Der Tetra-Pak endet in Weinfelden

Die Firma Model ist bald in der Lage, alle Getränkekartons der Schweiz zu rezyklieren. Dafür investiert sie 35 Millionen Franken. Noch fehlt aber ein nationales Sammelsystem, das auch sämtliche Getränkekartons nach Weinfelden bringt.

Silvan Meile
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WEINFELDEN. Tetra-Paks sollen künftig rezykliert statt verbrannt werden. Das will der Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz. Während eines dreijährigen Pilotprojekts testete der Verein die grossflächige Separatsammlung dieser Getränkekartons. An 90 Sammelstellen in elf Kantonen fallen mittlerweile monatlich mehr als 30 Tonnen Getränkekartons an. Statt in der Kehrichtanlage zu verbrennen, werden sie in der Weinfelder Firma Model wiederverwertet.

Wertvollen Rohstoff gewinnen

Getränkekartons bestehen aus 75 Prozent Papier, 22 Prozent Kunststoff und 3 Prozent Aluminium. Beim Weinfelder Verpackungshersteller Model interessieren die Fasern im Papieranteil des Recyclingmaterials. «Die lange Faser ist ein wertvoller Rohstoff, aus dem wieder Karton entstehen kann», sagt Andreas Klumpp, Betriebsleiter der Papierfabrik Model AG. Auf einer Maschine zur Wiederaufbereitung von beschichteten und nassfesten Papierprodukten können diese Fasern zurückgewonnen werden. Das kostet die Firma zwar Geld, sie gewinnt dafür aber einen immer teurer werdenden Rohstoff zurück. «Wir sind als kleine Papierfabrik auf dem internationalen Markt gezwungen, innovativ zu sein», sagt Betriebsleiter Klumpp.

Model schafft Kapazitäten

Auch deshalb investiert die Model AG nun 35 Millionen Franken in eine neue Stoffaufbereitungsanlage für «Problempapiere», zu denen Klumpp die Getränkekartons zählt. Mit dieser Investition könne man etwa ab Ende 2016 das Recycling aller in der Schweiz anfallenden Getränkekartons übernehmen und nahezu alle Arten von Papieren verarbeiten, wie es heute in Europa nur wenige Papierfabriken könnten, sagt Klumpp.

Hürden für nationales System

Die Investition der Model spielt Raymond Schelker vom Verein Getränkekarton-Recycling Schweiz in die Karten. Die Pilotphase habe gezeigt, dass eine grossflächige Sammlung «ökologisch sinnvoll, technisch machbar und wirtschaftlich tragbar» sei, sagt Schelker. Mit einer vorgezogenen Recyclinggebühr von zwei Rappen pro Getränkekarton wäre es finanzierbar. Dafür braucht es aber noch mindestens zwei Hürden zu nehmen: eine Branchenvereinbarung der Detaillisten und eine entsprechende Rahmenbedingung. Schelker ist optimistisch: «2018 könnte eine nationale Sammlung starten», sagt er. Bei der Model dürfte dann die Menge an Getränkekartons sprunghaft ansteigen. Von monatlich 30 Tonnen auf rund 1500.

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