Der Thurgau geht bei den Löhnen in der Verwaltung über die Bücher

Vergleich mit Privatwirtschaft: Eine Studie sieht bei den Lohnbandbreiten und den Maximallöhnen der Thurgauer Kantonsangestellten Handlungsbedarf.

Christian Kamm
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Ein Thema war er schon lange und dementsprechend wurde er mit Spannung erwartet: Der Lohnvergleich zwischen Kanton und Privatwirtschaft. Seit Freitag liegt der vom Aarauer Institut Perinnova Compensation erstellte Bericht nun vor.

Auf den Vergleich kommt es an

Erste Erkenntnis: Es kommt immer darauf an, was man miteinander vergleicht. Die Verfasser selber sind sich dessen bewusst:

«Werden Löhne verglichen, ist es fast immer ein ‹Äpfel mit Birnen-Vergleich›.»

Im Falle der Thurgauer Kantonsverwaltung sei es naheliegend, die Saläre eines grossen privaten Unternehmens der Dienstleistungsbranche zum Massstab zu nehmen. Dabei hat sich gezeigt: Das Lohnniveau der grossen Thurgauer Unternehmen ist mit jenem des Kantons insgesamt vergleichbar. Umgekehrt könne nicht überraschen, so die Autoren, «dass die Löhne im Gewerbe, mit in der Regel kleineren Unternehmen, auch bei gut vergleichbaren Funktionen tiefer ausfallen». Sehr deutlich seien die Unterschiede zur Landwirtschaft.

Und wie sieht es aus, wenn tatsächlich Äpfel mit Äpfeln verglichen werden, also das Lohngefüge der Thurgauer Verwaltung mit dem anderer Kantonsverwaltungen? Hier liegt der mittelgrosse Thurgau recht präzise im Durchschnitt.

Potenzielles Wachstum bis 70 Prozent

So weit − so erwartbar. Spannender wird es, wenn man ins Detail geht. So sind die Anfangslöhne von Kanton und kleineren Betrieben zwar ähnlich hoch. Dann aber zieht die Verwaltung davon. «Es ist beim Arbeitgeber Kanton Thurgau eine grössere Lohnentwicklung möglich», haben die Verfasser festgestellt. Das potenzielle Lohnwachstum beträgt rund 70 Prozent. Das sei «in der Praxis ein sehr hoher Wert und lasse sich auch theoretisch schwer begründen». Möglich machen dies die Lohnbandbreiten, der Abstand zwischen dem Mindest- und Maximallohn:

«Die minimalen Löhne sind im Vergleich in der Regel tief und der maximale Lohn in der Regel hoch.»

Es sei daher angezeigt, «die Lohnbandkonstruktion vertieft zu analysieren».

Lohnnebenleistungen unterdurchschnittlich

Die Anstellungsbedingungen und Lohnnebenleistungen (etwa Pensionskasse oder Ferien) zeigen ein ähnliches Bild wie der Lohnvergleich. Nimmt man die Situation in grossen Firmen zum Massstab, dann schneidet der Kanton durchschnittlich ab, verglichen mit kleinen Betrieben zeigt er sich grosszügig. Gegenüber anderen Verwaltungen liegt er leicht unter dem Durchschnitt. Ebenfalls untersucht haben die Autoren Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau in der Verwaltung. Hier liegt der Thurgau innerhalb des vom Bund festgelegten Toleranzbereichs, aber die Differenz hat seit 2012 um 0,4 auf 3,2 Prozent zugenommen.

Regierung nennt vier Massnahmen

Über die Ergebnisses des Lohnvergleichs wird auch noch das Kantonsparlament debattieren. Die Regierung hat einen Zusatzbericht verfasst, in dem sie Massnahmen zur Diskussion stellt. Wie im Bericht empfohlen, soll das Lohnbandspektrum verkleinert und die Einreihung in die Lohnklassen überarbeitet werden. Zweitens werden die Lohnnebenleistungen überprüft. Drittens sollen die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern ausgemerzt werden, mit dem Ziel: «Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.» Und schliesslich wird auch das Zusammenspiel zwischen genereller und individueller Lohnerhöhung unter die Lupe genommen  und soll transparenter sowie nachvollziehbarer werden.

Finanzdirektor Stark: «Wir sind richtig positioniert»

Der Kanton sei lohnpolitisch dort, wo man ihn erwartet habe, kommentiert Finanzdirektor Jakob Stark die Ergebnisse des Lohnvergleichs. «Wir sind richtig positioniert.» Allerdings gebe es die aufgezeigten Handlungsfelder. Mit dem Bericht habe man nun eine gemeinsame Faktenbasis, auf deren Grundlage die Interessengruppen diskutieren könnten. Inhaltlich will sich Stark noch nicht auf die Äste hinaus wagen, sondern vorerst die Debatte im Grossen Rat abwarten. Sind die Löhne in der Verwaltung zu hoch? Dieser Diskussion müsse man sich stellen, sagt Stark lediglich. Eine Anpassung von Maximallöhnen nach unten will er ebenfalls nicht ausschliessen. Eine klare Botschaft gibt es bei der Gleichstellung. Dass die Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen grösser geworden sei, «hat mich schon etwas überrascht». Das Ziel müsse eine Null sein. «Ohne Wenn und Aber.» (ck)

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