Der Ton macht die Musik

ST.GALLEN. Über die Tonqualität am St.Galler OpenAir lässt sich streiten. Das Versetzen der Hauptbühne schränkt diese jedoch nicht ein, wie eine ehemalige Helferin des Festivals behauptet. Auf die Techniker kommt es an und darauf, wo der Zuhörer steht.

Janina Gehrig
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Vor der Sitterbühne – beschallt wie im Zürcher Hallenstadion. (Bild: Urs Bucher)

Vor der Sitterbühne – beschallt wie im Zürcher Hallenstadion. (Bild: Urs Bucher)

Heute beginnt das 36. St.Galler OpenAir. Nach 20 Uhr versammeln sich die Besucherinnen und Besucher fürs erste Konzert vor der Sternenbühne, ab morgen Nachmittag auch vor der Sitterbühne. Mit welcher Tonqualität sie dabei beschallt werden, darüber sind sich längst nicht alle einig.

Es habe Reklamationen gehagelt auf der Forumsseite des OpenAir nach dem letzjährigen Festival, und die Tonqualität auf der Sitterbühne habe sich tatsächlich «massiv verschlechtert», sagt eine ehemalige Helferin des Festivals gegenüber unserer Zeitung. Sie will den Grund dafür kennen. «Die Hauptbühne ist vergangenes Jahr verschoben worden, weil die VIPs mehr Platz hinter der Bühne beanspruchten», sagt die Frau. Die Information, dass die Bühne verschoben worden sei, hat sie wiederum von einem Kollegen erhalten, der selbst beim Bühnenaufbau dabei war.

Rundum beschallt

Christof Huber, Geschäftsführer und Programmchef des Festivals, widerspricht. «Seit 2010 haben wir eine neue, grössere Bühne. Die steht aber am gleichen Ort wie immer.» Dass die Musiker mehr Platz beansprucht hätten, bestreitet Huber ebenfalls. «Wegen eines VIPs würden wir ausserdem nicht alles umstellen.»

Der VIP-Bereich, wo sich auch Medienschaffende und Gäste aufhalten, ist laut Huber seit Jahren 25 auf 25 Meter gross, auch die Künstlergarderobe hinter der Bühne sei in den letzten vier Jahren gleich gross geblieben. Mehr Platz habe einzig das Publikum erhalten. «Im Jahr 2010 haben wir das Mischpult nach hinten versetzt, von der Bühne weg», sagt Huber. Dies habe die Soundqualität aber nicht beeinflusst. «Wir benutzen ein sogenanntes Line Array System, ein Beschallungssystem, bei dem die Lautsprecher leicht gekrümmt übereinander angeordnet sind und den Raum rundum und gleichmässig beschallen», sagt der OpenAir-Chef. Das gleiche System finde sich auch im Zürcher Hallenstadion. Da komme es nicht drauf an, wie die Bühne ausgerichtet sei – und auch nicht, ob man weiter vorne oder weiter hinten stehe. Zu den Reklamationen sagt Huber: «Jedes Jahr gibt es Leute, die sich über die Tonqualität ärgern. Es ist wie bei einem Fussballspiel, jeder hat eine eigene Meinung darüber.»

«Wie eine Taschenlampe»

«Die Beschallungsanlage funktioniert wie eine Taschenlampe. Es kommt schon drauf an, wo man hin leuchtet», sagt Michael Gallusser, Tontechniker im Palace und Gitarrist von Stahlberger. Der beste Platz befinde sich in der Mitte, 20 bis 100 Meter vor der Bühne. Ob diese nun verschoben worden sei oder nicht, weiss Gallusser nicht. «Für die Tonqualität verantwortlich ist hauptsächlich der Techniker, der am Mischpult steht und die Instrumente aufeinander abstimmt.» Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind haben ebenfalls einen Einfluss auf die Tonqualität. Dass ein Versetzen der Hauptbühne die Tonqualität per se einschränkt, verneint auch Christian Scholl, Leiter Tontechnik am Theater St.Gallen. «Die Beurteilung der Tonqualität bewegt sich aber stets in einem subjektiven Rahmen.» In diesem Sinne versucht Gallusser, der auch dieses Jahr wieder am OpenAir-Mischpult steht, «die Musik zu verstehen und alle Dimensionen herauszuschaffen». Das «Soundsystem» des St.Galler OpenAir bezeichnet er als «angemessen».

Nur mit Pfropfen in den Ohren

Vorgegeben ist einzig die Lautstärke. 100 Dezibel schreibt die Laser- und Schallschutzverordnung seit 1996 als Grenze vor. «Es gibt allerdings Tricks, diese zu umgehen», sagt Gallusser. Denn die Messung berücksichtige höhere Frequenzen stärker als Bässe. So rät er in jedem Fall zu Gehörschutz. Der Haken: Die gelben Pfropfen nützen zwar, lassen aber die Musik stumpf erscheinen.

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