Der unbekannte Dritte

Die Staatsanwaltschaft Thurgau ermittelt im Falle der Arbon Energie AG gegen drei Verdächtige. Das Handelsregister lässt Rückschlüsse zu.

Tanja von Arx
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ARBON. Der Kreis schliesst sich. Die Staatsanwaltschaft Thurgau hatte bekanntgegeben, dass sie gegen drei ehemalige Organe der Arbon Energie AG Strafuntersuchungen wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung eröffnet hat. Zwar nannte Mediensprecher Stefan Haffter wegen des Persönlichkeitsschutzes keine Namen. Verschiedene Medien brachten aber Jürgen Knaak, den seit März pensionierten Geschäftsleiter der Arbon Energie, und Alfred Näf, Arbon-Energie-Verwaltungsratspräsident bis Mai, mit der mutmasslichen Veruntreuung in Verbindung. Die Frage blieb aber offen: Wer ist die dritte Person?

Nur drei kommen in Frage

In Betracht kommen nur drei Personen – drei Verwaltungsräte sind in den letzten Jahren aus der Arbon Energie ausgetreten. Erstens Reto Stäheli, der frühere Arboner Stadtrat mit Einsitz im Verwaltungsrat der Arbon Energie bis Mai. Zweitens Martin Klöti, der ehemalige Stadtpräsident von Arbon und Verwaltungsratsvizepräsident der Arbon Energie bis 2012. Und drittens Hans Lienhard, Verwaltungsratsvizepräsident bis 2011. Sie alle haben bestritten, im Fokus der Untersuchungen zu stehen.

«Ich bin nicht kontaktiert worden, seit ich nicht mehr im Stadtrat und somit nicht mehr im Verwaltungsrat bin», sagte Stäheli; «Die dritte Person bin bei weitem nicht ich», sagte Klöti; und «Ich weiss von nichts», sagte Lienhard.

Indizien deuten nun dennoch auf Lienhard hin, wie aus einer Aussage von Näf hervorgeht. Bei seinem Rücktritt sagte Näf mittels Stellungnahme, ausgearbeitet mit seinem Anwalt, in welchem Punkt sich die Untersuchung der Price Waterhouse Coopers (PWC) gegen ihn richtete. Der Verwaltungsrat hatte diese unter interimistischer Leitung von Stadtpräsident Andreas Balg in Auftrag gegeben, und sie stellte einen Schaden im sechsstelligen Bereich fest. «Es wurde die Frage aufgeworfen, ob ich berechtigt gewesen sei, Prämienzahlungen an Mitarbeiter zu bewilligen.» Prämien sind zu verstehen als Bonus oder Lohnerhöhung, aber nicht als ausserordentliche Spesen oder Fahrzeuge. Näf hatte «solche Prämienzahlungen in den vergangenen Jahren bewilligt», bis auf die letzten drei oder vier Jahre «stets mit einem Verwaltungsrat». Und dieser Verwaltungsrat muss Lienhard gewesen sein.

Stäheli nicht berechtigt

Reto Stäheli war im fraglichen Zeitraum nicht zeichnungsberechtigt. Zwar gehörte er dem Verwaltungsrat schon seit 2005 an. Die Kollektivunterschrift zu zweien besass er aber erst ab 2011, wie das Handelsregister des Kantons Thurgau festhält. Klöti war zwar vier Jahre zuvor zeichnungsberechtigt – allerdings nur für ein Jahr, von 2010 bis 2011. Gemäss der Aussage von Näf muss es sich jedoch um einen längeren Zeitraum handeln. Lienhard hatte die Kollektivunterschrift während seiner gesamten Amtszeit.

Lienhard bestreitet, mit den Fakten konfrontiert, nicht mehr, im Fokus der Untersuchungen zu stehen. Stattdessen sagt er: «Weil ich in ein laufendes Verfahren einbezogen worden bin, gebe ich keine weitere Auskunft.»