und stecken längst mittendrin.
Regula Weik
Wahlplakat von Andreas Widmer, CVP.

Wahlplakat von Andreas Widmer, CVP.

Ein Arbeitskollege staunt: «Du, dä Widmer hanget scho gross am Bahnhof.» Die Rede ist von Andreas Widmer, Fraktionspräsident der CVP im St.Galler Kantonsparlament. Nun zieht es ihn nach Bern. Er kandidiert für den Nationalrat – und deshalb grüsst er in diesen Tagen als «Dä Widmer för Bern» von Plakatwänden an den grösseren Bahnhöfen im Kanton. Was erhofft er sich vom frühen Wahlkampfstart? Der Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbands:

«Die Aufmerksamkeit ist zur Zeit recht hoch. Es ist sonst noch fast niemand im öffentlichen Raum präsent. Das möchte ich nutzen.»

Nach den Sommerferien wird sich dies schlagartig ändern. Dann werden Kandidatinnen und Kandidaten von allen möglichen Plakatwänden, aus Vorgärten, von Feldern und Strassenrändern Vorbeiziehenden und Vorbeifahrenden zulächeln. Das weiss Widmer. Daher sagt er: «Die Masse der Kandidaten wird ab Ende August in den Wahlkampf einsteigen. Dann wird es schwierig sein, im gekauften Raum noch genügend Aufmerksamkeit zu erhalten.»

Hält es bis zum Ausfüllen
der Unterlagen an?

Wie beurteilt der Experte den Nutzen eines frühen Starts in den Wahlkampf? Zahlen sich diese Bemühungen aus? «Grundsätzlich bietet ein längerer Wahlkampf mehr kommunikative Chancen», sagt Simon Hugi, Politikwissenschafter, Partner und Kommunikationsberater bei der Zürcher Agentur Feinheit. Ob durch einen frühen Start tatsächlich ein «Startvorteil» erzielt wird, hänge von den Aktivitäten und deren Inhalten ab.

«Da unterscheidet sich politische Kommunikation nicht von klassischer Werbung.»

Und: Ein frühes Zuplakatieren der Landschaft, dem kommunikativ nichts mehr folge, sei nicht zu empfehlen – denn der eigentliche Wahlentscheid der Bürgerinnen und Bürger sei noch weit entfernt. Hugi sagt denn auch: «In den meisten Fällen ist fraglich, inwieweit frühe Aktivitäten den Bürgerinnen und Bürgern beim Ausfüllen der Wahlunterlagen noch präsent und damit nachhaltig sind.»

Plakat von Arber Bullkajs Fest.

Plakat von Arber Bullkajs Fest.

CVP-Kandidat Widmer ist nicht der einzige, der bereits in den Wahlkampfmodus geschaltet hat. Bereits seit Monaten aktiv ist Nationalratskandidatin Karin Weigelt. Die ehemalige Handballerin will für die FDP nach Bern. Dort wurde sie auch bereits mehrfach gesichtet. Ihr Team scheut keinen Aufwand. Bestes Beispiel dafür ist ihre Livetalk-Serie, eine Eigenproduktion.

Karin Weigelt im Livetalk.

Karin Weigelt im Livetalk.

Auffallend aktiv ist auch SP-Nationalratskandidat Arber Bullakaj. Der Wiler Stadtparlamentarier mit Wurzeln in Kosovo hat wie Widmer seine Plakatkampagne bereits lanciert. Und er organisierte ein Unterstützungsfest mit albanischen Popstars und stellte dort einen Kampagnenfilm amerikanischer Prägung vor.

Nicolo Paganinis Aufruf auf Facebook.

Nicolo Paganinis Aufruf auf Facebook.

Webseite aufmotzen. Veranstaltungen besuchen. Plakate aufhängen. Flyer verteilen. Über diese «Muss» jeden Wahlkampfs hinaus geht in diesen Tagen Nicolo Paganini. Der CVP-Nationalrat und Olma-Direktor ruft unter dem Motto «Nicolo probierts» auf Facebook dazu auf, Vorschläge zu machen, wo er unbedingt einmal hingehen, was er unbedingt einmal gemacht oder erlebt haben muss, «um die Interessen der St.Galler Bevölkerung noch besser im Parlament zu vertreten». Acht «Extratage» hat er für seine Sommeraktion reserviert. Umsetzen will er jene Vorschläge, die er selber als «die Spannendsten» betrachtet.

Dialogmöglichkeit
sozialer Medien nutzen

Soziale Medien, Plakate, klassische Kopfinserate, Flyer – auf die Frage, welcher Kommunikationskanal der erfolgversprechendste sei, antwortet Hugi: «Jeder hat spezifische Stärken. Für einen erfolgreichen Wahlkampf ist ein Gesamtkonzept entscheidend.» Kandidatinnen und Kandidaten müssten überlegen, wen sie mit ihren Botschaften erreichen wollen, und dann den dafür richtigen Mix verschiedener Werbemassnahmen finden. Welche Kanäle empfiehlt er zwingend? «Die Dialogmöglichkeit sozialer Medien mit potenziellen Wählerinnen und Wählern sollte genutzt werden.»

Gleichzeitig warnt Hugi: «Soziale Medien ersetzen nicht den wichtigen direkten Kontakt mit der Wählerschaft, sei es bei Strassenaktionen oder mit öffentlichen Auftritten.» Es gebe Wahlkampagnen, die über soziale Medien erfolgreich waren – «doch führt ein Wahlerfolg nicht zwingend über die Präsenz in diesen Kanälen».

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