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Der Traum vom eigenen Staat

Vor vier Jahren hat der Thurgauer Unternehmer Daniel Model den Staat Avalon ausgerufen. Jetzt baut der Staatengründer in Müllheim mit dem «Modelhof» auch noch ein Regierungsgebäude.
Markus Rohner
Auf diesem Betonfundament kommt das Regierungsgebäude des Staates Avalon zu stehen. (Bild: Daniel Ammann)

Auf diesem Betonfundament kommt das Regierungsgebäude des Staates Avalon zu stehen. (Bild: Daniel Ammann)

müllheim. Das arme Tier. Als ob es fester Bestandteil des jungen Staates wäre, liegt der tote Jungfuchs während Wochen auf dem Betonfundament, auf dem das Regierungsgebäude des Staates Avalon zu stehen kommt. Vielleicht wird Daniel Model dem Fuchs dereinst im Staatswappen die Ehre erweisen.

Ein neuer Staat

Es läuft etwas in Müllheim. An der Bahnhofstrasse sind Ende 2009 Bagger und Kran aufgefahren und haben eine Baugrube ausgehoben.

In nächster Nachbarschaft sind Künstler der Bildhauerschule Müllheim damit beschäftigt, aus grossen Quadern jene Blöcke zu schlagen, aus denen das dreistöckige Regierungsgebäude mit Kuppeldach errichtet wird.

Das wichtigste Fundament für diesen Freistaat wurde allerdings bereits früher, im März 2006 gelegt. Damals trat Daniel Model, 50, Präsident und Inhaber der international tätigen Model-Verpackungsgruppe, vor die Thurgauer Gemeindeammänner und hielt im Rathaus Weinfelden ein Referat zum Thema «Staat und Unternehmer».

Der Grossunternehmer war mit Herzblut dabei und nutzte die Gelegenheit, seinen eigenen Staat auszurufen. Die versammelten Gemeindeammänner schauten sich verwundert an und waren vor allem sprachlos. Kaum war Models Idee publik, ging es nicht lange, und immer mehr Leute wollten von ihm wissen, was es mit diesem Staat, der bald darauf den mythisch-keltischen Namen Avalon erhielt, auf sich hat.

Gegen Bürokratie

Auch wir nahmen mit dem Staatengründer Kontakt auf und baten um ein Gespräch. Ohne Erfolg. Antworten auf schriftlich gestellte Fragen blieb er nicht schuldig. Mit seinem «Selbststaat» wolle er daran erinnern, «dass der einzelne alle Anlagen in sich trägt, selbst auch ein autonomer Staat zu sein». Avalon sei der Ort jener Menschen, die bereit seien, an sich zu arbeiten, bis sie so weit kommen, dass sie für andere arbeiten.

Wozu braucht es im Herzen des Thurgaus einen neuen Staat? Weil wir an einem fundamentalen Widerspruch krankten, der das Land zu markanten und noch heftiger werdenden Erschütterungen führen werde, ist Model überzeugt. «Der tiefe Freiheitsimpuls seiner Gründung ringt mit der Versklavung der Bürger durch das geschriebene Wort der fleissigen Gesetzes- und Reglementierungsproduktion in der Gegenwart.

» Und weiter: «Der direkten Demokratie, die so sehr auf mündige Bürger angewiesen wäre, wird durch den bürokratisierten Vorsorge-, Fürsorge- und Umverteilungsstaat, der die Bürger immer erfolgreicher in die entmündigende Rentenempfängnis verführt, der Boden unter den Füssen weggezogen.»

Das sind die Worte eines des grössten Wirtschaftsführers der Ostschweiz, der ein Firmenimperium mit gegen 3000 Angestellten und Millionenumsatz in Händen hat. Model weiss, dass er mit seinen Aussagen viele Menschen vor den Kopf stösst.

«Aber ich sage es trotzdem. Die Heilung setzt oft erst ein, wenn der Leidensdruck gross ist.» Model hat grosse Zweifel, ob der Staat mit seiner «anonymen, seelenlosen Fürsorge» den Heilungsprozess überhaupt in Gang bringen kann.

Wer ist da verrückt?

Macht sich da ein Industrieller, in dessen Kopf die wildesten Gedankenexperimente entstehen, über Staat und Gesellschaft lustig? Nicht wenige im Thurgau können über Models Staat nur noch lachen oder den Kopf schütteln, andere sind seinem Kunstgebilde beigetreten.

Grundvoraussetzung für einen Beitritt ist «die Sehnsucht nach einem Kultur- und Lernstaat und die Bereitschaft, am Aufbau dieses Staates aktiv mitzuwirken». Die Bevölkerung seines Kunststaates, sagt Model, habe sich seit der Gründung verdreifacht. Auch wenn der Mann da und dort als Utopist und Spinner betrachtet wird, ihn stört es nicht. Die Zukunft werde zeigen, wer verrückt gewesen sei. «Ich will niemanden retten. Ich bin bloss nicht mehr bereit, die Welt so hinzunehmen, wie sie ist.

Sie ist so geworden, und sie kann auch wieder anders werden.»

Die Model-Münze

Model ist fest entschlossen, seinem jungen Staat feste Konturen zu geben. Bald einmal wird er mit seinem Hofstaat in den «Modelhof» einziehen. «Hier werde ich Hof halten, zusammen mit Familie, Künstlern, Mitbürgern, Philosophen, Kindern, Freunden, Hofnarren und Denkern.» Der «Modelhof» sei jenes Gefäss, worin das Freie, das Schöne und das Wahre gegossen werde.

Daniel Model ist es ernst. Er ist überzeugt, dass seine «Wiedergeburt der Eidgenossenschaft aus dem Geist des Individualismus des 21. Jahrhunderts» in der Bevölkerung bald auf Akzeptanz stossen werde. Die Staatsmünzen, die sein Konterfei und einen Apfelbaum zeigen, sind geprägt. Und wenn in der Zwischenzeit der Fuchs fachgerecht entsorgt worden ist, ist im Staate Avalon auch einem toten Tier der notwendige Respekt gezollt worden.

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