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Neuer VCS-Präsident Ruedi Blumer: «Es war klar, dass es ein enges Rennen gibt»

Der St. Galler SP-Kantonsrat Ruedi Blumer präsidiert künftig den Verkehrs-Club der Schweiz. Er ist am Samstag von den Delegierten zum Nachfolger von Evi Allemann gewählt worden. Damit bleibt das Präsidium bei der SP. Der Gossauer über seine überraschende Wahl, die Verkehrspolitik als Schlüsselfunktion und die wichtigsten Baustellen.
Christoph Zweili
Ruedi Blumer: «Das Velo hat enormes Potenzial (Bild: Benjamin Manser)

Ruedi Blumer: «Das Velo hat enormes Potenzial (Bild: Benjamin Manser)

Ruedi Blumer, Sie galten am Samstag als Aussenseiter: Wie überrascht sind Sie von Ihrer Wahl?

Es ist nur eine kleine Überraschung: Es war klar, dass es ein enges Rennen gibt. Meine Chancen waren durchaus intakt, auch wenn ich nicht Nationalrat bin.

Sie haben Ihren Kontrahenten, den grünen Nationalrat Michael Töngi, um nur drei Stimmen hinter sich gelassen: Was gab den Ausschlag?

Ich war für die Delegierten wohl einschätzbarer, was den Einfluss auf die Gesamtorganisation angeht: Ich war massgeblich an der Reorganisation des Zentralsekretariats beteiligt. Die Vertreter der Sektionen haben ein Interesse daran, dass sich ein Präsident für ihre Anliegen einsetzt.

«Der VCS ist kein
verlängerter Arm
einer Partei.»

Es gab schon vor fünf Jahren eine Kampfwahl SP gegen Grün, die Evi Allemann für sich entschied: Wie wichtig ist es, dass das VCS-Präsidium in SP-Händen bleibt?

Es ist schön, dass das so ist – matchentscheidend ist es nicht. Der VCS ist eine Umweltorganisation im Bereich Verkehr und kein verlängerter Arm einer Partei. Für mich ist die Parteizugehörigkeit zweitrangig.

Die mittlerweile in die Berner Regierung gewählte ehemalige SP-Nationalrätin hat sich klar links positioniert: Wo werden Sie stehen?

Auch klar links.

Sie sind also das neue Aushängeschild des VCS. Wofür stehen Sie inhaltlich?

Ich stehe für eine konsequent umweltbewusste Verkehrs-, Umwelt- und Klimapolitik.

Person

Der 61-jährige Gossauer Ruedi Blumer ist im Hauptberuf Schulleiter bei der Stadt Wil. Er sitzt seit 1996 für die SP im Kantonsrat. Blumer präsidiert den Mieterverband Ostschweiz und die SP-Sektion Gossau-Arnegg. Seit mehr als 10 Jahren leitet er als Co-Präsident die VCS-Sektion St. Gallen-Appenzell. Er ist seit vier Jahren Mitglied im VCS-Zentralvorstand. 2012 hatte Blumer die Wahl als Stadtrat in St. Gallen deutlich verpasst.

Das heisst?

Der Motorisierte Individualverkehr gehört plafoniert. Die umweltfreundlichen Verkehrsträger sind zu forcieren. Mobilität ist heute zu günstig zu haben, es gilt generell, Verkehr zu vermeiden. Bei Strecken bis zu zehn Kilometern ist das Auto die falsche Wahl – da gilt es zu Fuss zu gehen, das Velo, den Bus oder die S-Bahn zu nehmen. Das Velo hat enormes Potenzial: Die Velowege sind daher zu verbessern.

Woran kränkelt die Verkehrspolitik noch?

Die Verkehrspolitik stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Klimaveränderung und Raumplanung her. Sie ist der Schlüssel, um beides in den Griff zu bekommen: Was heute klar fehlt, ist die CO₂-Abgabe.

Wie wichtig ist Ihnen das mit dem VCS-Präsidium verbundene Prestige?

Mir geht es nicht ums Prestige, sondern um die Sache – um Mobilität, die die Umwelt schont.

Wo wird der VCS in zehn Jahren stehen?

Die Organisation wird noch stärker sein als heute: Denn die Zeit arbeitet für unsere Anliegen. Die Umwelt bewusst zu gestalten wird ein immer wichtigeres Thema werden.

Was sind die wichtigsten Baustellen?

Das sind wohl Digitalisierung und E-Mobilität . Beides ist nicht zu überschätzen.

Und was meinen Sie damit?

Mit selbstfahrenden Autos unter dem Stichwort Digitalisierung ist nichts gelöst: Das Raumproblem ist das Gleiche. Das lösen wir nur, wenn wir überlegen, welches das richtige Fortbewegungsmittel ist und wenn wir die gefahrenen Distanzen verkürzen. Wenn ich vom Auto aufs E-Bike umsteige, ist das gut. Wenn ich vom Auto auf einen Tesla umsteige, ist das ungfenügend. Wenn ich die Elektromobilität missbrauche, um ein grosses Auto zu kaufen, ist das Platzproblem noch verschlimmert.

Der VCS steht bei bürgerlichen Verkehrspolitikern regelmässig wegen seiner angeblich ideologischen Haltung in der Kritik. Was sagen Sie dazu?

Ich sehe das anders. Es ist mit Blick auf Klimaveränderung und Raumplanung nötig, das Platz- und das CO₂-Problem ernst zu nehmen. Wir bekommen das in den Griff, wenn wir unsere Mobilitätsgewohnheiten verändern. Das hat mit Ideologie nichts zu tun: Wir müssen unsere Lebensgrundlagen erhalten.

Sie arbeiten noch bis Ende Juli in Ihrem Hauptberuf als Schulleiter in Wil: Ist Ihr neues Amt mit dem SP-Kantonsratsmandat vereinbar?

Ja, das geht gut: Ich gehe in meinem Hauptberuf quasi in Frühpension, um mich meiner Passion als Verbandsmensch und Politiker zu widmen.

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