Der tiefere Sinn des Olma-Plakats

Das diesjährige Olma-Sujet, eine verwackelte Kuh, wurde auf einer Viehschau aufgenommen. Das Plakat ist das letzte einer Serie, die von der Grafikerin Andrea Gmünder und dem Fotografen Samuel Forrer stammt.

Katja Müller
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Kuh in Bewegung: Fotograf Samuel Forrer lieferte das Motiv für das diesjährige Olma-Plakat. (Bild: Hannes Thalmann)

Kuh in Bewegung: Fotograf Samuel Forrer lieferte das Motiv für das diesjährige Olma-Plakat. (Bild: Hannes Thalmann)

Obwohl es jedes Jahr anders aussieht, hat das Olma-Plakat eine Konstante: Es sorgt für Diskussionen und Spekulationen. Dieses Jahr ist das verwackelte Bild einer Kuh das Aushängeschild der Messe (Ausgabe von gestern).

Und wie jedes Jahr wirft es die Frage auf: Was will uns der Künstler sagen? Die Antwort darauf ist einfach und schnörkellos. «Die Kuh ist voller Lebensfreude», sagt die Grafikerin Andrea Gmünder, die das Plakat gestaltet hat. «Sie ist herausgeputzt und freut sich auf die Olma, so wie die Bauern und Besucher auch.» Die Kuh renne und springe auf einer Wiese herum, was auch die Bewegungs-Unschärfe erkläre. Genau die mache aber den Reiz des Fotos aus, sagt Andrea Gmünder.

Kuh rannte los

Entstanden ist das Bild an einer Viehschau in Speicher, im September 2004. Der Fotograf Samuel Forrer erwischte den Moment, als eine Kuh am Abend losgebunden war und wegrannte – zwar direkt vor seine Linse, aber so schnell, dass der Autofokus nicht mithalten konnte. «Mir gefällt die Dynamik darauf», sagt der Fotograf, der sich mit Porträts und Naturaufnahmen einen Namen gemacht hat. Besonders sichtbar ist die Bewegung auf der Plakatversion, welche die ganze Kuh zeigt. «Die Kuhglocke fliegt nach links, das Euter nach rechts, das Bild lebt.» Kühe und Landwirtschaft gehören zu Forrers bevorzugten Themen. «Als Bub wollte ich immer Knecht werden.»

Das Plakat ist das dritte in Folge, das von Andrea Gmünder mit einem Foto von Samuel Forrer gestaltet wurde. Bereits die Sujets mit den Kuhrücken (2006) und der Kuhkopf mit Hörnern (2007) stammen von den beiden.

Die Sujets wurden mittels einer internen Ausschreibung in der Firma Tachezy, Kleger und Partner ausgewählt. Für das Plakat 2009 ist der Wettbewerb zurzeit im Gang (siehe Kasten). Das Bild mit den Kuhrücken wurde übrigens prämiert. Es gehörte 2006 zu den besten 100 Plakaten der Schweiz, Deutschlands und Österreichs.

Leute zum Nachdenken anregen

Samuel Forrer ist mit der Wahl des Ausschnitts und der Gestaltung zufrieden: «Es ist frech und passt zu einem Plakat.» Besonders der rosa Schriftzug sei gelungen. Dieser steht laut Andrea Gmünder für Weiblichkeit und Fröhlichkeit.

Dass die Plakate jedes Jahr Diskussionen auslösen, gefällt den beiden. «Ein Plakat sollte nicht nur schön aussehen», sagt Andrea Gmünder. «Noch besser ist es, wenn es zum Nachdenken anregt.» Wenn die Leute darüber reden, wisse sie, dass sie das richtige Sujet gewählt habe. «Gibt es keine Reaktionen, ist das Plakat zu platt», sagt die Grafikerin und windet den Olma-Verantwortlichen ein Kränzchen: «Sie stellen einen künstlerischen Anspruch an das Plakat, es soll nicht nur reine Werbung sein.»

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